Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Kategorie: Michael Clasen (Seite 2 von 6)

Michael Clasen ist Redakteur der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). Diese Kategorie dokumentiert seine Kommentare zu Wirtschaft, Außenpolitik und Innenpolitik, darunter Texte zu Trump, Iran, VW, Erbschaftsteuer und Energiewende. Analytischer Fokus: Faktenfehler, einseitige Rahmung und das Verhältnis von Meinung zu Beleg.

Leserbrief zu „Landtagswahl in Baden-Württemberg Kämpferischer Özdemir“ von Michael Clasen, NOZ vom 09.03.2026

Clasens Wahlanalyse in der NOZ: Warum seine AfD-Verharmlosung und Hagel-Kritik an der Realität vorbeigehen; eine notwendige Korrektur.

Hallo NOZ, hallo Herr Clasen,

Clasens Analyse zur Landtagswahl in Baden-Württemberg verkennt die Realität gleich mehrfach. Nicht eine angebliche „Schmutzkampagne“ der Grünen, sondern Manuel Hagels eigene Auftritte (zuletzt peinlich unangemessen an einer Schule) haben seinen Wahlkampf untergraben. Wer mit solch unwürdigem Verhalten um Wähler wirbt, muss sich nicht über das Ergebnis wundern.

Noch problematischer ist Clasens Umgang mit der AfD. Dass die Partei trotz monatelanger Umfragewerte von bis zu 20 % am Ende klar darunter blieb, ist kein „Wahlsieg“, sondern ein klares Zeichen für begrenzte Mobilisierungskraft. Die AfD blieb damit sogar hinter den letzten Prognosen zurück, ein eher mageres Ergebnis, das Clasen geflissentlich ignoriert. Wer solche Relativierungen betreibt und die AfD als „stärkste Oppositionsfraktion“ feiert, obwohl sie gegenüber den eigenen Hochrechnungen verloren hat, wirkt wie ein heimlicher Fan, nicht wie ein kritischer Beobachter.

Dass die demokratischen Parteien stattdessen die gestiegene Wahlbeteiligung als Auftrag verstehen sollten, klare Kante gegen Extremismus zu zeigen, bleibt die eigentliche Lehre dieser Wahl. Statt sich in falscher Dramaturgie oder Spekulationen über Koalitionen zu verlieren, wäre es an der Zeit, die AfD als das zu benennen, was sie ist. Eine Partei, die nicht an die eigenen Versprechungen heranreicht.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „Trumps Militärschlag gegen den Iran – Fehler früherer Interventionen vermeiden“, von Michael Clasen, NOZ vom 01.03.2026

Iran-Angriff der USA; zwischen Völkerrecht und Ölpolitik. Warum der Militärschlag gegen den Iran mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt – eine kurze Analyse.

Hallo NOZ, hallo Herr Clasen,

Michael Clasens Kommentar zum US-Militärschlag gegen den Iran ignoriert die zentrale Frage: Geht es um Freiheit oder um Öl?

Dass Clasen den völkerrechtswidrigen Angriff als „Akt der Nothilfe“ framt, ist nicht nur naiv (viele tausend Iraner:innen wurden bereits im Rahmen ihrer mutigen Proteste ermordet), sondern auch gefährlich. Die UN-Charta verbietet solche Akte, und die Geschichte lehrt, dass „Regime Change“ von außen selten Demokratie, sondern Chaos bringt.

Doch liegt das eigentliche Motiv eventuell woanders? Die Straße von Hormus, durch die 20 % des globalen Öls fließen, ist nun de facto unter US-Kontrolle. Schon in Venezuela sicherten sich die USA im Januar 2026 „30 bis 50 Millionen Barrel“ staatlichen Öls, ein Muster, das sich jetzt wiederholt. Der Iran besitzt die zweitgrößten Gas- und viertgrößten Ölreserven der Welt. Ein Sturz des Regimes würde die USA zum unangefochtenen Herrn über den Energiemarkt machen.

