Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Kategorie: Philipp Ebert (Seite 1 von 6)

Philipp Ebert ist Redakteur der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). Diese Kategorie versammelt Leserbriefe und Analysen zu seinen Meinungsbeiträgen: vom Auto als Freiheitssymbol über Sozialleistungen und Bauernverband bis zur Verteidigung des Kulturstaatsministers Weimer. Besonderes Merkmal: direkte Antworten Eberts sind mehrfach dokumentiert.

Homestory statt Journalismus. Wie die NOZ Frank Schäffler porträtiert

Die NOZ porträtiert Frank Schäffler anlässlich seines neuen Buchs, atmosphärisch, wohlwollend, unkritisch…und unvollständig. Es fehlen bspw. seine nachweislich falsche 150.000-Euro-Behauptung zur Wärmepumpe, seine eigene Wärmepumpe, seine Klimaskepsis seit 2014, seine Lobbyvernetzungen. So bleibt es PR im Redaktionsmantel.

Die Neue Osnabrücker Zeitung hat Frank Schäffler in der Ausgabe vom 27.05.2026 ein Porträt gewidmet, erstellt von Philipp Ebert. Anlass ist sein neues Buch „Generation Debts“, in dem der FDP-Politiker die Babyboomer für die Staatsschulden anklagt. Der Text liest sich flüssig, ist atmosphärisch dicht geschrieben und vermittelt das Bild eines sympathischen Nonkonformisten mit Reformwillen. Er ist aber auch, gemessen an journalistischen Mindestanforderungen, ein Versagen.

Die Form erzeugt die Botschaft

Philipp Eberts Text beginnt nicht mit einer These, sondern mit einer Kulisse. Billardtisch, Flipperautomat, Dartscheibe, Designer-Ofen, warmes Tageslicht. Schäffler bedient die Kaffeemühle. Der Grill muss für das Foto ein Stück nach links. Wir sind nicht bei einem Politiker, wir sind zu Besuch bei einem Lebenskünstler mit Bodenhaftung.

Das ist keine Kleinigkeit. Die Homestory-Ästhetik arbeitet, bevor der erste inhaltliche Satz fällt. Sie erzeugt Nähe, Sympathie und eine implizite Botschaft. Dieser Mann ist integer, bodenständig, glaubwürdig. Was er danach sagt, wird in diesem Licht gelesen.

Das ist ein handwerkliches Mittel und ein redaktionelles Vorentschied. Denn wer Schäffler so einführt, hat sich bereits positioniert.

Was der Text nicht erwähnt

Der NOZ-Text behandelt Schäffler als Euro-Rebellen, als FDP-Querkopf, als Buchautor mit Reformambition. Was er nicht erwähnt, ist die GEG-Kampagne. 2023 gehörte Schäffler zu den lautstärksten Gegnern des Gebäudeenergiegesetzes. Er behauptete öffentlich (auf Twitter, in der Bild-Zeitung, in der Fraktion) eine Wärmepumpe koste „mit allem Drum und Dran rund 150.000 Euro“. Das ist schlicht falsch. Die tatsächlichen Einbaukosten liegen je nach Modell zwischen einigen tausend und rund 30.000 Euro. Eine Gegenfrage dazu kommt im Text von Ebert nicht vor.

Schäfflers eigene Wärmepumpe

Bei Markus Lanz räumte Schäffler ein, selbst eine zu betreiben. Er kämpfte also öffentlich gegen eine Technologie, die er privat nutzt. Dieser Widerspruch wäre in einem kritischen Porträt unvermeidlich. Im NOZ-Text existiert er nicht.

Klimaskepsis als Programm

Schäffler outete sich bereits 2014 im Handelsblatt öffentlich als Klimaskeptiker. Er gründete das marktliberale Prometheus Institut, sitzt im Beirat der Familienunternehmer und steht der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft nah, jener INSM, die sein aktuelles Buch prompt als „starken Impuls“ lobt. Das ist keine Randnotiz zur Biografie, das ist der politisch-ideologische Kontext, ohne den seine Positionen nicht zu verstehen sind. Der NOZ-Text liefert diesen Kontext leider nicht.

Die Frage der Arbeitsteilung

Recherchen zufolge soll Schäffler in der GEG-Debatte eine koordinierte Rolle mit Parteichef Lindner gespielt haben. Schäffler eröffnet medienwirksam die Debatte, Lindner nutzt sie intern, um Gesetze abzuschwächen. Ob das zutrifft, wäre eine legitime journalistische Frage. Sie wird nicht gestellt.

