Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Kategorie: Lucas Wiegelmann (Seite 1 von 2)

Leserbrief/-frage zum Artikel „Wie politisch darf ein Bundespräsident sein?Nach Eklat um Steinmeiers Rede zum Gedenken am 9. November: AfD wirft ihm Amtsmissbrauch vor – zurecht?“ von Lucas Wiegelmann, NOZ vom 26.11.2025, Seite 3

Warum widersprechen sich Überschrift und Inhalt? Ein Leserbrief an NOZ-Autor Wiegelmann über irritierende Headlines und die Rolle journalistischer Klicklogik.

Sehr geehrter Herr Wiegelmann,sehr geehrte Redaktion,

mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen, in dem Sie die Aussagen des Bundespräsidenten zur AfD differenziert einordnen und juristisch wie historisch einordnen. Der Text selbst wirkt ausgewogen, reflektiert und frei von Übertreibung.

Umso mehr irritiert mich jedoch die Überschrift. Sie stellt eine zugespitzte Frage in den Raum, die beim ersten Eindruck den Eindruck einer Kontroverse oder Grenzüberschreitung erzeugt, die Sie im Artikel selbst anschließend relativieren oder sogar verneinen. Die Headline und der Inhalt kommunizieren damit zwei unterschiedliche Botschaften.

Meine Frage an Sie lautet daher:Warum wählen Sie eine Überschrift, die eine völlig andere, und deutlich dramatischere, Intention suggeriert als Ihr eigentlicher Text?

Ist dies eine redaktionelle Entscheidung, die der Logik digitaler Aufmerksamkeit geschuldet ist? Oder möchten Sie bewusst Spannung erzeugen, die der Artikel anschließend auflöst? Für mich als Leser wirkt diese Diskrepanz irritierend und wirft die Frage auf, wie stark Headlines in der NOZ inzwischen der Klicklogik folgen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie diese Praxis kurz einordnen könnten. Gerade in politisch aufgeheizten Zeiten halte ich es für wichtig, dass Überschriften nicht mehr Verwirrung stiften als notwendig.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur Meinung von Lucas Wiegelmann „Ukraine-Gespräche in Genf – Der Friedensplan ist eine gute Nachricht“, NOZ vom 24.11.2025, Seite 1

Warum der angebliche Friedensplan zur Ukraine kein Hoffnungssignal, sondern ein von Russland dominierter Diktatfrieden ist, und weshalb der dazugehörige Kommentar die Lage politisch gefährlich verharmlost.

Hallo NOZ, hallo Herr Wiegelmann,

hier mein Leserbrief zur Meinung von Lucas Wiegelmann „Ukraine-Gespräche in Genf – Der Friedensplan ist eine gute Nachricht“, NOZ vom 24.11.2025, Seite 1.

Der Kommentar „Der Friedensplan ist eine gute Nachricht“ verkennt die Realität in einer Weise, die gefährlich naiv ist. Nicht die Existenz eines „Plans“ ist die gute Nachricht, entscheidend ist, wer ihn schreibt und wem er nützt. Mittlerweile ist klar: Der 28-Punkte-Plan trägt weitgehend die Handschrift des Kreml. Wenn ein Angreifer seine Maximalforderungen in ein Dokument diktiert, wird daraus kein Friedensplan, sondern ein Diktatfrieden.

Erschwerend kommt hinzu, dass selbst die USA widersprüchliche Signale senden: Erst wurde der Entwurf als offizieller amerikanischer Vorstoß präsentiert, dann wieder dementiert. Ein diplomatisches Chaos, das alles ist, nur kein Ausdruck amerikanischer Stärke. Ein solches Durcheinander schafft keinen Rahmen für ernsthafte Verhandlungen und schon gar keine verlässlichen Sicherheitsgarantien für die Ukraine.

Der Kommentar reduziert all das auf die scheinbar tröstliche Botschaft, dass „überhaupt etwas auf dem Tisch liegt“. Doch ein schlechter Plan ist nicht besser als keiner, er verschiebt die Gewichte zugunsten des Aggressors und gefährdet die Souveränität eines Landes, das bereits um sein Überleben kämpft. Wer hier von einer „guten Nachricht“ spricht, verkennt die Dimension des Konflikts und verharmlost die politische Realität.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom Mittwoch, 19.11.2025, Meinung Lucas Wiegelmann, Seite 1, „Der Protest der Jungen Union legt Schwächen der Kanzlerschaft offen – Drei Fehler muss Merz jetzt korrigieren“

In seinem Artikel thematisiert Lucas Wiegelmann in der NOZ vom 19. November 2025 die Schwächen der Kanzlerschaft und hebt hervor, dass Merz dringend drei grundlegende Fehler korrigieren muss, um das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen.

Hallo NOZ, hallo Herr Wiegelmann,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Mittwoch, 19.11.2025, Meinung Lucas Wiegelmann, Seite 1, „Der Protest der Jungen Union legt Schwächen der Kanzlerschaft offen – Drei Fehler muss Merz jetzt korrigieren“.

