Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Kategorie: Michael Clasen (Seite 3 von 7)

Michael Clasen ist Redakteur der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). Diese Kategorie dokumentiert seine Kommentare zu Wirtschaft, Außenpolitik und Innenpolitik, darunter Texte zu Trump, Iran, VW, Erbschaftsteuer und Energiewende. Analytischer Fokus: Faktenfehler, einseitige Rahmung und das Verhältnis von Meinung zu Beleg.

„Es geht ums Öl“ – Clasens Golfkommentar entlarvt sich selbst

Clasen fordert in der NOZ deutsche Militärbeteiligung am Golf – und gesteht am Ende ein: „Es geht ums Öl.“ Der letzte Satz entlarvt den gesamten Text. Warum Interessenpolitik als Friedenspolitik verpackt wird.

Hallo NOZ, hallo Herr Clasen,

der Kommentar „Warum auch Deutschland am Golf Flagge zeigen muss“ argumentiert für eine deutsche Militärbeteiligung am Golf, und begeht dabei denselben analytischen Fehler wie schon Clasens Kommentar vom 1. März. Er verschweigt, was er eigentlich sagen will, bis zum letzten Satz. „Es geht ums Öl“, dieses Eingeständnis am Ende des Textes entlarvt rückwirkend den gesamten Argumentationsaufbau als euphemistisch.

Denn worum geht es laut Clasen? Um „Prosperität und Wohlstand“, um „friedenssichernde Missionen“, um Verhandlungstische. Was tatsächlich beschrieben wird, ist die Sicherung fossiler Handelsrouten durch militärische Präsenz, im Namen von Interessen, die Clasen selbst als ökonomische identifiziert. Das ist legitim zu diskutieren. Nur sollte man es so nennen.

Auffällig ist zudem, wie der Text Trumps und Netanjahus Angriff auf den Iran zunächst als von Deutschland abzulehnendes Vorhaben einführt („nicht unser Krieg“), um dann schrittweise zur Forderung nach deutscher Beteiligung überzuleiten; nicht am Krieg selbst, aber an seiner Konsequenz, nämlich der Kontrolle der Meerenge. Diese Unterscheidung ist fein genug, um Kritik abzuwehren, aber zu fein, um analytisch zu tragen. Wer die militärische Sicherung der Handelsrouten fordert, die durch einen Krieg verstopft wurden, den er selbst ablehnt, beschreibt eine Interessenpolitik, keine Friedenspolitik.

Dass Clasen die Verständigung mit China und Russland für sinnvoll hält, fügt sich nahtlos in eine redaktionelle Linie ein, die gegenüber Moskau regelmäßig zur Mäßigung neigt, auch dort, wo Zurückhaltung gegenüber einem Angreifer politisch fragwürdig ist. Das UN-Mandat als Rahmung ändert daran wenig. Es dient hier weniger als Prinzip als als Legitimationsvehikel für eine Position, die ohnehin schon feststand. Aber die grundsätzliche Frage bleibt. Warum verdient ein möglicher Militäreinsatz im Golf einen Kommentar, der für mehr Beteiligung wirbt, während für diplomatische Alternativen nicht annähernd dieselbe Energie aufgewendet wird?Meinungsjournalismus darf Positionen vertreten. Er sollte nur nicht verschleiern, welche Interessen hinter ihnen stehen, besonders dann nicht, wenn es „ums Öl“ geht.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Thema Videoüberwachung, NOZ vom 21.03.2026, Mehr Sozialarbeit statt Überwachung – nachhaltige Sicherheit braucht Prävention

Mehr Kameras = mehr Sicherheit?Polizeipräsident de Vries fordert Ausweitung der Videoüberwachung, doch Überwachung verhindert keine Straftaten, sie dokumentiert sie nur. Statt in teure Technik zu investieren, brauchen wir soziale Arbeit, Prävention und klare Datenschutzregeln.

Hallo NOZ, hallo Herr Clasen, hallo Herr Streckwaldt,

der Vorstoß von Polizeipräsident Friedo de Vries für mehr Videoüberwachung und erweiterte Gesichtserkennung in Ihrer Ausgabe vom 21.03.2026 greift zu kurz. Zwar mag Überwachungstechnik kurzfristig das Sicherheitsgefühl steigern, doch sie löst keine Probleme, sondern dokumentiert sie nur.