Ist dieser Krieg also ein humanitärer Einsatz, oder schlicht die Fortsetzung von Wirtschaftspolitik mit anderen Mitteln?

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „21 Prozent Mehrwertsteuer wäre fatales Signal – Wie Ideologie unseren Wohlstand frisst“ von Michael Clasen, NOZ vom 18.02.2026, Seite 1

21% Mehrwertsteuer? Die NOZ diskutiert Symptome, nicht Ursachen. Warum Clasens Analyse an der Realität vorbeigeht.

Hallo NOZ, hallo Herr Clasen,

der Meinungsartikel von Michael Clasen reduziert die deutsche Wirtschaftskrise auf plakative Schuldzuweisungen; der Staat als „schlechter Unternehmer“, die Energiewende als „Kostenfalle“, die Demografie als unabwendbares Schicksal. Doch diese vereinfachte Darstellung verstellt den Blick auf die eigentlichen Probleme, und vor allem auf ihre Lösungen.

Die Energiewende ist nicht teuer, weil sie falsch ist, sondern weil sie jahrelang ohne klare Strategie, mit ständigen Kurswechseln und überbordender Bürokratie umgesetzt wurde. Während Länder wie Dänemark und Schweden seit den 1990ern konsequent auf Windkraft, CO2-Steuern und soziale Ausgleichsmechanismen setzten, lavierte Deutschland zwischen Atomausstieg, Kohlekompromissen und Planungsstaus. Die Folge sind hohe Strompreise, weil der Netzausbau verschlafen und die Bürger:innen nicht mitgenommen wurden. Doch statt diese Versäumnisse zu benennen, wird die Energiewende selbst zum Sündenbock erklärt.

Auch die Demografie ist kein Schicksal, sondern eine hausgemachte Herausforderung. Während Skandinavien in Bildung, Infrastruktur und Familienförderung investierte, sparte Deutschland und wundert sich nun über Fachkräftemangel. Dass Technologien wie KI helfen können, ist richtig. Aber sie ersetzen keine jahzehntelange Vernachlässigung der Zukunftsinvestitionen.

Die Debatte um die Mehrwertsteuer zeigt das eigentliche Dilemma. Statt über gerechte Besteuerung von Vermögen und Unternehmen zu sprechen, wird über eine Erhöhung der Konsumsteuer gestritten, die vor allem einkommensschwache Haushalte trifft. Dabei gäbe es Alternativen, wie bspw. eine CO₂-Steuer mit sozialer Rückvergütung (wie in Schweden), radikaler Bürokratieabbau für erneuerbare Energien, und Investitionen in Bildung und Infrastruktur.

Deutschland steckt nicht in der Krise, weil der Staat zu viel eingreift, sondern weil er zu lange gezögert, zu wenig investiert und zu sehr auf die „unsichtbare Hand des Marktes“ vertraut hat. Wer wirklich über die Zukunft reden will, muss endlich konkrete Lösungen benennen, statt sich in ideologischen Grabenkämpfen zu verlieren.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „Vorschläge der SPD zu einer Reform der Erbschaftsteuer Eine Gefahr für die Familienunternehmer“ von Michael Clasen, NOZ vom 14.01.2026, Seite 1

Alarmismus statt Analyse: Der Leserbrief zeigt mit Zahlen, warum die Erbschaftsteuer-Panik unbegründet ist und große Vermögen privilegiert bleiben.

Hallo NOZ, hallo Herr Clasen,

der Kommentar von Herrn Clasen zur Erbschaftsteuer ist weniger Analyse als politische Panikmache. Wer die SPD-Vorschläge als „Gefahr für Familienunternehmer“ bezeichnet, verschweigt zentrale Fakten und verzerrt die Debatte bewusst.