Das Genre als Schutzraum

Man könnte einwenden, es ist ein Porträt, kein Investigativstück. Porträts dürfen atmosphärisch sein. Das stimmt. Aber auch Porträts haben eine journalistische Pflicht zur Einordnung, gerade wenn sie anlässlich einer Buchveröffentlichung erscheinen, also zu einem Zeitpunkt, zu dem der Protagonist gezielt Öffentlichkeit sucht. Ein Porträt, das ausschließlich mit dem Selbstbild des Porträtierten arbeitet, ist PR im Redaktionsmantel, das hat mit Journalismus im eigentlichen Sinne nicht mehr viel zu tun.

Schäffler darf im NOZ-Text sagen, die Marktwirtschaft sei „ein intelligentes System, das Fehlentwicklungen aufzeige“. Er darf die AfD als Nicht-Partner bezeichnen, dabei aber jede ernsthafte Auseinandersetzung mit seiner eigenen Rolle bei der Normalisierung rechtspopulistischer Framing-Strategien vermeiden. Er darf von „Kollateralschäden“ staatlicher Politik sprechen, ohne dass der Autor nachfragt, wessen Kollateralschäden denn seine eigene Kampagne gegen das GEG hinterlassen hat.

Was Leserinnen und Leser wissen sollten

Frank Schäffler ist kein harmloses Querdenker-Original. Er ist ein gut vernetzter politischer Akteur mit dokumentierter Lobbystruktur, einer nachweislich falschen öffentlichen Behauptung im Gepäck und einer politischen Agenda, die über seine Buch-PR hinausgeht.

Das alles hätte in einem journalistischen Porträt Platz gehabt, ohne den Text unlesbar zu machen. Philipp Ebert hat sich dagegen entschieden. Oder die Redaktion hat es für ihn entschieden.

Die NOZ nennt sich unabhängige Regionalzeitung. An diesem Text lässt sich ablesen, was das im Einzelfall bedeutet…ein Politiker bewirbt sein Buch und die Zeitung liefert die Bühne.

Plausibler Kern, billiger Rahmen, wie Philipp Ebert in der NOZ seriöse Außenpolitik mit Reizwörtern unterwandert

Eberts Merz-Kritik hat einen berechtigten Kern. Aber „Feministische Außenpolitik“ und „Dackel-Beauftragte“ als Argumente zu verkaufen, ist keine Analyse, das ist Stimmungsmache mit Anlauf.

Hallo NOZ, hallo Herr Ebert,

der Kommentar enthält einen berechtigten Kern, ein Bundeskanzler sollte seine öffentlichen Äußerungen über einen unberechenbaren US-Präsidenten sorgfältig abwägen, zumal die sicherheitspolitische Abhängigkeit Deutschlands von den USA real und kurzfristig nicht auflösbar ist. Soweit ist der Text nachvollziehbar.

Doch drumherum baut Ebert einen rhetorischen Rahmen, der mit Analyse wenig zu tun hat. „Feministische Außenpolitik“ und „regelbasierte Ordnung“ werden nicht diskutiert, sondern als Chiffren für weltfremde Selbstüberschätzung aufgestellt. Der „Dackel-Beauftragte“ als Bild für den öffentlichen Dienst ist keine Zuspitzung, sondern Verhöhnung. Subventionen werden pauschal als „verprasst“ gerahmt, ohne zu benennen, welche, für wen, mit welchem Ergebnis und was stattdessen hätte geschehen sollen.

Genau das fehlt dem Text durchgängig, die positive Gegenseite. Wer sagt, Geld sei verprasst worden, schuldet die Antwort, wofür es hätte verwendet werden sollen. Wer sicherheitspolitisches Versagen beklagt, muss benennen, welche Entscheidungen konkret falsch waren und wer sie getroffen hat, nicht pauschal auf Subventionen und öffentlichen Dienst zeigen.

Meinungsjournalismus darf pointiert sein. Er sollte aber unterscheidbar bleiben von konservativem Reizwort-Bingo, das einen plausiblen außenpolitischen Punkt nutzt, um nebenbei Feminismus, Bürokratie und Sozialstaat in eine Abkürzung für deutsches Versagen zu verwandeln.