Die Annahme, dass Kameras Kriminalität verhindern, ist fragwürdig. Studien zeigen, dass Überwachung allenfalls an hochfrequentierten Orten, wie Bahnhöfen, abschreckend wirkt. Messerangriffe oder Jugendkriminalität entstehen jedoch oft in sozialen Brennpunkten, wo Prävention durch Streetworker oder Jugendzentren weitaus wirksamer wäre. Stattdessen werden teure Technologien eingesetzt, deren Nutzen unbewiesen bleibt, während die eigentlichen Ursachen, wie Armut oder fehlende Perspektiven, ignoriert werden.

Besonders problematisch ist der Umgang mit Datenschutz. Projekte wie das niederländische Modell „Camera in Beeld“ oder der Einsatz von KI-Tools wie Palantir werfen drängende Fragen auf. Wer kontrolliert den Zugang zu den Daten? Wie wird Missbrauch verhindert? Transparenz und klare Regeln fehlen bisher völlig. Eine flächendeckende Überwachung ohne demokratische Kontrolle gefährdet Grundrechte und schafft neue Risiken.

Die Prioritäten sind falsch gesetzt. Statt in Überwachungstechnik zu investieren, braucht es mehr soziale Arbeit, Armutsbekämpfung und digitale Aufklärung. Polizeipräsident de Vries selbst weist auf die Gefahren von Social-Media-Challenges hin, doch anstatt Jugendliche durch Aufklärung zu schützen, wird auf Repression gesetzt. Konkrete Alternativen wären der Ausbau präventiver Programme oder die Einführung unabhängiger Kontrollinstanzen für Videoüberwachung.

Sicherheit entsteht nicht durch Beobachtung, sondern durch Vertrauen und Perspektiven. Die NOZ sollte diese Diskussion führen und kritisch hinterfragen, statt unreflektiert Polizeiforderungen zu verbreiten.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „VW-Gewinn bricht ein – Geschäftsmodell unter Druck Wachsende Angst um Standorte“ von Michael Clasen, NOZ vom 11.03.2026

Rückwärtsgewandt statt zukunftsfähig. Warum Michael Clasens Analyse zu VW in der NOZ an der Realität vorbeigeht.

Hallo NOZ, hallo Herr Clasen,

Michael Clasen bedient sich in seiner Meinung im der NOZ vom 11.03.2026 eines längst widerlegten Mythos, das angebliche „EU-Verbrennerverbot“. Tatsächlich gibt es kein solches Verbot, nur Klimaziele, die andere Länder als Chance nutzen. Während China und die USA mit E-Mobilität und autonomem Fahren die Zukunft gestalten, klammert sich Deutschland an überholte Technologien. Dass Clasen den Dieselskandal, ein zentrales Symbol für die Selbsttäuschung der Branche, verschweigt, passt ins Bild. Hier wird Geschichte umgeschrieben, statt Lehren zu ziehen.

Clasens Verweis auf E-Fuels als „Option“ ist entweder naiv oder bewusste Desinformation. Selbst die Industrie hat diese Technologie für den Privatverkehr ad acta gelegt, zu ineffizient, zu teuer. Stattdessen fließen Steuermilliarden in eine Sackgasse, während chinesische Hersteller mit preiswerten E-Autos und innovativer Software den Markt erobern. Wer hier von „Wettbewerbsfähigkeit“ spricht, ignoriert die Fakten.

Clasen kritisiert die 35-Stunden-Woche, doch statt die Diskussion auf die tatsächlichen Herausforderungen zu lenken, wird sie als Argument für mangelnde Wettbewerbsfähigkeit instrumentalisiert. Dabei sind es nicht die Gewerkschaften, die Innovationen blockieren, sondern eine Kultur der Beharung in Management und Politik. Gewerkschaften haben ihre Berechtigung, doch ihre Rolle muss heute darin bestehen, gerechte Transitionen zu gestalten, nicht veraltete Strukturen zu zementieren.

Die Diagnose ist klar, VW hat jahrzehntelang auf Verbrenner gesetzt, die Digitalisierung verschlafen und sich in Bürokratie und überhöhten Managergehältern verlaufen. Dass nun 50.000 Stellen gestrichen werden sollen, ist keine politische Attacke, sondern Folge dieser strategischen Blindheit. Die Lösung? Keine Rüstungsproduktion in unrentablen Werken, sondern ein radikaler Neustart mit wettbewerbsfähigen E-Autos, schlankeren Strukturen, und eine kooperative Transformation, die Beschäftigte mitnimmt.

