Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Ewerts AfD-Relativierung im Forum: Eine kritische Bestandsaufnahme

In meinem Artikel „Ewerts AfD-Erklärung: Fünf Gründe, die keine sind“ habe ich beschrieben, wie Burkhard Ewert den Aufstieg der AfD auf „Fehler der etablierten Parteien“ reduziert und die Partei damit aus der Verantwortung entlässt. Seine aktuellen Antworten im Rahmen des NOZ-Formats „360° | Das Forum“ zeigen, dass diese Relativierung kein Einzelfall ist, sondern eine durchgehende Herangehensweise. Statt die AfD als das zu benennen, was sie ist – eine Partei mit gesichert rechtsextremen Teilen und demokratiefeindlichen Zielen –, bleibt Ewert bei seiner These, ihr Erfolg sei vor allem ein „Protestphänomen“. Diese Perspektive verkennt, dass die AfD selbst durch gezielte Desinformation und extremistische Forderungen den Zulauf aktiv fördert.

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Die AfD als „Symptom“: Ewerts wiederkehrendes Muster

In seinem Artikel „In Umfragen stärkste Kraft: Der Aufstieg der AfD hat seine Gründe“ vom 18. Mai 2026 führt Ewert fünf Beispiele an, die den Zulauf zur AfD erklären sollen. Falsche Aussagen in der Asylpolitik, Doppelmoral in der Justiz, Aufschläge für Beamte, Bürokratismus und doktrinäre Sichtweisen wie das Tempolimit. Sein Fazit lautet: „Die erwähnten Punkte bedeuten nicht, dass die AfD Lösungen für die Fragen dieser Zeit hätte. Aber sie bilden mit Sicherheit Gründe, warum eine wachsende Zahl von Menschen im Rest der Republik von den etablierten Parteien Abstand nimmt.“

Diese Formulierung ist bezeichnend. Ewert benennt zwar Probleme der etablierten Politik, aber er unterlässt es, die AfD selbst als Problem zu benennen. Stattdessen stellt er sie als passive Profiteurin dar, die von den Fehlern anderer profitiert. Diese Reduktion der AfD auf ein „Symptom“ ist problematisch, weil sie die Partei von ihrer eigenen Verantwortung entbindet.

Dass es sich dabei um kein Versehen handelt, zeigen seine Antworten im „360° | Das Forum“. Auf die Frage eines Lesers, warum die AfD in Umfragen so stark sei, antwortet Ewert: „Die AfD mag keine Lösungen für diese Fragen haben, doch die Fehler der etablierten Parteien treiben ihr die Menschen geradezu in die Arme.“

Wiederum wird die AfD als Reaktion auf andere dargestellt, nicht als Akteur mit eigenen Zielen. Diese Herangehensweise ist nicht neutral, sondern entlastend für die AfD.

Keine klare Einordnung: Warum Ewert die AfD nicht benennt

Auffällig ist, dass Ewert in seinem Artikel und seinen Forum-Antworten keine klare Einordnung der AfD als rechtsextrem oder verfassungsfeindlich vornimmt. Dabei gibt es dafür ausreichend Belege. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) stuft den „Flügel“ der AfD als gesichert rechtsextrem ein. Dies ist keine Meinung, sondern eine amtliche Feststellung.

Die AfD selbst vertritt in ihrem Programm Positionen, die mit dem Grundgesetz unvereinbar sind, etwa die Forderung nach einer „Remigration“ oder die Ablehnung des menschengemachten Klimawandels. Wissenschaftliche Studien, etwa die Mitte-Studien der Friedrich-Ebert-Stiftung, belegen, dass die AfD-Wählerschaft durch Rassismus, Autoritarismus und Demokratieskepsis geprägt ist.

Ewert geht auf diese Fakten nicht ein. Stattdessen bleibt er bei seiner These, die AfD sei vor allem ein „Protestphänomen“. Diese Herangehensweise ist nicht nur unvollständig, sondern irreführend. Denn sie suggeriert, die AfD sei eine legitime Alternative, obwohl ihre Ziele und Methoden mit den Werten der Demokratie nicht vereinbar sind.

