Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Kategorie: Philipp Ebert (Seite 2 von 4)

Leserbrief zur Meinung „Doku über Robert Habeck – Habeck-Doku ist naiv“ von Philipp Ebert, NOZ vom 06.12.2025, Seite 2

Warum die Empörung über die rechtmäßige Habeck-Doku-Förderung doppelte Standards offenbart und wie unionsnahe Skandale ein ganz anderes Licht auf die Debatte werfen.

Hallo NOZ, hallo Herr Ebert,

Herr Ebert kritisiert die Filmförderung der Habeck-Doku als instinktlos, räumt aber selbst ein, dass sie rechtlich völlig einwandfrei war. Kulturförderung nach klaren Kriterien ist in Deutschland alltägliche Praxis, tausendfach im Jahr. Wer daraus dennoch eine moralische Verfehlung konstruiert, betreibt weniger Medienkritik als politische Symbolpflege.

Bemerkenswert wird diese Empörung vor allem im Vergleich: Als Unionspolitiker wie Jens Spahn mit fragwürdigen Maskengeschäften, Immobilienaffären oder eigenen Parteikollegen mit üppigen Pandemie-Provisionen Schlagzeilen machten, war von Instinktlosigkeit selten die Rede. Dort ging es nicht um reguläre Fördermittel, sondern um echte Bereicherung im politischen Umfeld.

Dass ausgerechnet eine rechtmäßig geförderte Dokumentation skandalisiert wird, während unionsnahe Verfehlungen verharmlost oder verschwiegen werden, zeigt vor allem eines: doppelte Standards.

Zumal die neue, konservativ geführte Regierung inzwischen zentrale energie- und industriepolitische Maßnahmen umsetzt, die Habeck einst forderte, und für die er jahrelang von eben jenem Lager verspottet wurde. Vielleicht erklärt das auch die nicht enden wollende Kritik: Sie soll verdecken, dass ausgerechnet der vielgescholtene Habeck in wesentlichen Fragen richtig lag.

Eine faire Debatte braucht Maßstäbe, die für alle gelten, nicht nur für die politische Gegenseite.

Mit freundlichen Grüßen

Mo., 8. Dez. 2025, 10:32

Guten Tag, Herr Reichl,

ich kann die Grundannahmen Ihres Leserbriefs nicht verstehen: Über die Vorwürfe gegen Jens Spahn haben wir zigfach berichtet. Sie arbeiten hier mit einem Strohmann-Argument, die rhetorische Strategie wiederum ist rabulistisch.

Im Übrigen greift meine Kritik nicht Robert Habeck an (was allerdings auch legitim wäre), sondern die Doku. Habeck hat eine solch schlechte Doku nicht verdient; tatsächlich ist es ja fast tragisch, wie er in dem Film dem Filmemacher erklären muss, dass die Dinge eben komplizierter sind, als dieser es sich denkt. Falls sie den Film noch nicht gesehen haben, empfehle ich ihn. Nicht, weil er gut wäre, sondern als Zeitdokument. Und man kann zugeben, dass der Filmemacher wenn auch naiv und überheblich, so doch sympathisch wirkt.

Viele Grüße

Philipp Ebert

Guten Tag, Herr Ebert,

vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Weder den Vorwurf eines Strohmann-Arguments noch den der Rabulistik kann ich nachvollziehen. Ich habe Ihnen keine Position zugeschrieben, die Sie nicht vertreten, und auch keine spitzfindige Argumentation geführt. Meine Kritik bezog sich allein auf die Unterschiede in der publizistischen Gewichtung. Eine rechtmäßige Filmförderung wird prominent moralisch gerahmt, während andere Vorgänge mit deutlich größerem Konfliktpotenzial deutlich leiser behandelt werden.

Dass die NOZ über die Affären rund um Herrn Spahn berichtet hat, bestreite ich nicht. Die Frage ist jedoch, mit welcher Tonlage und welcher Einordnung. Genau darauf zielte mein Vergleich.