Mit freundlichen Grüßen

NOZ und die Renten-Debatte: Zwischen Fakten und Meinungsmache

Die NOZ vom 23.04.2026 druckt zwei Artikel von Philipp Ebert zur Rentenpolitik direkt nebeneinander ab. Auf den ersten Blick ergänzen sie sich. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, wie die NOZ ihre Leser:innen zwischen Information und Meinungsmache hin- und herreißt.

Der Sachartikel: Ostdeutschland als Warnsignal

Eberts erster Beitrag berichtet über die Reaktionen ostdeutscher Politiker auf die Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz, die gesetzliche Rente werde künftig nur noch eine „Basisabsicherung“ sein. Der Artikel liefert wichtige Fakten. In Ostdeutschland sind 75 % der Menschen ausschließlich auf die gesetzliche Rente angewiesen, im Westen sind es 52 %. Die Gründe, historische Lohnunterschiede, geringere Möglichkeiten zur privaten Vorsorge, werden benannt. Politische Stimmen wie Mario Voigt (CDU) oder Elisabeth Kaiser (SPD) warnen vor sozialen Verwerfungen. Selbst die FDP fordert Reformen, ohne die Schwächsten zu überfordern.Hier leistet die NOZ, was sie soll: Fakten benennen, Positionen darstellen, Kontext liefern. Der Artikel ist eine solide Grundlage für eine sachliche Debatte.

Der Kommentar: Müntefering als Alibi

Eberts zweiter Artikel ist ein Meinungsbeitrag. Er stellt Merz’ Aussage als überfällige Wahrheit dar und wirft der SPD vor, die Debatte nur scheinheilig zu führen. Dabei zieht er Franz Müntefering als Zeugen heran, ein klassischer rhetorischer Kniff, um die eigene Position zu legitimieren. Doch während Müntefering 2005 tatsächlich Reformen forderte, verschweigt Ebert, dass die SPD seitdem keine der von Müntefering angemahnten strukturellen Änderungen umgesetzt hat. Stattdessen wird die „Rente mit 63“ als Sündenbock herangezogen, ein populistischer Kurzschluss, der die komplexen Ursachen der Rentenkrise ignoriert.

Eberts Kommentar folgt einem Muster, das bei der NOZ häufig zu beobachten ist: Polemik statt Analyse. Statt die systemischen Probleme zu erörtern, etwa die Frage, warum der Staat seit Jahrzehnten die Umstellung auf ein nachhaltiges Rentensystem verschleppt, wird die SPD als „unaufrichtig“ diffamiert. Merz’ Aussage, die Rente werde nur noch „Basisabsicherung“ sein, wird als Fakt präsentiert, ohne zu hinterfragen, welche Alternativen die Regierung tatsächlich anbietet.

NOZ-Typisch: Meinungsmache als Debattenersatz

Die NOZ inszeniert hier eine Debatte, die keine ist. Während der Sachartikel die regionalen und sozialen Folgen von Merz’ Aussage aufzeigt, nutzt der Kommentar diese als Aufhänger für eine politische Abrechnung. Das ist kein Zufall: Es entspricht der NOZ-Strategie, komplexe Themen auf Konflikte zu reduzieren, statt Lösungen zu diskutieren.

Dabei wäre es Aufgabe des Lokaljournalismus, genau das zu tun: Fragen zu stellen, die über die tagespolitische Schlagabtausch hinausgehen. Zum Beispiel: Wie kann ein Rentensystem gestaltet werden, das sowohl die demografischen Realitäten als auch die soziale Gerechtigkeit berücksichtigt? Warum werden Reformvorschläge wie die schwedische Kapitaldeckung in Deutschland seit Jahren diskutiert, aber nie umgesetzt?Welche Rolle spielen die Medien selbst, wenn sie die Debatte auf „Merz gegen SPD“ verkürzen, statt die strukturellen Probleme zu benennen?

Fazit: Leser:innen verdienen mehr als Schlagabtausch

Die NOZ liefert mit den beiden Artikeln ein typisches Beispiel für ihre Berichterstattung: Einmal Fakten, einmal Meinungsmache. Wer als Leser:in beide Texte liest, erhält zwar ein Bild der aktuellen Debatte, aber keine echte Orientierung. Stattdessen wird die Rentenfrage zum Spielball politischer Interessen stilisiert.

Das ist nicht nur ein Versäumnis der NOZ. Es ist ein Versäumnis des Journalismus insgesamt, der seine Aufgabe darin sieht, Konflikte zu schüren, statt Lösungen zu suchen.