Übernahme des AfD-Narrativs: „Die Elite lügt“

Ein weiteres Problem ist Ewerts unreflektierte Übernahme des AfD-Narrativs. In seinem Artikel schreibt er, „Menschen lassen sich nicht für dumm verkaufen.“ Dieser Satz ist kein Zufall. Er ist zentral für die Propaganda der AfD, die sich als „einzige Stimme der Vernunft“ in einer „lügenden Elite“ inszeniert. Björn Höcke, einer der führenden Köpfe der Partei, nutzt diese Rhetorik regelmäßig, um die AfD als Opfer eines „Systems“ darzustellen, das die Bürger belügt.

Indem Ewert diesen Satz ohne kritische Distanz übernimmt, bestärkt er ungewollt das Selbstbild der AfD. Dabei wäre es seine Aufgabe als Journalist, solche Narrative zu hinterfragen und einzuordnen. Stattdessen reproduziert er sie und trägt damit zur Normalisierung der AfD bei.

Fehlende Auseinandersetzung mit AfD-Inhalten

Ewerts Artikel und seine Forum-Antworten zeugen von einer fehlenden inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Zielen der AfD. Auf die Frage eines Lesers, bei welchen konkreten Problemen die AfD keine Lösungen habe, antwortet Ewert, „Beim Haushalt sind die Vorstellungen absurd. In anderen Fragen kann die Antwort anders ausfallen.“

Diese Aussage ist vage und unpräzise. Was bedeutet „kann anders ausfallen“? Heißt das, dass einige AfD-Forderungen akzeptabel sind? Ewert geht nicht darauf ein. Dabei gäbe es genug Beispiele, die eine klare Einordnung erfordern.

Haushaltspolitik: Die AfD fordert Steuersenkungen und Ausgabenkürzungen bei gleichzeitigem Ausbau des Sozialstaats – ein unfinanzierbares Vorhaben, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer Studie nachweist.

Energiepolitik: Die AfD lehnt den menschengemachten Klimawandel ab und setzt stattdessen auf Atomkraft und Kohle ohne einen Plan für die energetische Zukunft Deutschlands.

EU-Politik: Die AfD fordert einen Austritt Deutschlands aus der EU („Dexit“), mit keinem konkreten Plan für die wirtschaftlichen und politischen Folgen.

Ewerts mangelnde Auseinandersetzung mit diesen Inhalten führt dazu, dass die AfD in seiner Darstellung als „Protestpartei“ erscheint, nicht als Partei mit extremistischen und unrealistischen Zielen.

Warum Ewerts Herangehensweise problematisch ist

Ewerts Relativierung der AfD ist aus mehreren Gründen problematisch. Als Chefredakteur einer großen Regionalzeitung hat Ewert eine besonders hohe Verantwortung. Wenn er die AfD nicht klar einordnet, trägt er zur Normalisierung einer Partei bei, die in Teilen rechtsextrem und demokratiefeindlich ist. Studien zeigen, dass die Medienberichterstattung maßgeblich beeinflusst, wie Parteien wahrgenommen werden. Eine unkritische Darstellung der AfD kann daher dazu führen, dass ihre extremistischen Positionen als „normal“ wahrgenommen werden.

Er verharmlost zudem die Gefahren. Die AfD vertritt Ziele, die direkt gegen die Werte des Grundgesetzes verstoßen. Dazu gehören u.a. die Abschaffung der Demokratie (vgl. Höckes Forderung nach einer „Remigration“ und einem „Systemwechsel“). Der Angriff auf Minderheitenrechte (z. B. die Ablehnung der Ehe für alle oder die Forderung nach Abschaffung der Genderforschung). Die Leugnung des Klimawandels (AfD bestreitet den menschengemachten Klimawandel). Indem Ewert diese Ziele nicht thematisiert, verharmlost er die Gefahren, die von der AfD ausgehen. Ewert zitiert in seinem Artikel und seinen Forum-Antworten keine AfD-Kritiker. Weder kommt das Bundesamt für Verfassungsschutz zu Wort, noch Wissenschaftler oder Politiker, die die AfD klar als Gefahr für die Demokratie einordnen. Diese einseitige Darstellung führt dazu, dass die AfD in seiner Berichterstattung unkritisch dasteht.