Und gerade deshalb fällt auf, dass die NOZ bislang nicht über die Vorwürfe gegen Ministerin Reiche berichtet hat, deren Ressort Fördermittel an ein Unternehmen bewilligte, an dem ihr Lebensgefährte Karl-Theodor zu Guttenberg beteiligt ist. Ein Vorgang, der zumindest den Anschein eines echten Interessenkonflikts birgt.

Mit freundlichen Grüßen

Timm Reichl

Leserbrief zur NOZ vom Mittwoch, 19.11.2025, Meinung Ebert „Sind Sie auch plötzlich rechts?“ zur Mitte Studie der Friedrich Ebert Stiftung

Mit der Mitte Studie der Friedrich Ebert Stiftung wird deutlich, dass der Begriff rechts in der politischen Diskussion oft missverstanden wird. Es ist essenziell, die Differenzierung der Autoren zu berücksichtigen und die Ergebnisse der Studie sachlich zu analysieren, um die demokratischen Werte zu verteidigen.

Hallo NOZ, hallo Herr Ebert,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Mittwoch, 19.11.2025, Meinung Ebert „Sind Sie auch plötzlich rechts?“ zur Mitte Studie der Friedrich Ebert Stiftung.

Philipp Ebert kritisiert die neue Mitte-Studie, doch sein Text erzeugt den Eindruck, als solle Forschung delegitimiert werden, indem einzelne Fragebeispiele aus dem Kontext herausgelöst werden. Dabei ist die Studie ungewöhnlich transparent: Methodik und vollständiger Fragebogen sind öffentlich einsehbar. Wer ihre Seriosität infrage stellt, muss diese Dokumente auch einbeziehen.

Eberts wichtige Frage nach der politischen Aufladung des Begriffs Mitte verkennt zudem, dass die Autoren differenzieren: Sie unterscheiden klar zwischen extremen Einstellungen und einem Graubereich. Die Studie behauptet gerade nicht, die Bevölkerung sei „plötzlich rechts“. Sie zeigt vielmehr: Die Mehrheit bleibt demokratisch, gleichzeitig normalisieren sich einzelne antidemokratische und menschenfeindliche Aussagen.

Wer diese Befunde für übertrieben hält, sollte wissenschaftlich widersprechen, mit Daten, nicht mit ausgesuchten Beispielen. Denn die Demokratie schützt man nicht, indem man Forschung diskreditiert, sondern indem man ihre Ergebnisse nüchtern prüft.

Leserbrief zur Meinung von Philipp Ebert auf Seite 1 der NOZ vom 18.11.2025 zum Thema „Vorschlag von Ferdinand von Schirach: Soll Merz sieben Jahre Kanzler bleiben? Was Deutschland wirklich helfen könnte“ 

In Reaktion auf den Artikel von Philipp Ebert in der NOZ wird die Frage aufgeworfen, ob Merz sieben Jahre Kanzler bleiben sollte und welche Maßnahmen Deutschland wirklich helfen könnten. Es wird betont, dass eine Modernisierung des politischen Systems notwendig ist, jedoch ohne autoritäre Ansätze, die die demokratische Repräsentation gefährden.

Moin NOZ, moin Herr Ebert,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur Meinung von Philipp Ebert auf Seite 1 der NOZ vom 18.11.2025 zum Thema „Vorschlag von Ferdinand von Schirach: Soll Merz sieben Jahre Kanzler bleiben? Was Deutschland wirklich helfen könnte“.

Im Kommentar von Herrn Ebert entsteht der Eindruck, Deutschland habe „seit 1998 keinen echten Regierungswechsel“ erlebt. Diese Darstellung ist irreführend. Der Wechsel von Schröder zu Merkel 2005 war politisch tiefgreifend, ebenso der Übergang zur Ampel 2021. Auch die Behauptung, die SPD „regiere immer“, ignoriert, dass die CDU sechzehn Jahre lang das Kanzleramt innehatte.