Jährlich werden in Deutschland bis zu 400 Milliarden Euro vererbt oder verschenkt, versteuert werden davon jedoch nur rund neun Milliarden Euro. Das ist kein Zeichen eines „ausreichenden Einnahmesystems“, sondern Ausdruck einer Erbschaftsteuer, die vor allem große Vermögen schont, insbesondere Betriebsvermögen. Dass „wer viel erbt, oft kaum zahlt“, ist kein populistischer Mythos, sondern vielfach belegt und sogar vom Bundesverfassungsgericht kritisiert worden.

Der Alarmismus gegenüber Familienunternehmen überzeugt ebenfalls nicht. Die SPD schlägt einen Unternehmensfreibetrag von fünf Millionen Euro sowie eine Streckung der Steuerzahlung über 20 Jahre vor. Das bedeutet, die allermeisten kleinen und mittleren Betriebe wären gar nicht betroffen. Wer dennoch vom „Niedergang“ spricht, verwechselt bewusst Großvermögen mit dem Mittelstand.

Besonders schief ist das Argument, man könne nur „verteilen, was zuvor erwirtschaftet wurde“. Erbschaften sind keine eigene Leistung, sondern leistungslose Vermögensüberträge. Gerade sie gelten in der Finanzwissenschaft als besonders legitim zu besteuern, zumal Arbeitseinkommen in Deutschland bereits überdurchschnittlich hoch belastet sind.

Der Kommentar blendet diese Zusammenhänge aus und ersetzt sie durch Schlagworte wie „Sozialismus“ und „Standortgefährdung“. Das mag politisch mobilisieren, trägt aber nicht zu einer sachlichen Debatte bei. Wer echte Leistungsgesellschaft will, sollte leistungsloses Vermögen nicht länger privilegieren.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „Proteste gegen das Regime im IranTrump sagt Hilfe zu, Europa zaudert“ von Michael Clasen, NOZ vom 13.01.2026, Seite 1

Warum Michael Clasen Trumps leere Drohungen als Stärke verkauft und Europas Diplomatie systematisch abwertet – Kritik an einem vorhersehbaren Meinungsjournalismus.

Hallo NOZ, hallo Herr Clasen,

der Kommentar von Michael Clasen zu den Protesten im Iran ist ein weiteres Beispiel für ein inzwischen auffälliges Muster in seinen Meinungsbeiträgen. Donald Trump wird konsequent als entschlossener, handlungsfähiger Akteur inszeniert, während Europa reflexhaft als zaudernd und passiv dargestellt wird.

Dabei bleibt unklar, worin die von Clasen gelobte „Hilfe“ Trumps konkret bestehen soll. Vage Drohungen und rhetorische Solidaritätsbekundungen sind noch keine Außenpolitik. Sie als „starkes Signal“ zu feiern, während konkrete europäische Maßnahmen wie diplomatischer Druck, Sanktionen oder internationale Initiativen als „Funkstille“ abgewertet werden, zeugt von sehr unterschiedlichen Maßstäben.

Besonders problematisch ist die implizite Gleichsetzung von Lautstärke mit Wirksamkeit. Außenpolitische Verantwortung erschöpft sich nicht in martialischer Rhetorik, sondern besteht gerade darin, Eskalationsrisiken realistisch abzuwägen. Dass ein militärisches Eingreifen der USA im Iran unabsehbare regionale Folgen hätte, bleibt in Clasens Kommentar vollständig ausgeblendet.

Der Mut der iranischen Protestierenden verdient Solidarität und Unterstützung. Doch wer diesen Mut instrumentalisiert, um ein altbekanntes Narrativ von „Trump handelt, Europa zaudert“ zu bedienen, vereinfacht nicht nur die Realität, sondern betreibt politische Personalisierung statt Analyse.

Meinungsjournalismus darf pointiert sein. Er sollte aber nicht vorhersehbar werden und schon gar nicht einzelne politische Akteure dauerhaft verklären, während andere pauschal diskreditiert werden.

Mit freundlichen Grüßen

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