Journalismus zwischen Neutralität und Verantwortung

Burkhard Ewerts Artikel und seine Antworten im „360° | Das Forum“ zeigen ein .klares Muster. Die AfD wird als „Symptom“ dargestellt, nicht als Ursache. Diese Relativierung trägt zur Normalisierung einer Partei bei, die in Teilen rechtsextrem und demokratiefeindlich ist. Die NOZ hat als regionale Stimme eine besonders hohe Verantwortung, sie sollte sie nutzen, um Aufklärung zu betreiben, nicht um Verharmlosung.

Es ist Zeit, dass die NOZ – und insbesondere Burkhard Ewert – die AfD klar benennt als das, was sie ist. Nur so kann eine echte, kritische Diskussion über ihren Aufstieg geführt werden. Die Leser der NOZ verdienen eine vollständige und faktenbasierte Einordnung, nicht eine Relativierung, die die AfD als legitime Alternative erscheinen lässt.

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21 Kommentare

  1. Timm Reichl

    In obigen Beitrag habe ich beschrieben, wie Burkhard Ewert die AfD im Kommentar systematisch als passives „Protestphänomen“ rahmt, und damit von ihrer eigenen Verantwortung entlastet. Was dort auf Meinungsebene geschieht, zeigt die heutige NOZ-Ausgabe vom 20. Mai 2026 auch auf Nachrichtenebene, gleich zweimal, gleich auf Seite 1 und 2.

    Artikel 1: Die AfD als Opfer des Establishments
    Der Titelseitenartikel über die Deutsche Parlamentarische Gesellschaft (DPG) schildert, wie 40 AfD-Abgeordnete auf ihre Aufnahme warten, und dagegen klagen wollen. Die DPG verweigert jede Stellungnahme. Eingeordnet wird das trotzdem nicht. Weder kommt ein Verfassungsrechtler zu Wort, noch wird thematisiert, ob ein Club das Recht hat, Mitgliedsanträge nach eigenen Kriterien zu entscheiden. Stattdessen dominieren AfD-Stimmen – Stephan Brandner, Paul Schmidt – den gesamten Artikel. Das Ergebnis ist ein klassischer Opfer-Frame. Die AfD kämpft gegen das Establishment, und die NOZ transportiert das unkommentiert.
    Artikel 2: AfD-PR via Agentur
    Auf Seite 2 folgt ein dpa-Artikel über gestiegene Angriffe auf Parteimitglieder, basierend auf einer parlamentarischen Anfrage der AfD-Fraktion selbst. Das ist kein Zufall. Wer fragt, rahmt. Die AfD hat diese Anfrage gestellt, um genau diesen Artikel zu produzieren. Die NOZ liefert ihn, ohne Einordnung, ohne Kontext zu den Hintergründen politisch motivierter Gewalt insgesamt.

    Ewerts Kommentar-Relativierung und diese beiden Nachrichtenartikel funktionieren nach derselben Logik. Die AfD erscheint als Reaktion auf andere, nicht als Akteur mit eigenen Zielen und eigener Verantwortung. Auf Kommentarebene nennt Ewert das „Protestphänomen“. Auf Nachrichtenebene heißt es dpa, und wirkt dadurch neutraler, als es ist.
    Neutralität ist kein Selbstzweck. Wer unkritisch weitergibt, was eine rechtsextreme Partei als Deutungsrahmen anbietet, betreibt keine ausgewogene Berichterstattung. Er verstärkt sie.