Clasens Beitrag ist ein Musterbeispiel dafür, wie Verantwortung externalisiert wird. Doch die Wahrheit ist: Die deutsche Autoindustrie hat sich selbst in diese Krise manövriert. Gewerkschaften, Management und Politik müssen jetzt gemeinsam handeln, nicht gegeneinander. Wer die Kurve noch kriegen will, braucht klare Ziele, Investitionen in Zukunftstechnologien und den Willen, soziale Gerechtigkeit mit wirtschaftlichem Fortschritt zu verbinden. Alles andere ist Zeitverschwendung.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „Landtagswahl in Baden-Württemberg Kämpferischer Özdemir“ von Michael Clasen, NOZ vom 09.03.2026

Clasens Wahlanalyse in der NOZ: Warum seine AfD-Verharmlosung und Hagel-Kritik an der Realität vorbeigehen; eine notwendige Korrektur.

Hallo NOZ, hallo Herr Clasen,

Clasens Analyse zur Landtagswahl in Baden-Württemberg verkennt die Realität gleich mehrfach. Nicht eine angebliche „Schmutzkampagne“ der Grünen, sondern Manuel Hagels eigene Auftritte (zuletzt peinlich unangemessen an einer Schule) haben seinen Wahlkampf untergraben. Wer mit solch unwürdigem Verhalten um Wähler wirbt, muss sich nicht über das Ergebnis wundern.

Noch problematischer ist Clasens Umgang mit der AfD. Dass die Partei trotz monatelanger Umfragewerte von bis zu 20 % am Ende klar darunter blieb, ist kein „Wahlsieg“, sondern ein klares Zeichen für begrenzte Mobilisierungskraft. Die AfD blieb damit sogar hinter den letzten Prognosen zurück, ein eher mageres Ergebnis, das Clasen geflissentlich ignoriert. Wer solche Relativierungen betreibt und die AfD als „stärkste Oppositionsfraktion“ feiert, obwohl sie gegenüber den eigenen Hochrechnungen verloren hat, wirkt wie ein heimlicher Fan, nicht wie ein kritischer Beobachter.

Dass die demokratischen Parteien stattdessen die gestiegene Wahlbeteiligung als Auftrag verstehen sollten, klare Kante gegen Extremismus zu zeigen, bleibt die eigentliche Lehre dieser Wahl. Statt sich in falscher Dramaturgie oder Spekulationen über Koalitionen zu verlieren, wäre es an der Zeit, die AfD als das zu benennen, was sie ist. Eine Partei, die nicht an die eigenen Versprechungen heranreicht.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „Trumps Militärschlag gegen den Iran – Fehler früherer Interventionen vermeiden“, von Michael Clasen, NOZ vom 01.03.2026

Iran-Angriff der USA; zwischen Völkerrecht und Ölpolitik. Warum der Militärschlag gegen den Iran mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt – eine kurze Analyse.

Hallo NOZ, hallo Herr Clasen,

Michael Clasens Kommentar zum US-Militärschlag gegen den Iran ignoriert die zentrale Frage: Geht es um Freiheit oder um Öl?

Dass Clasen den völkerrechtswidrigen Angriff als „Akt der Nothilfe“ framt, ist nicht nur naiv (viele tausend Iraner:innen wurden bereits im Rahmen ihrer mutigen Proteste ermordet), sondern auch gefährlich. Die UN-Charta verbietet solche Akte, und die Geschichte lehrt, dass „Regime Change“ von außen selten Demokratie, sondern Chaos bringt.

Doch liegt das eigentliche Motiv eventuell woanders? Die Straße von Hormus, durch die 20 % des globalen Öls fließen, ist nun de facto unter US-Kontrolle. Schon in Venezuela sicherten sich die USA im Januar 2026 „30 bis 50 Millionen Barrel“ staatlichen Öls, ein Muster, das sich jetzt wiederholt. Der Iran besitzt die zweitgrößten Gas- und viertgrößten Ölreserven der Welt. Ein Sturz des Regimes würde die USA zum unangefochtenen Herrn über den Energiemarkt machen.

Ist dieser Krieg also ein humanitärer Einsatz, oder schlicht die Fortsetzung von Wirtschaftspolitik mit anderen Mitteln?

Mit freundlichen Grüßen

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