Die NOZ interviewt einen AfD-Politiker wie jeden anderen Parlamentarier, ohne Hinweis auf die Verfassungsschutz-Einstufung. So funktioniert Normalisierung; nicht durch Zustimmung, sondern durch Format.
Hallo NOZ, hallo Herr Ludwig,
das Interview mit AfD-Bundestagsabgeordnetem Peter Felser zum Trump-Xi-Gipfel folgt einem Format, das die NOZ für jeden anderen Politiker auch verwendet; fünf Fragen, neutrale Einleitung, keine redaktionelle Distanzierung. Genau das ist das Problem.
Die AfD ist in Niedersachsen und anderen Bundesländern gesichert rechtsextrem eingestuft. Wer einen Vertreter dieser Partei wie jeden anderen Parlamentarier interviewt, behandelt sie wie jede andere Partei. Das ist eine redaktionelle Entscheidung mit Konsequenzen, keine Selbstverständlichkeit.
Besonders problematisch ist das Fehlen eines konkreten Kontexts, der in diesem Interview zwingend gehört hätte. Peter Felser äußert sich als Vorsitzender der Deutsch-Chinesischen Parlamentariergruppe seiner Fraktion. Doch sein Parteifreund Maximilian Krah hat durch den fahrlässigen Umgang mit Zugangsdaten seinem Büromitarbeiter jahrelang ermöglicht, vertrauliche EU-Parlamentsdokumente an einen chinesischen Geheimdienst weiterzugeben. Das Dresdner Oberlandesgericht verurteilte den Mitarbeiter im September 2025 in dem nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft schwersten Fall chinesischer Spionage in Deutschland. Wer Felser als AfD-China-Experten präsentiert, ohne diesen Sachverhalt zu erwähnen, blendet für die Einordnung seines Statements einen wesentlichen Kontext aus.
Das ist kein Angriff auf die Person, sondern eine Frage journalistischer Sorgfalt. Einordnung gehört zum Handwerk.
Mit freundlichen Grüßen
Schreibe einen Kommentar