  2. Sabine Driehaus

    Danke für Ihre treffenden Kommentare!
    Zum angeblichen „Protestverhalten“ der AfD-Wähler:innen eine Ergänzung:
    Es gibt Umfragen dazu: Der weitaus überwiegende Teil der Nicht-AfD-Wähler:innen glaubt, dass diese Partei aus Protest gewählt werde. Der weitaus überwiegende Teil der AfD-Wähler:innen gibt an, sie aus inhaltlich politischen Gründen zu wählen! Und letzteres wird – wenn auch anekdotisch – durch meine eigenen Erfahrungen gestützt. AfD-Wähler:innen (bzw. Personen, die der AfD nicht abgeneigt sind) haben oft ein rassistisches Weltbild und ein enormes Misstrauen dem Staat / staatlicher Institutionen und eher linken Positionen gegenüber. Eigene Erfahrungen mit vermeintlichen „Ungerechtigkeiten“ durch Bürokratie und Auswirkungen von (externen) Krisen, die eine Regierung nicht verantwortet, werden ihr als Fehlverhalten angelastet.
    Dazu kommt das Misstrauen gegenüber seriösen Medien und die daraus resultierende Desinformation und Verstärkung der eigenen Gefühle.
    Leider verstärkt auch die seriöse Presse das immer mehr – sie legt wesentlich mehr Wert auf „Krawalljournalismus“ (Umfragewerte der Parteien, der Koalitionen, unterschiedliche Ansichten als „Streit“) als darauf, inhaltlich Hintergrundinformationen zu liefern. Letztere werden – wenn überhaupt – nur „personifiziert“ geliefert (Friedrich Merz sagt dies, die AfD sagt das, die Grünen sagen etwas ganz anderes) – anstatt neutrale sachliche Recherchen zu bieten. Das „Personifizieren“ führt nämlich auch dazu, dass man dem glaubt, dem man grundsätzlich eher zugetan ist.
    Herr Ewert ist in meinen Augen ein AfD-Anhänger und nutzt seine Zeitung entsprechend, und das zunehmend. Kritische Stimmen wurden und werden, wie Ihr Beispiel zeigt, immer noch mundtod gemacht – es wird gar keine Diskussion gewünscht. Deshalb boykottiere ich auch dieses – wie Frau Niehoff treffend formulierte – „betreute Kommentieren“ einmal die Woche. Eine Teilnahme hieße, „das Spiel des angeblichen Diskurses“ mitzuspielen.
    N.b.: Es ist auch bezeichnend, wie sehr gerade auf Anna Kebschull (Grüne) wegen der Musikschule herum gehackt wird. Ins Rollen gebracht hat das der Bürgermeister von Bissendorf. Obwohl nachweislich Frau Kebschulls CDU-Vorgänger:innen genau so gehandelt hatten und dieser Bürgermeister schon genau so lange Bürgermeister ist, hat das die ganze Zeit zu keiner Kritik geführt. Die NOZ schlachtet das aber zu Lasten Frau Kebschulls geradezu genüsslich aus und redet einen großen politischen Schaden für sie herbei.
    Die politische Meinungsmache – gerade vor Wahlen – beschränkt sich also nicht auf die Mantelinhalte.

    • Timm Reichl

      Hallo Frau Driehaus,
      vielen Dank für den gehaltvollen Kommentar.

      Der Hinweis auf die Umfragen zum Wahlmotiv ist wichtig und wird zu oft ignoriert. Die Protest-These ist für Nicht-AfD-Wähler intuitiv eingängig, spiegelt aber nicht wider, was AfD-Wähler selbst angeben. Das verschiebt die Verantwortung systematisch weg von den Wählern und ihrer Partei.

      Den Befund zum „Krawalljournalismus“ und zur Personifizierung teile ich. Inhaltliche Einordnung kostet Aufwand, Konflikte zwischen Personen hingegen funktionieren immer. Das ist ein strukturelles Problem, kein individuelles.