Problematisch ist zudem, das britische Mehrheitswahlrecht als Lösung darzustellen. Dieses System führt regelmäßig zu stark verzerrten Mehrheiten: Parteien mit zweistelligen Ergebnissen erhalten fast keine Sitze, während Regierungen oft ohne gesellschaftliche Mehrheit handeln. Die politischen Turbulenzen in Großbritannien der letzten Jahre zeigen eher Instabilität als Stärke. In Deutschland würde ein solches Modell kleinere Parteien weitgehend ausschalten und könnte im Osten der AfD viele Direktmandate sichern. Das wäre eine deutliche Schwächung der demokratischen Repräsentation.

Ja, unser politisches System braucht Modernisierung – aber sicher keine autoritären Experimente und auch keinen Import eines Wahlrechts, das die Probleme eher verschärft. Nötig sind bessere parlamentarische Verfahren, mehr Transparenz und ein effizienteres Regierungshandeln, nicht weniger Demokratie.

Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 13.11., Meinung Ebert zur Polyhochzeit in Berlin, Seite 26

Der Leserbrief widerspricht Eberts Kritik an einer Berliner Polyhochzeit und betont, dass die Kirche Menschen nicht ausgrenzen, sondern begleiten soll. Er kritisiert Eberts Spott als unsachlich und argumentiert, dass eine lebendige Kirche Wandel zulassen muss, statt sich wie ein Museum an starre Vorstellungen zu klammern.

Hallo NOZ, hallo Herr Ebert,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 13.11., Meinung von Ebert zur Polyhochzeit in Berlin, Seite 26.

Herr Ebert schreibt, die evangelische Kirche verliere sich selbst, weil eine Pfarrerin vier Männer „verheiratet“ hat. Doch wer so urteilt, verliert selbst den Blick für das, worum es eigentlich geht: um Menschen, die nach Liebe, Sinn und Nähe suchen, und um eine Kirche, die versucht, sie nicht auszugrenzen.

Es ist billig, über eine Pfarrerin und ihr Handeln Spott zu gießen. Das ist keine Kritik, das ist Häme. Die evangelische Kirche hat schon immer Wandel zugelassen. Sie darf sich verändern, weil sie von Freiheit und Gewissen lebt, nicht von Angst vor dem Zeitgeist.

Eberts Text klingt, als müsse Kirche ein Museum sein, damit sie echt bleibt. Aber eine Kirche, die sich nicht bewegt, verliert nicht den „Zeitgeist“, sondern den Heiligen Geist. Und wer nur über den Sex anderer Menschen schreibt, um Relevanz zu beweisen, sollte sich fragen, ob er nicht selbst dem sucht, was er der Kirche vorwirft: Aufmerksamkeit um jeden Preis.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur NOZ vom Dienstag, 04.11.2025, Interview Boehme-Neßler zu Meinungsfreiheit, Seite 27

Der Leserbrief bemängelt, dass das NOZ-Interview zur Meinungsfreiheit einseitig ist. Statt nur staatliche Überreaktionen zu kritisieren, sollte auch die Rolle von Ermittlungen zum Schutz der Demokratie und die Notwendigkeit rechtstaatlicher Grenzen berücksichtigt werden.

Hallo NOZ Team, hallo Herr Ebert,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Dienstag, 04.11.2025, Interview Boehme-Neßler, Seite 27.Das Interview zur Meinungsfreiheit wirft wichtige Fragen auf, bleibt aber einseitig. Wer ausschließlich einen Experten sprechen lässt, der Behörden und Politik pauschal Überreaktionen vorwirft, verschiebt das Bild. Gerade bei Themen wie digitaler Hetze und Extremismus braucht es Differenzierung: Ermittlungen finden nicht im luftleeren Raum statt, sondern dienen oft dem Schutz unseres demokratischen Miteinanders. Kritik an staatlichem Handeln ist notwendig, aber ebenso die Einordnung, dass rechtstaatliche Grenzen und gesellschaftliche Verantwortung dazugehören. Eine ausgewogene Darstellung hätte dieser Debatte gutgetan.

Mit freundlichen Grüßen 

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