Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Kategorie: Michael Clasen (Seite 1 von 5)

Leserbrief zum Thema Videoüberwachung, NOZ vom 21.03.2026, Mehr Sozialarbeit statt Überwachung – nachhaltige Sicherheit braucht Prävention

Mehr Kameras = mehr Sicherheit?Polizeipräsident de Vries fordert Ausweitung der Videoüberwachung, doch Überwachung verhindert keine Straftaten, sie dokumentiert sie nur. Statt in teure Technik zu investieren, brauchen wir soziale Arbeit, Prävention und klare Datenschutzregeln.

Hallo NOZ, hallo Herr Clasen, hallo Herr Streckwaldt,

der Vorstoß von Polizeipräsident Friedo de Vries für mehr Videoüberwachung und erweiterte Gesichtserkennung in Ihrer Ausgabe vom 21.03.2026 greift zu kurz. Zwar mag Überwachungstechnik kurzfristig das Sicherheitsgefühl steigern, doch sie löst keine Probleme, sondern dokumentiert sie nur.

Die Annahme, dass Kameras Kriminalität verhindern, ist fragwürdig. Studien zeigen, dass Überwachung allenfalls an hochfrequentierten Orten, wie Bahnhöfen, abschreckend wirkt. Messerangriffe oder Jugendkriminalität entstehen jedoch oft in sozialen Brennpunkten, wo Prävention durch Streetworker oder Jugendzentren weitaus wirksamer wäre. Stattdessen werden teure Technologien eingesetzt, deren Nutzen unbewiesen bleibt, während die eigentlichen Ursachen, wie Armut oder fehlende Perspektiven, ignoriert werden.

Besonders problematisch ist der Umgang mit Datenschutz. Projekte wie das niederländische Modell „Camera in Beeld“ oder der Einsatz von KI-Tools wie Palantir werfen drängende Fragen auf. Wer kontrolliert den Zugang zu den Daten? Wie wird Missbrauch verhindert? Transparenz und klare Regeln fehlen bisher völlig. Eine flächendeckende Überwachung ohne demokratische Kontrolle gefährdet Grundrechte und schafft neue Risiken.

Die Prioritäten sind falsch gesetzt. Statt in Überwachungstechnik zu investieren, braucht es mehr soziale Arbeit, Armutsbekämpfung und digitale Aufklärung. Polizeipräsident de Vries selbst weist auf die Gefahren von Social-Media-Challenges hin, doch anstatt Jugendliche durch Aufklärung zu schützen, wird auf Repression gesetzt. Konkrete Alternativen wären der Ausbau präventiver Programme oder die Einführung unabhängiger Kontrollinstanzen für Videoüberwachung.

Sicherheit entsteht nicht durch Beobachtung, sondern durch Vertrauen und Perspektiven. Die NOZ sollte diese Diskussion führen und kritisch hinterfragen, statt unreflektiert Polizeiforderungen zu verbreiten.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „VW-Gewinn bricht ein – Geschäftsmodell unter Druck Wachsende Angst um Standorte“ von Michael Clasen, NOZ vom 11.03.2026

Rückwärtsgewandt statt zukunftsfähig. Warum Michael Clasens Analyse zu VW in der NOZ an der Realität vorbeigeht.

Hallo NOZ, hallo Herr Clasen,

Michael Clasen bedient sich in seiner Meinung im der NOZ vom 11.03.2026 eines längst widerlegten Mythos, das angebliche „EU-Verbrennerverbot“. Tatsächlich gibt es kein solches Verbot, nur Klimaziele, die andere Länder als Chance nutzen. Während China und die USA mit E-Mobilität und autonomem Fahren die Zukunft gestalten, klammert sich Deutschland an überholte Technologien. Dass Clasen den Dieselskandal, ein zentrales Symbol für die Selbsttäuschung der Branche, verschweigt, passt ins Bild. Hier wird Geschichte umgeschrieben, statt Lehren zu ziehen.

Clasens Verweis auf E-Fuels als „Option“ ist entweder naiv oder bewusste Desinformation. Selbst die Industrie hat diese Technologie für den Privatverkehr ad acta gelegt, zu ineffizient, zu teuer. Stattdessen fließen Steuermilliarden in eine Sackgasse, während chinesische Hersteller mit preiswerten E-Autos und innovativer Software den Markt erobern. Wer hier von „Wettbewerbsfähigkeit“ spricht, ignoriert die Fakten.