      Zum „betreuten Kommentieren“; ich verstehe die Haltung vollkommen. Ich finde es trotzdem richtig, dass es Orte gibt, die das von außen kommentieren, auch wenn man selbst nicht mitmacht.
      Viele Grüße

  3. Jürgen S.

    Hallo Herr Reichl,

    Sie schreiben in Ihrem Kommentar „Indem Ewert diesen Satz …(‚Menschen lassen sich nicht für dumm verkaufen.‘)…ohne kritische Distanz übernimmt, bestärkt er ungewollt das Selbstbild der AfD.“

    Ich stimme Ihnen zu, nur nicht darin, dass es ‚ungewollt‘ sei.
    Nach allem, was man von Herrn Ewert in den vergangenen Jahren lesen konnte, gehe ich davon aus, dass er eine Agenda verfolgt, nämlich eine Stärkung der AfD.

    Viele Grüße, Jürgen S.

    • Timm Reichl

      Hallo,
      das ist ein Einwand, den ich ernst nehme. Ich kann nicht ausschließen, was Sie vermuten, und nach Jahren des Beobachtens wäre ich selbst nicht mehr überrascht.
      Trotzdem schreibe ich lieber das, was ich belegen kann. „Ungewollt“ ist meine analytische Schutzlinie: Sie hält die Kritik am Muster, nicht an der Person. Das macht sie robuster, auch gegenüber der NOZ selbst.
      Viele Grüße

  4. Christoph Schnare

    In seinen Kommentaren entwirft Burkhard Ewert immer wieder das Bild eines angeblich dysfunktionalen Staates, einer überregulierten Gesellschaft und einer letztlich nicht mehr zeitgemässen parlamentarischen Demokratie. Er knüpft geschickt bei den individuellen Ärgernissen und Krisenerfahrungen der Menschen an und generalisiert diese als „Systemfehler“. Dasselbe tut auch die AfD und weil er die AfD nicht als das benennt, was sie ist, eine in weiten Teilen rechtsextreme, antihumane und demokratiefeindliche Partei mit zerstörerischen Scheinlösungen, suggeriert er seinen Lesern, dass es völlig in Ordnung ist, diese Partei zu wählen, um ihrem Protest und ihrer Wut Ausdruck zu geben. Das das alles Zufall ist, glaube ich längst nicht mehr. Es entspricht vielmehr Ewerts eigener politischer Überzeugung und auch der seines Arbeitgebers, denn sonst hätte dieser die Transformation seines Blattes zu einer rechtspopulistischen Agitationsmaschine längst gestoppt!

    • Timm Reichl

      Hallo Christoph,
      danke, die Analyse des „Systemfehler“-Framings ist präzise und ergänzt meinen Artikel gut. Genau diese Verbindung – individuelle Ärgernisse werden zu Staatsversagen generalisiert, ohne die AfD beim Namen zu nennen – ist das Kernproblem.
      Bei der Frage, ob das Absicht oder Überzeugung ist…ich halte mich bewusst zurück, nicht weil ich Ihre Einschätzung für falsch halte, sondern weil ich nur belegen kann, was im Text steht. Das Muster über viele Jahre und Texte hinweg ist inzwischen aber so konsistent, dass „Zufall“ als Erklärung tatsächlich schwer haltbar wird, wie der Kommentar von 2013 hier im Thread gerade zeigt.
      Viele Grüße

