Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Kategorie: Tobias Schmidt (Seite 1 von 4)

Leserbrief zu „Dürfen Sie Luxus, Frau Reichinnek?“ von Tobias Schmidt, NOZ vom 21.02.2026, Seite 4

NOZ & Tobias Schmidt; wie aus Halbwissen und AfD-Zitaten ein „Skandal“ wird. Warum der Artikel zu Heidi Reichinneks Audi kein Journalismus, sondern billige Hetze ist.

Hallo NOZ, hallo Herr Schmidt,

mit Interesse habe ich Ihren Artikel „Dürfen Sie Luxus, Frau Reichinnek?“ gelesen. Leider muss ich feststellen, dass der Beitrag weniger durch fundierte Recherche als durch polemische Unterstellungen und oberflächliche Provokationen besticht. Statt die Leser sachlich über die Hintergründe des sogenannten „Audi-Gate“ zu informieren, bedienen Sie Klischees und tragen so zur weiteren Polarisierung der politischen Debatte bei.

Ihr Artikel suggeriert, Heidi Reichinnek nutze einen 106.000-Euro-Audi als Privatfahrzeug oder zumindest in einer Weise, die ihrer politischen Haltung widerspricht. Doch statt diese Behauptung mit einer offiziellen Stellungnahme der Linksfraktion zu untermauern, verlassen Sie sich auf Spekulationen und die gezielte Verbreitung des Themas durch die AfD. Dabei hätte eine einfache Anfrage bei der Fraktion Klarheit schaffen können. Der Audi ist ein geleastes Fraktionsfahrzeug, das aus Fraktionsmitteln finanziert wird, eine gängige Praxis in der Politik, die Sie verschweigen.

Sie stellen die Frage „“Darf eine Linke Luxus?“, als wäre dies ein Skandal. Doch warum fragen Sie nicht auch: „“Darf ein Grünen-Politiker mit einem dicken BMW-SUV vorfahren?“ oder „“Darf die AfD mit rechtsextremen Kennzeichen Wahlwerbung betreiben?“ Die selektive Empörung wirkt willkürlich und dient vor allem der Diskreditierung politischer Gegner. Journalismus sollte jedoch Kontexte schaffen, nicht Vorurteile bedienen.

Als regionale Zeitung mit großer Reichweite tragen Sie eine besondere Verantwortung. Statt die Leser über die tatsächlichen Hintergründe aufzuklären, etwa, dass personalisierte Kennzeichen in der Politik verbreitet sind oder dass Fraktionsfahrzeuge nicht privat genutzt werden, verstärken Sie mit reißerischen Überschriften und einseitigen Darstellungen die Spaltung der Gesellschaft. Das ist kein Qualitätsjournalismus, sondern Boulevard.

Ich schreibe Ihnen nicht, um Heidi Reichinnek oder die Linke in Schutz zu nehmen, sondern um auf die Gefahr hinzuweisen, die von oberflächlicher und tendenziöser Berichterstattung ausgeht. In Zeiten, in denen soziale Medien ohnehin schon für die Verbreitung von Falschinformationen sorgen, braucht es seriöse Quellen, die Fakten prüfen und einordnen. Ihr Artikel tut das Gegenteil.

Mit kritischen Grüßen

Leserbrief zu „Förderprogramm für maximal 800.000 Fahrzeuge – Prämie für E-Autos ein sinnvoller Impuls“ von Tobias Schmidt, NOZ vom 20.01.2026, Seite 1

Eigene Erfahrung ersetzt keine Zahlen. Ein Leserbrief zerlegt den Mythos vom teuren Stromfahren und benennt die wahren Hürden der E-Mobilität.

Hallo NOZ, hallo Herr Schmidt,

Tobias Schmidt schreibt in seinem Kommentar, „solange das Tanken von Strom auf den Kilometer gerechnet teurer ist als Sprit“, werde es Skepsis gegenüber der Elektromobilität geben. Das Problem: Diese Aussage ist schlicht falsch.

Ein durchschnittliches E-Auto verbraucht 15 bis 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Selbst bei heute üblichen Strompreisen ergeben sich Kosten von etwa 5 bis 8 Euro, beim Laden zu Hause oft deutlich weniger. Ein Benziner mit realistischem Verbrauch liegt dagegen bei 10 bis 13 Euro pro 100 Kilometer. Strom ist also nicht teurer, sondern in der Regel günstiger.

Wer ausschließlich das teuerste Schnellladen mit idealisierten Spritverbräuchen vergleicht, konstruiert ein Zerrbild, aber keine Realität. Genau solche verkürzten Darstellungen tragen dazu bei, Mythen über E-Autos zu verfestigen, statt die Debatte zu versachlichen.