Clasen kritisiert die 35-Stunden-Woche, doch statt die Diskussion auf die tatsächlichen Herausforderungen zu lenken, wird sie als Argument für mangelnde Wettbewerbsfähigkeit instrumentalisiert. Dabei sind es nicht die Gewerkschaften, die Innovationen blockieren, sondern eine Kultur der Beharung in Management und Politik. Gewerkschaften haben ihre Berechtigung, doch ihre Rolle muss heute darin bestehen, gerechte Transitionen zu gestalten, nicht veraltete Strukturen zu zementieren.

Die Diagnose ist klar, VW hat jahrzehntelang auf Verbrenner gesetzt, die Digitalisierung verschlafen und sich in Bürokratie und überhöhten Managergehältern verlaufen. Dass nun 50.000 Stellen gestrichen werden sollen, ist keine politische Attacke, sondern Folge dieser strategischen Blindheit. Die Lösung? Keine Rüstungsproduktion in unrentablen Werken, sondern ein radikaler Neustart mit wettbewerbsfähigen E-Autos, schlankeren Strukturen, und eine kooperative Transformation, die Beschäftigte mitnimmt.

Clasens Beitrag ist ein Musterbeispiel dafür, wie Verantwortung externalisiert wird. Doch die Wahrheit ist: Die deutsche Autoindustrie hat sich selbst in diese Krise manövriert. Gewerkschaften, Management und Politik müssen jetzt gemeinsam handeln, nicht gegeneinander. Wer die Kurve noch kriegen will, braucht klare Ziele, Investitionen in Zukunftstechnologien und den Willen, soziale Gerechtigkeit mit wirtschaftlichem Fortschritt zu verbinden. Alles andere ist Zeitverschwendung.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „Landtagswahl in Baden-Württemberg Kämpferischer Özdemir“ von Michael Clasen, NOZ vom 09.03.2026

Clasens Wahlanalyse in der NOZ: Warum seine AfD-Verharmlosung und Hagel-Kritik an der Realität vorbeigehen; eine notwendige Korrektur.

Hallo NOZ, hallo Herr Clasen,

Clasens Analyse zur Landtagswahl in Baden-Württemberg verkennt die Realität gleich mehrfach. Nicht eine angebliche „Schmutzkampagne“ der Grünen, sondern Manuel Hagels eigene Auftritte (zuletzt peinlich unangemessen an einer Schule) haben seinen Wahlkampf untergraben. Wer mit solch unwürdigem Verhalten um Wähler wirbt, muss sich nicht über das Ergebnis wundern.

Noch problematischer ist Clasens Umgang mit der AfD. Dass die Partei trotz monatelanger Umfragewerte von bis zu 20 % am Ende klar darunter blieb, ist kein „Wahlsieg“, sondern ein klares Zeichen für begrenzte Mobilisierungskraft. Die AfD blieb damit sogar hinter den letzten Prognosen zurück, ein eher mageres Ergebnis, das Clasen geflissentlich ignoriert. Wer solche Relativierungen betreibt und die AfD als „stärkste Oppositionsfraktion“ feiert, obwohl sie gegenüber den eigenen Hochrechnungen verloren hat, wirkt wie ein heimlicher Fan, nicht wie ein kritischer Beobachter.

Dass die demokratischen Parteien stattdessen die gestiegene Wahlbeteiligung als Auftrag verstehen sollten, klare Kante gegen Extremismus zu zeigen, bleibt die eigentliche Lehre dieser Wahl. Statt sich in falscher Dramaturgie oder Spekulationen über Koalitionen zu verlieren, wäre es an der Zeit, die AfD als das zu benennen, was sie ist. Eine Partei, die nicht an die eigenen Versprechungen heranreicht.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „Trumps Militärschlag gegen den Iran – Fehler früherer Interventionen vermeiden“, von Michael Clasen, NOZ vom 01.03.2026

Iran-Angriff der USA; zwischen Völkerrecht und Ölpolitik. Warum der Militärschlag gegen den Iran mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt – eine kurze Analyse.