      • Sabine Driehaus

        Hallo Herr Reichl,

        meinen Sie nicht, dass etwas, was quakt wie eine Ente, in der Regel auch eine Ente ist und als solche bezeichnet werden sollte?
        Wer AfD-Narrative konsequent nutzt(!), verbreitet(!), mit entsprechenden Quellen zusammenarbeitet (NZZ, Nius- soweit mir bekannt), Telegram als bessere Alternative zum ÖRR anpreist – all das, ohne Gegenargumente zu recherchieren, anzuführen oder auch nur zuzulassen, verfolgt doch klar eine AfD-Agenda und kann für meine Begriffe auch mindestens als AfD-Zugeneigter bezeichnet werden.
        Es ist ja nicht so, dass „du bist ja rechtsaußen“ hier als Schimpfwort ohne argumentative Substanz dahinter benutzt würde.
        Ich finde es wichtig, die Dinge beim Namen zu nennen. Und wenn ein Chefredakteur und der Verleger einer großen Tageszeitung mit in vielen Regionen Informationsmonopol eine solche Agenda verfolgen, wird es gefährlich.
        Wenn man das nicht beim Namen nennt, verharmlost man schließlich auch.

      • Sabine Driehaus

        P.S. Ich höre nämlich sehr oft Menschen, die äußern „ich bin ja kein AfDler, aber……“ und dann kommen die ganzen einschlägigen Themen und Narrative hinterher.
        Wie ich schon einmal schrieb: Wenn meine Werte mich links-grün verorten lassen, habe ich kein Problem damit (ich stehe zu meinen Werten) – Menschen, die rechte / rechtsaußen-Werte vertreten, haben aber oft Probleme damit, dass man diese auch beim Namen nennt.
        Insofern gibt es immerhin noch(!) ein Bewusstsein dafür, dass „Rechtsaußen“ bzw. deren rassistische und menschenfeindliche Werte gesellschaftlich nicht gut geheißen werden. Und das sollte meiner Meinung nach auch so bleiben..

        • Timm Reichl

          Hallo Frau Driehaus,
          das Enten-Argument nehme ich ernst, und Sie haben recht, dass Zurückhaltung selbst verharmlosend wirken kann.
          Meine methodische Vorsicht soll sicherstellen, dass die Kritik am belegten Muster hängt, nicht an einer These, die Ewert als bloße Meinung abtun kann. Und dieses Muster verdichtet sich. Heute habe ich einen weiteren Ewert-Kommentar analysiert, in dem er „1312″ mit NS-Symbolik gleichsetzt, während er für vergleichbare rechte Rhetorik erkennbar andere Maßstäbe anlegt.
          Das ist keine zufällige Asymmetrie mehr.
          Viele Grüße

          • Sabine Driehaus

            Hallo Herr Reichl,

            ich verstehe Ihre Haltung vollkommen: Eine sachliche Diskussion sollte auf sachlicher Basis geführt werden und nicht auf „persönlicher“. Aber ich denke, das haben meine Mitkommentatoren und ich auch getan – wir ziehen lediglich einen Schluss aus dieser sachlichen Analyse.
            Burkhard Ewert schreibt ausschließlich Kolumnen, also Meinungsäußerungen – aus gutem Grund, denn so kann er immer darauf verweisen, dass seine Äußerungen seine legitime Meinung im Rahmen der Meinungsfreiheit darstellen. Dass er bei seiner Meinungsbildung journalistisch unprofessionell und unsauber vorgeht, ist eine Sache. Das kann und sollte man immer wieder sachlich(!) kritisiseren, wie Sie das hier ja regelmäßig tun (danke dafür!).
            Bleiben also seine Meinungsäußerungen. Die aber lassen in der Gesamtheit nun mal Rückschlüsse auf seine persönliche(!) politische Haltung zu.
            Worauf ich hinaus will ist, dass die AfD sich selbst in der „bürgerlichen Mitte“ verortet (auch wenn merkwürdigerweise alles andere links von ihr zu stehen scheint) und ihren (potentiellen) Anhänger:innen damit suggeriert, die Positionen und das politische Weltbild seien völlig in Ordnung, und wer das anders sieht, ist halt „links-grün-extrem“ – also ihr definiertes Feindbild.
            Genau diese Schiene fährt Herr Ewert auch. Da das deckungsgleich mit Narrativen der AfD ist, ist der Schluss gerechtfertigt, dass er der AfD anhängt, bzw. dass seine Meinung den rechten Rand repräsentiert.
            Ich finde, dass man AfD-Sympathisant:innen nicht oft genug bewusst machen kann, dass ihr Weltbild n i c h t die „bürgerliche Mitte“ darstellt, sondern eine rechte bis rechtsradikale Haltung widerspiegelt. Und damit meine ich nicht „Rechts“ als Schimpfwort zu verwenden, sondern ihnen das sachlich anhand ihrer Äußerungen auseinander zu setzen – inklusive das Fazit (faschistisch, rechtsradikal) beim Namen zu nennen.
            Und wenn der Chefredakteur einer großen Zeitung regelmäßig solche Äußerungen tätigt, und man das n i c h t beim Namen nennt, wähnt sich seine Leserschaft weiter „in der bürgerlichen Mitte“. Eine vormals konservative Zeitung rückt stark nach rechts, und das wird dann als „normal“ empfunden. Damit macht man faschistische Ansichten gesellschaftsfähig.
            Deshalb ist mir dieses Thema so wichtig, dass ich hier „Romane“ verfasse (sorry).
            LG und schöne Pfingsten!