Ähnlich pauschal ist die Behauptung, E-Autos seien „nach wie vor deutlich teurer“. Listenpreise allein sagen wenig aus. Rabatte, Leasingangebote, geringere Wartungskosten und Steuerbefreiung führen längst dazu, dass viele E-Autos über die Nutzungsdauer günstiger sind als vergleichbare Verbrenner.

Man kann über Kaufprämien, Industriepolitik und Förderlogik trefflich streiten. Aber eine Debatte auf Basis objektiv falscher Kostenvergleiche hilft weder der Verkehrswende noch der Glaubwürdigkeit des Journalismus.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „Berliner Geflüster – Warum Merz und ich zu Wegner halten“ von Tobias Schmidt, NOZ vom 10.12.2025, Seite 3

Der Leserbrief kritisiert Tobias Schmidts Artikel über Kai Wegner und zeigt, wie die Relativierung politischer Lügen das Vertrauen in die Demokratie untergräbt. Der wahre Skandal ist nicht das Tennis, sondern die Täuschung der Öffentlichkeit.

Hallo NOZ, hallo Herr Schmidt,

der Artikel „Warum Merz und ich zu Wegner halten“ von Tobias Schmidt verfehlt den Kern des Problems, und trägt damit selbst zur Erosion politischen Vertrauens bei.

Nicht die Tatsache, dass Berlins Bürgermeister Kai Wegner in einer Krisensituation eine Stunde Tennis spielte, ist der Skandal. Der Skandal ist, dass er der Öffentlichkeit erklärte, er habe sich in dieser Zeit im Büro eingeschlossen, und damit nachweislich die Unwahrheit sagte.

In einer Phase, in der das Vertrauen in Politik ohnehin schwindet, ist genau das untragbar. Wer Verantwortung trägt, darf Fehler machen. Was er nicht darf, ist die Bevölkerung über sein Handeln zu täuschen. Vertrauen entsteht nicht durch Ruhe, Sympathie oder nachträgliche Rechtfertigungen, sondern durch Wahrhaftigkeit.

Umso irritierender ist die journalistische Relativierung dieses Vorgangs. Der Artikel lenkt von der Lüge ab, indem er die Debatte zur Frage umdeutet, ob ein Bürgermeister Tennis spielen dürfe, und indem er Kritik pauschal als überzogene Empörung darstellt. Das ist ein Ablenkungsmanöver.

Demokratie lebt von Kritik, nicht von Nachsicht. Wer berechtigte Kritik an politischer Unwahrheit als hysterisch abtut, verschiebt Maßstäbe, zulasten der Glaubwürdigkeit von Politik und Medien gleichermaßen.

Nicht die Öffentlichkeit verliert Maß und Mitte. Sondern jene, die versuchen, eine Lüge zum Nebenschauplatz zu erklären.

Mit freundlichen Grüßen

Am 12. Januar 2026 14:30:20 MEZ schrieb „Schmidt, Tobias“ <t.schmidt@noz.de>:

Lieber Herr Reichl,

ich antworte ausnahmsweise mal mit einem BILD-Artikel.https://www.bild.de/regional/berlin/stromausfall-die-empoerung-hat-mit-der-wirklichkeit-nichts-zu-tun-695f7b8c482dcf8831fcd73bUnd mit der Einschätzung des DRK:https://www.morgenpost.de/berlin/article410899447/tennis-gate-drk-mitarbeiter-verteidigt-gescholtenen-kai-wegner.html

Beste Grüße!

Tobias Schmidt

Moin Herr Schmidt,

danke für Ihre Antwort und die beiden Verweise.

Beide gehen jedoch am Kern der Kritik vorbei. Weder der BILD-Artikel noch die Einschätzung eines einzelnen DRK-Mitarbeiters betreffen das eigentliche Problem. Es geht nicht um die Frage, ob die Lage operativ beherrschbar war oder ob Kai Wegners Anwesenheit vor Ort etwas verändert hätte. Diese Debatte führen Sie, sie ist aber nicht meine.

Der entscheidende Punkt bleibt, dassKai Wegner der Öffentlichkeit erklärt hat, er habe sich im Büro eingeschlossen, obwohl er tatsächlich Tennis spielte. Das ist keine Frage der Einsatzlage, sondern der Wahrhaftigkeit.

Dass Sie zur Verteidigung Ihrer Position ausgerechnet einen BILD-Artikel anführen, ist dabei aufschlussreich. Nicht wegen des Mediums an sich, sondern wegen des dortigen Framings. Auch dort wird eine belegbare Unwahrheit in eine Debatte über angeblich maßlose Empörung umgedeutet. Genau dieses Muster reproduzieren Sie.