Hallo NOZ, hallo Herr Clasen,

Michael Clasens Kommentar zum US-Militärschlag gegen den Iran ignoriert die zentrale Frage: Geht es um Freiheit oder um Öl?

Dass Clasen den völkerrechtswidrigen Angriff als „Akt der Nothilfe“ framt, ist nicht nur naiv (viele tausend Iraner:innen wurden bereits im Rahmen ihrer mutigen Proteste ermordet), sondern auch gefährlich. Die UN-Charta verbietet solche Akte, und die Geschichte lehrt, dass „Regime Change“ von außen selten Demokratie, sondern Chaos bringt.

Doch liegt das eigentliche Motiv eventuell woanders? Die Straße von Hormus, durch die 20 % des globalen Öls fließen, ist nun de facto unter US-Kontrolle. Schon in Venezuela sicherten sich die USA im Januar 2026 „30 bis 50 Millionen Barrel“ staatlichen Öls, ein Muster, das sich jetzt wiederholt. Der Iran besitzt die zweitgrößten Gas- und viertgrößten Ölreserven der Welt. Ein Sturz des Regimes würde die USA zum unangefochtenen Herrn über den Energiemarkt machen.

Ist dieser Krieg also ein humanitärer Einsatz, oder schlicht die Fortsetzung von Wirtschaftspolitik mit anderen Mitteln?

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „21 Prozent Mehrwertsteuer wäre fatales Signal – Wie Ideologie unseren Wohlstand frisst“ von Michael Clasen, NOZ vom 18.02.2026, Seite 1

21% Mehrwertsteuer? Die NOZ diskutiert Symptome, nicht Ursachen. Warum Clasens Analyse an der Realität vorbeigeht.

Hallo NOZ, hallo Herr Clasen,

der Meinungsartikel von Michael Clasen reduziert die deutsche Wirtschaftskrise auf plakative Schuldzuweisungen; der Staat als „schlechter Unternehmer“, die Energiewende als „Kostenfalle“, die Demografie als unabwendbares Schicksal. Doch diese vereinfachte Darstellung verstellt den Blick auf die eigentlichen Probleme, und vor allem auf ihre Lösungen.

Die Energiewende ist nicht teuer, weil sie falsch ist, sondern weil sie jahrelang ohne klare Strategie, mit ständigen Kurswechseln und überbordender Bürokratie umgesetzt wurde. Während Länder wie Dänemark und Schweden seit den 1990ern konsequent auf Windkraft, CO2-Steuern und soziale Ausgleichsmechanismen setzten, lavierte Deutschland zwischen Atomausstieg, Kohlekompromissen und Planungsstaus. Die Folge sind hohe Strompreise, weil der Netzausbau verschlafen und die Bürger:innen nicht mitgenommen wurden. Doch statt diese Versäumnisse zu benennen, wird die Energiewende selbst zum Sündenbock erklärt.

Auch die Demografie ist kein Schicksal, sondern eine hausgemachte Herausforderung. Während Skandinavien in Bildung, Infrastruktur und Familienförderung investierte, sparte Deutschland und wundert sich nun über Fachkräftemangel. Dass Technologien wie KI helfen können, ist richtig. Aber sie ersetzen keine jahzehntelange Vernachlässigung der Zukunftsinvestitionen.

Die Debatte um die Mehrwertsteuer zeigt das eigentliche Dilemma. Statt über gerechte Besteuerung von Vermögen und Unternehmen zu sprechen, wird über eine Erhöhung der Konsumsteuer gestritten, die vor allem einkommensschwache Haushalte trifft. Dabei gäbe es Alternativen, wie bspw. eine CO₂-Steuer mit sozialer Rückvergütung (wie in Schweden), radikaler Bürokratieabbau für erneuerbare Energien, und Investitionen in Bildung und Infrastruktur.

Deutschland steckt nicht in der Krise, weil der Staat zu viel eingreift, sondern weil er zu lange gezögert, zu wenig investiert und zu sehr auf die „unsichtbare Hand des Marktes“ vertraut hat. Wer wirklich über die Zukunft reden will, muss endlich konkrete Lösungen benennen, statt sich in ideologischen Grabenkämpfen zu verlieren.

Mit freundlichen Grüßen

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