Kritischer Blick auf das Weimer-Interview: Ausweichmanöver, Kulturkampf-Rhetorik und fehlende Transparenz analysiert.

Hallo NOZ, hallo Frau Lehmann und Herr Benedict,

Ihr Interview mit Kulturstaatsminister Wolfram Weimer zeigt vor allem eines: Der Konflikt zwischen Journalismus und Politik wird zunehmend durch Schlagworte und Symbolpolitik überlagert, während die zentralen Fragen unbeantwortet bleiben.

Ihre Redaktion stellt berechtigte kritische Fragen, doch die Antworten des Ministers bleiben bemerkenswert ausweichend. Besonders irritierend ist, dass Weimer die Vorwürfe rund um mögliche Interessenkonflikte mit seiner Weimer Media Group lediglich mit dem Hinweis abtut, er habe seine Tätigkeiten „niedergelegt“. Transparenz sieht anders aus. Dass er gleichzeitig von einer „rechten Trollkampagne“ spricht, ersetzt keine inhaltliche Klärung, und wirkt eher wie ein Versuch, Kritik pauschal zu delegitimieren.

Auch bei der Digitalabgabe, beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk und beim Kulturetat bleibt der Minister den konkreten politischen Fahrplan schuldig. Stattdessen greift er selbst auf populistische Begriffe wie „Zwangsgebühren“ zurück, um sie dann im gleichen Atemzug als irreführend einzuordnen. Dieser rhetorische Spagat wirkt nicht authentisch. Es drängt sich der Eindruck auf, dass Weimer versucht, sowohl konservative als auch rechtsoffene Milieus zu bedienen, während er gleichzeitig den Kulturkampf gegen „Rechtsautoritarismus“ beschwört.

Gerade deshalb wäre an dieser Stelle ein stärkeres journalistisches Nachhaken wünschenswert gewesen. Die entscheidenden Widersprüche, etwa zwischen Weimers Sprache und seiner behaupteten politischen Mitte, bleiben unaufgelöst. Der Leser erfährt viel über Weimers Selbstbild, aber nur wenig über die sachliche Ebene seiner Kultur- und Medienpolitik.

Ein Kulturstaatsminister sollte integrativ wirken, nicht polarisieren. Wenn er den demokratischen Diskurs verteidigen will, dann braucht es weniger Pathos und mehr Transparenz, Substanz und Klarheit. Das Interview zeigt: Diese Fragen sind dringlicher denn je.

Mit freundlichen Grüßen