Ob die Versorgungslage stabil war oder nicht, ändert nichts daran, dass politisches Vertrauen nicht durch nachträgliche Entlastungsargumente entsteht, sondern durch Ehrlichkeit im Moment der Verantwortung. Wer diesen Maßstab relativiert, verschiebt die Verantwortung von der politischen Führung auf die Öffentlichkeit.

Genau das halte ich für journalistisch problematisch.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Interview „Man muss solche Kompromisse dann auch umsetzen“ mit Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder zum Rentenstreit und Verbrenner-Aus, NOZ vom 22.11.2025, Seite 3

Kritischer Leserbrief zur Verkehrspolitik: Warum Schnieders Plädoyer für den Verbrennungsmotor an Fakten, Markttrends und Klimarealität vorbeigeht

Hallo NOZ, hallo Frau Lehmann, hallo Herr Schmidt,hier mein Leserbrief zum Interview mit Schnieder.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder behauptet im Interview, der Verbrennungsmotor werde „eine Zukunft haben“ und die Autoindustrie brauche mehr Zeit für die Transformation. Diese Sicht wirkt beruhigend, ignoriert aber die Fakten.

Erstens: Der Markt bewegt sich mit großer Geschwindigkeit Richtung Elektromobilität. In vielen europäischen Ländern liegt der Anteil reiner Elektroautos schon heute bei 20–30 Prozent, und internationale Prognosen sehen Europa und China bis 2030 klar elektrisch dominiert. Die Wende ist also längst im Gang.

Zweitens: Für den europäischen Neuwagenmarkt ist die Zukunft des klassischen Verbrenners praktisch beendet. Die EU hat entschieden, ab 2035 keine neuen Pkw mit CO₂-Ausstoß mehr zuzulassen. Genau darauf richtet sich die Industrie aus. Ständige politische Zweifel, wie sie Schnieder schürt, schaffen keine Sicherheit, sondern bremsen Investitionen.

Drittens: Dass Hersteller die Transformation „bis 2035 nicht schaffen“ würden, ist wenig überzeugend. Die Konzerne investieren längst massiv in Elektroplattformen, Batteriefertigungen und neue Produktionsstrukturen. Was sie am meisten hemmt, ist politische Unklarheit, nicht technische Unfähigkeit.

Viertens: Die Idee, Verbrenner mit synthetischen Kraftstoffen klimaneutral zu retten, bleibt Illusion. E-Fuels sind extrem teuer, ineffizient und nur in kleinen Mengen verfügbar. Für Flugzeuge oder Schiffe mag das sinnvoll sein, für Millionen Pkw nicht.Fünftens: Klimapolitisch ist das Festhalten am Verbrenner ein Risiko. Der Verkehr ist seit Jahren das Sorgenkind der deutschen CO2-Bilanz. Wenn selbst Neuwagen noch lange fossile Emissionen verursachen, sind die Klimaziele schlicht nicht erreichbar.

Schnieders Argumentation ist daher nicht zukunftsorientiert, sondern rückwärtsgewandt. Deutschland muss die Transformation entschlossen gestalten, statt alte Technologien künstlich am Leben zu halten. Die Zukunft des Autos wird elektrisch sein, nicht, weil Politik es diktiert, sondern weil Märkte, Technologie und Klimarealität längst dorthin drängen.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 13.11., Artikel Verbrennerverbot kippen: Wäre das gut?

Hallo NOZ, hallo Herr Schmidt,

Ihr Artikel „Verbrennerverbot kippen: Wäre das gut?“ vermittelt den Eindruck, dass das geplante Verbot der Zulassung neuer Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren ab 2035 vor allem eine riskante Last für Industrie und Arbeitsplätze sei, doch dieser Fokus greift zu kurz. 

Fakt ist: Chinesische Hersteller wie GAC Group bringen bereits heute ein Elektroauto für rund 5.500 Euro auf den Markt, eine strategische Kampfansage an die europäischen Hersteller. Gleichzeitig zeigen Studien, dass Elektroautos im Lebenszyklus längst nicht mehr teurer sind als Verbrenner.

Diese Fakten legen nahe, dass nicht allein das Verbot das Problem ist, sondern vielmehr das Versäumnis vieler europäischer Hersteller, den Wandel konsequent anzupacken. Ihre Darstellung verstärkt jedoch die Vorstellung vom Verbrenner „gerettet werden müssen“, statt die Mobilitätswende als Chance zu sehen.

Bitte berücksichtigen Sie in künftigen Beiträgen doch stärker, dass Technologie-, Kosten- und Wettbewerbsdaten bereits in Bewegung sind, und damit die Debatte über Verbots- oder Transformationspolitik anders geführt werden müsste.

Mit freundlichen Grüßen

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