Eichenlaub und Entlastungsrhetorik – wie Philipp Ebert Kritik an der AfD-Jugend zum eigentlichen Problem erklärt

Nicht die AfD-Jugend ist das Problem, sondern wer ihre Symbolstrategie benennt? Philipp Ebert liefert in der NOZ klassische Entlastungsrhetorik – und bedient damit genau das Framing, das rechtsextreme Normalisierung braucht.

Hallo NOZ, hallo Herr Ebert,

der Kommentar zur Eichenlaub-Symbolik der AfD-Jugend ist ein Musterbeispiel für eine Argumentationsfigur, die in der NOZ regelmäßig auftaucht. Die eigentliche Kritik wird nicht widerlegt, sondern als Ursache des Problems umgedeutet.

Der entscheidende Satz steht am Ende. Wer Symbole wie „Heimat“ oder eben das Eichenlaub unter „Ideologieverdacht“ stelle, treibe die Menschen in die Arme der Ideologen. Die Logik dahinter; nicht die AfD-Jugend ist das Problem, sondern wer ihre Symbolwahl problematisiert.

Das ist rhetorisch geschickt, analytisch aber falsch. Die Jugendorganisation einer Partei, die der Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem einstuft, nutzt kulturelle Symbole nicht zufällig. Die gezielte Besetzung von Begriffen wie „Heimat“, „Volk“ oder eben nationaler Natursymbolik ist eine dokumentierte Strategie der extremen Rechten, um Anschlussfähigkeit herzustellen und die eigene Ideologie in der politischen Mitte zu verankern. Das benennen Medien- und Extremismusforscher seit Jahren.

Wer diese Symbolaneignung analysiert und benennt, betreibt keine Hysterie und treibt niemanden zur AfD. Wer sie hingegen als kulturelles Allgemeingut neutralisiert und Kritiker daran als eigentliche Treiber der Radikalisierung darstellt, betreibt genau das Framing, das die AfD-Strategie zum Erfolg braucht.

Die Eiche gehört nicht der AfD. Aber sie gehört auch nicht zur Entlastungsrhetorik.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „Correctiv-Autoren unterliegen ein weiteres Mal vor Gericht Die Risse im Geheimplan-Bericht nehmen zu“ von Philipp Ebert, NOZ vom 20.03.2026

Warum Eberts Angriff auf die Geheimplan-Recherche von Correctiv scheitert, und wie die AfD mit SLAPP-Klagen die Pressefreiheit kaputtklagt. Eine Abrechnung mit selektiver Empörung und doppelten Standards.

Hallo NOZ, hallo Herr Ebert,

Ihre Kritik an CORRECTIVs „Geheimplan“-Recherche liest sich wie ein Lehrstück in selektiver Empörung. Sie werfen CORRECTIV vor, mit Formulierungen wie „Masterplan zur Ausweisung“ die Realität zu verzerren, doch das Berliner Gericht hat nur zwei journalistische Wertungen beanstandet, nicht die Fakten. Dass Martin Sellner ein „Remigrationskonzept“ vorstellte, das das Bundesverwaltungsgericht 2025 als verfassungswidrig einstuft, bleibt unbestritten und wird von Ihnen verschwiegen.

Noch bedenklicher ist, dass Sie die Systematik hinter den Klagen ignorieren. Die AfD nutzt SLAPP-Klagen (Strategic Lawsuits Against Public Participation), um kritische Medien einzuschüchtern und zu zermürben. Die Kanzlei Höcker klagt nicht gegen Fakten, sondern gegen Einzelformulierungen, und zieht von Gericht zu Gericht, bis eines die gewünschte Entscheidung trifft. Das ist keine Medienkritik, sondern politische Justizinstrumentalisierung. Warum thematisieren Sie das nicht?

Stattdessen unterstellen Sie CORRECTIV, „borniert“ zu sein, doch wer ist hier wirklich unbelehrbar? Die NOZ vermeidet Kritik durch die Entfernung der Kommentarfunktion und ein intransparentes Leserbriefkonzept. CORRECTIV hingegen korrigiert transparent, und wird dafür von Ihnen als „unseriös“ diffamiert. Ist das Ihr Verständnis von „Qualitätsjournalismus“?

Frage an Sie; wenn die AfD mit Klagen die Pressefreiheit aushöhlt, warum schweigen Sie dazu? Oder passt es Ihnen als NOZ-Redakteur, wenn unliebsame Konkurrenten mundtot gemacht werden?

Mit freundlichen Grüßen

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