          • Timm Reichl

            Hallo Frau Driehaus,
            keine Entschuldigung nötig, solche „Romane“ sind genau das, was eine Kommentarspalte leisten soll.
            Ihr Punkt zur „bürgerlichen Mitte“ ist der entscheidende, Ewert betreibt keine offene Parteinahme, sondern Normverschiebung. Wer seine Kolumnen als Meinungsäußerung eines gemäßigten Konservativen liest, verschiebt unwillkürlich, was als normal gilt. Genau das zeigt der 88/1312-Artikel von heute. Linke Institutionskritik wird mit NS-Symbolik verglichen, rechte Rhetorik mit anderen Maßstäben gemessen. Und das alles im Gewand sachlicher Einordnung.
            Sie haben recht, das beim Namen zu nennen ist keine Polemik, sondern notwendige Einordnung.
            Frohe Pfingsten

  5. Jürgen S.

    In der Tat ist das alles kein Zufall und ich glaube, dass Ewert wirklich meint, was er schreibt. Bin auf einen Artikel vom 3.6.2013 gestoßen, den ich seinerzeit vor 13 Jahren schon so merkwürdig verdreht fand, dass ich ihn damals abgespeichert habe. Ein Kommentar von B. Ewert zum Bauvorhaben der ‚Lebensquelle‘ am Güterbahnhof.

    Hier einsehbar:
    https://drive.proton.me/urls/TSG1JZ1S0W#zkiA9P1mSUcn

    • Timm Reichl

      Hallo Jürgen,
      vielen Dank, das ist ein wirklich interessantes Fundstück. Der Text von 2013 zeigt dasselbe rhetorische Grundmuster, das ich auch in den aktuellen Kommentaren beschreibe: Wer Diskriminierung benennt, wird selbst zum Täter erklärt. Damals trifft es LGBTQ+-Aktivisten, heute AfD-Kritiker. Die Struktur ist identisch.
      Das ist für mich weniger ein Beweis für eine „Agenda“ im engeren Sinne, aber sehr wohl ein Beleg für ein stabiles Weltbild, das sich über mehr als ein Jahrzehnt durchzieht. Das ist eigentlich noch aufschlussreicher.
      Danke fürs Raussuchen.
      Viele Grüße

  6. Norbert D.

    Medien wie die NOZ oder noch deutlicher die NZZ bilden eine Scharnierfunktion zwischen der CDU und den libertäten und rechten Millieus. Aufschlussreich ist z.B der taz Artikel heute zu einer Anti-AFD Broschüre, die bei der CDU verteilt wird: „Demokratieschäüdlich, antisemitisch, völkisch“
    http://www.cdu.de/app/uploads/2026/05/AfD_Abstieg-fuer-Deutschland_Broschuere.pdf?utm_source=ig&utm_medium=social&utm_content=link_in_bio
    https://taz.de/34-Seiten-ueber-Charakter-der-AfD/!6180897/

    Deren Inhalt hatte vor ein paar Tagen die NZZ hinterfragt und Herr Baumann von der AFD marschierte gestern zur CDU Zentrale. Davon hat die CDU ein Video gemacht.