Der Kommentar zur Renten-Rebellion in der Union kratzt nur an der Oberfläche der tatsächlichen Probleme der Kanzlerschaft von Friedrich Merz. Wer seine jetzige Führungsschwäche verstehen will, muss auf den Beginn zurückblicken: Schon die Kanzlerwahl, die erst im zweiten Wahlgang gelang, zeigte ein tiefes Misstrauen in den eigenen Reihen. Das war kein Betriebsunfall, es war ein Warnsignal.

Statt diese Grundprobleme zu benennen, zeichnet der Kommentar Merz als eigentlich starken „Macher“, der nur kurz ins Straucheln geraten sei. Das Gegenteil ist der Fall. Merz wirkt weder als Deal-Maker noch als Kanzler, der Mehrheiten organisieren kann. Er agiert wie ein Oppositionsführer, der zufällig ins Kanzleramt geraten ist: laut nach innen, unsicher nach außen. Seine jüngste Bemerkung, man könne froh sein, aus Belém wieder weg zu sein, unterstreicht diese Unsouveränität auf internationaler Bühne.

Wer angesichts dieser Bilanz allein den Kommunikationsstil oder den fehlenden Mut zu „unpopulären Maßnahmen“ beklagt, verfehlt den Kern. Das Problem liegt nicht in drei korrigierbaren Fehlern, sondern in der grundsätzlichen Diskrepanz zwischen dem Bild, das Merz von sich selbst zeichnet, und der Realität seines Regierungsstils. Eine ehrliche Analyse müsste das benennen, nicht beschönigen.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Kommentar von Lucas Wiegelmann (War der Stadtbild-Spruch von Merz Rassismus?, NOZ vom 22. Oktober 2025)

Der Leserbrief kritisiert, dass der NOZ-Kommentar Merz’ Stadtbild-Aussage verharmlost und Empörung darüber als „Theater“ darstellt, statt die rassistischen Untertöne und politische Verantwortung zu benennen.

Hallo NOZ Team, hallo Herr Wiegelmann,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zum Kommentar von Lucas Wiegelmann (War der Stadtbild-Spruch von Merz Rassismus?, NOZ vom 22. Oktober 2025).

Lucas Wiegelmann nennt Friedrich Merz’ Satz vom „Problem im Stadtbild“ einen „Zaubersatz“, der richtig und falsch zugleich sei. In Wahrheit war er vor allem eines: bezeichnend. Denn er transportiert unterschwellig das Bild, Menschen anderer Hautfarbe oder Herkunft seien ein „Problem“, das man „rückführen“ müsse, und genau diese Denkfigur ist es, die Rassismus normalisiert.

Statt das zu benennen, stilisiert Wiegelmann die Empörung darüber zum „Ergriffenheitstheater“. Damit verlagert er das Problem, weg von Merz’ Verantwortung als Kanzler, hin zu denen, die rassistische Untertöne kritisieren. So wird aus einer notwendigen Debatte über Sprache und gesellschaftliche Ausgrenzung ein Vorwurf an die „digital Empörten“.

Wer wirklich eine „Auseinandersetzung auf anderem Level“ will, sollte aufhören, gefährliche Begriffe schönzuschreiben, und anfangen, die Wirkung solcher Aussagen ernst zu nehmen, gerade, wenn sie von höchster politischer Stelle kommen.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur NOZ vom Mittwoch, 01.10.2025, Meinung Lucas Wiegelmann zum Thema Kaminofen

Kritik an Kaminöfen: Ein Kommentar über die romantisierte Sicht aufs Feuer und die oft ausgeblendeten Belastungen für Nachbarn durch Rauch, Feinstaub und Gerüche.

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Wiegelmann,

hier mein Leserbrief zur NOZ vom Mittwoch, 01.10.2025, Meinung Lucas Wiegelmann zum Thema Kaminofen.

in seiner Kolumne schwärmt Lucas Wiegelmann vom Zauber des Kaminofens und erklärt, er könne sich nichts Schöneres vorstellen, als am Abend ins Feuer zu blicken. Doch diese Betrachtung bleibt auffällig selbstbezogen, denn sie blendet völlig aus, dass der „Zauber“ für die Nachbarschaft oft schlicht eine Belastung bedeutet.

Wer neben einem Kaminofen wohnt, kennt die Kehrseite: Rauch, der durchs gekippte Fenster zieht, Feinstaub, der die Luftqualität verschlechtert, Gerüche, die nicht romantisch, sondern penetrant sind. Gerade in dicht besiedelten Wohngebieten wird das Lüften eingeschränkt, Asthmatiker und ältere Menschen sind gesundheitlich besonders gefährdet.

Die Freude des einen am „heimeligen Flammenspiel“ wird damit zur Zwangsbürde für viele andere. Der Verweis des Autors, man könne ja „auf etwas anderes verzichten“, offenbart eine Haltung, die die Belastung der eigenen Nachbarn billigend in Kauf nimmt. Das ist nicht Romantik, sondern Egoismus.

Wenn wir ernsthaft über Klimaschutz, Luftreinhaltung und ein rücksichtsvolles Miteinander reden wollen, darf man die Folgen für die direkte Nachbarschaft nicht länger ausblenden. Kaminfeuer mag subjektiv gemütlich sein, für die, die daneben leben müssen, ist es häufig schlicht eine Zumutung.

Mit freundlichen Grüßen

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