Kritischer Leserbrief zu Burkhard Ewerts Lindner-Kommentar: Eine faktenbasierte Einordnung der politischen Verantwortung und des Vertrauensverlusts des Ex-Finanzministers.
Hallo NOZ, hallo Herr Ewert,
hier mein Leserbrief zum Rest der Republik von Burkhard Ewert in der NOZ vom 27.11.2025.
Der Kommentar von Burkhard Ewert über Christian Lindners neuen Job wirkt wie eine bewusste Ausblendung der politischen Realität. Der Text verklärt den Rückzug des ehemaligen Finanzministers zur Freiheitstat, ohne auch nur ein Wort über die politischen Verantwortungslasten zu verlieren, die diesen Schritt erst notwendig gemacht haben.
Lindner verlässt die Bühne nicht als gelassener Liberaler, sondern nach einer Kette politischer Fehlentscheidungen: der Haushaltsblockade, der Eskalation der Schuldenbremsenkrise, dem mutwilligen Abwürgen dringend benötigter Investitionen und schließlich einem maßgeblich provozierten Bruch der Ampelkoalition. Dass ein Politiker nach einem solchen Bilanzschatten nicht mehr für hohe Ämter, Aufsichtsräte oder internationale Positionen infrage kommt, hat nichts mit Verachtung für normale Berufe zu tun, sondern mit verlorenem Vertrauen.
Ewert deutet Lindners berufliche Notlandung zur Tugend um und wirft Kritikern implizit Elitenverachtung vor. Diese rhetorische Drehung ersetzt Analyse durch Sympathiebekundung und unterschlägt vollständig, warum Lindner politisch keine Anschlussfähigkeit mehr hat. Wer sich öffentlich über die Lebenswirklichkeit von Millionen Menschen sorgen will, sollte zunächst die Lebenswirklichkeit des politischen Systems ernst nehmen: Glaubwürdigkeit ist dort ein Grundkapital. Lindner hat es verspielt.
Statt einer realistischen Einordnung präsentiert der Kommentar eine Glorifizierung, die den Ursachen seines politischen Scheiterns bewusst ausweicht. So entsteht kein Journalismus, der erklärt, sondern einer, der verklärt.
Mit freundlichen Grüßen
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