    Ich sehe bei einigen Autoren der NOZ auch eine inhaltliche Nähe zu Verbänden wie dem Hayek Club, der eine Scharnierfunktion zwischen konservativen Wirtschaftskreisen und Libertären bildet, mit Übergängen zu Querdenkern sowie der AFD. Der Club tagt zu Pfingsten in Münster in einem Hotel am Bahnhof. Proteste sind zu erwarten.
    https://www.allesmuenster.de/proteste-gegen-tagung-im-atlantic-hotel/

    Die CDU nahe Presse in NRW (WN oder RP) grenzt sich recht deutlich von der AFD ab., geprägt noch von einem kirchennahen Grundtenor und dem CDU Sozialflügel. Nicht umsonst gibt es dort auch prominente CDU Minister, die ihren Parteiaustritt ankündigrn, wenn die CDU mit der AFD gemeinsame Sache machen sollte.
    Die NOZ, NZZ, Schwaebische und co wollen dagegen eine Diskursverschiebung nach rechts bezwecken, damit ganz im alten Lagerdenken die rechte Mehrheit, die CDU und AFD rein rechnerisch bilden, zum Zuge kommt. Das Modell geht nicht auf, weil es die CDU zertrümmen würde.

    • Timm Reichl

      Hallo Norbert,
      vielen Dank für Ihren Kommentar, die Scharnierfunktion, die Sie beschreiben, halte ich für einen zentralen analytischen Schlüssel. Was NOZ und NZZ verbindet, ist nicht primär eine AfD-Nähe im parteipolitischen Sinn, sondern eine geteilte Stoßrichtung, nämlich die Verschiebung des Sagbaren nach rechts, die Rehabilitierung von Positionen, die vor einigen Jahren noch als inakzeptabel galten.
      Der CDU-Broschüren-Vorfall ist in diesem Zusammenhang aufschlussreich, dass ausgerechnet die NZZ den Inhalt hinterfragt, während Baumann vor der CDU-Zentrale aufmarschiert, zeigt wie eng diese Diskurse inzwischen verflochten sind.
      Zur WN/RP-These stimme ich zu. Der kirchlich-soziale CDU-Flügel bildet noch einen kulturellen Riegel, der in der NOZ strukturell fehlt. Dort dominiert seit Jahren ein wirtschaftsliberaler, migrations- und kultursensitiver Grundton, der mit dem Hayek-Milieu kompatibel ist.
      Auf den Artikel zum Hayek-Club in Münster und die Proteste bin ich gespannt.
      Mit freundlichen Grüßen

  7. Hans Klein

    Wieso dieser Hass gegen andere Meinungen, die NOZ und Herrn Ewert?
    Hat er Ihnen einmal den Lastenfahrrad-Parkplatz vor dem Bio-Markt blockiert?

    • Timm Reichl

      Herr Klein, Ihr Kommentar enthält weder eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Artikel noch eine nachvollziehbare Kritik. Wenn Sie konkrete Punkte ansprechen möchten, stehe ich gerne für eine sachliche Diskussion zur Verfügung

    • Sabine Driehaus

      Danke, dass Sie mit Ihrem Kommentar meine Ausführungen bestätigen.
      Schöne Pfingsten.

  8. Jürgen

    …in diesem Zusammenhang ist folgender Artikel aus der Juni-Ausgabe der Blätter sehr zu empfehlen:
    https://www.blaetter.de/ausgabe/2026/juni/rechtspopulismus-eine-bewegung-von-narzissten

    • Timm Reichl

      Vielen Dank für den Hinweis und Kommentar.

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