Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Kategorie: Zeitgeschehen (Seite 10 von 20)

Leserbrief zum Artikel „Studie: Windparks könnten chemische Stoffe ins Meer abgeben“ (NOZ, 27. August 2025, Seite 24)

Sehr geehrte Redaktion,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zum Artikel „Studie: Windparks könnten chemische Stoffe ins Meer abgeben“ (NOZ, 27. August 2025, Seite 24), in dem ich mir eine zusätzliche Einordnung gewünscht hätte.

Die Risiken durch Offshore-Windparks sind real, aber technisch gut vermeidbar, etwa mit modernen Korrosionsschutzsystemen oder biologisch abbaubaren Schmierstoffen. Demgegenüber richten Öl- und Gastanker nachweislich schwere Schäden an: Havarien und chronische Ölverschmutzungen belasten die Meere seit Jahrzehnten massiv.

Werden fossile Importe durch Windstrom ersetzt, entfallen diese Tankerrisiken, und zusätzlich Treibhausgase, die Ozeane erwärmen und versauern. In der Gesamtbilanz schützt Offshore-Wind die Meere also eher, vorausgesetzt, die Betreiber setzen klare Umweltstandards um.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zum Artikel „Wir schaffen das half der AfD beim Aufstieg“ (NOZ vom 26.08.2025, Seite 3)

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Grupe,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zum Artikel „Wir schaffen das half der AfD beim Aufstieg“ (NOZ vom 26.08.2025, Seite 3).

Der Beitrag von Leon Grupe reduziert den Aufstieg der AfD fast vollständig auf Angela Merkels Entscheidung im Sommer 2015. Diese Sichtweise greift viel zu kurz und greift auf ein längst bekanntes, aber stark vereinfachtes Narrativ zurück.

Erstens: Die Ursachen für den Erfolg der AfD sind komplex. Neben der Flüchtlingsbewegung spielten auch Eurokrise, soziale Spaltung, die Ost-West-Differenz, interne Kurswechsel der AfD sowie gezielte Desinformationskampagnen eine wesentliche Rolle. Wer Merkels „Wir schaffen das“ als fast alleinigen Auslöser darstellt, unterschlägt diese Faktoren und verengt den Blick.

Zweitens: Die Darstellung der Kölner Silvesternacht als Beispiel für „hunderte Frauen“ ist irreführend. Fakt ist: Es gab über 1.000 Anzeigen, davon rund 660 mit sexuellem Bezug, überwiegend wegen Belästigungen im Gedränge. Von „hunderten vergewaltigten Frauen“ kann keine Rede sein. Solche Zuspitzungen tragen eher zur Mythenbildung bei, als dass sie zur sachlichen Aufarbeitung beitragen.

Drittens: Wer Merkels Politik die „Schuld“ am AfD-Aufstieg zuschiebt, entlastet damit paradoxerweise die AfD selbst. Eine demokratische Öffentlichkeit sollte nicht die populistische Erzählung verstärken, dass allein „die Flüchtlingspolitik“ diese Partei groß gemacht habe.

Eine seriöse Analyse muss die Mehrdimensionalität der Ursachen anerkennen und darf nicht in einfachen Schuldzuweisungen stecken bleiben.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur NOZ vom Dienstag, 26.08.2025, Seite 1, Söders Sparplan

Sehr geehrte Redaktion,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Dienstag, 26.08.2025, Seite 1, Söders Sparplan.Markus Söders „Sparplan“ entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als populistischer Nebel.

Die Abschaffung des Bürgergelds ist rechtlich und sozialpolitisch kaum machbar, Kürzungen beim Wohngeld oder bei Geflüchteten bringen im Haushalt nur Peanuts, sind aber gesellschaftlich brandgefährlich. Auch die Förderung für Wärmepumpen stammt überwiegend aus dem Klimafonds, wer hier streicht, bremst die Energiewende und verursacht langfristig höhere Kosten.

Einzig bei der Entwicklungshilfe ließe sich tatsächlich sparen, doch das würde internationale Verpflichtungen unterlaufen und neue Fluchtursachen schaffen, also das Gegenteil dessen bewirken, was Söder vorgibt.

Statt seriöser Haushaltspolitik liefert er populistische Schlagworte. So saniert man keinen Bundeshaushalt.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Interview mit Carsten Linnemann („Manchmal sollte man die Kirche auch im Dorf lassen“, NOZ vom 23. August 2025)

Sehr geehrte Redaktion,

beigefügt sende ich Ihnen meinen Leserbrief zum Interview mit Carsten Linnemann („Manchmal sollte man die Kirche auch im Dorf lassen“, NOZ vom 23. August 2025).

Im Interview fordert CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann einen „Paradigmenwechsel“ beim Bürgergeld, sprich: strengere Sanktionen und faktische Kürzungen. Gleichzeitig lehnt er höhere Steuern für Wohlhabende und Unternehmen ab. Diese Kombination ist bezeichnend: Wer am wenigsten hat, soll verzichten, während die Reichsten geschont bleiben.

Die Behauptung, Bürgergeld sei „zu großzügig“ und mache Arbeit unattraktiv, hält einem Faktencheck nicht stand. Schon heute liegt das Existenzminimum bei rund 502 Euro plus Wohnkosten – sicher kein Anreiz, nicht arbeiten zu gehen. Studien der Bundesagentur für Arbeit und verschiedener Wirtschaftsinstitute belegen zudem eindeutig: Erwerbstätigkeit lohnt sich fast immer, Aufstockerregelungen und Freibeträge verhindern die behauptete „sozialstaatliche Hängematte“.

Deutschland hat im OECD-Vergleich eine extrem niedrige Vermögensbesteuerung und eine wachsende Ungleichheit. Wer von „Fairness gegenüber der arbeitenden Mitte“ spricht, aber die Superreichen steuerlich schont, verschiebt die Lasten weiter nach unten.

Anstatt die Schwächsten erneut unter Generalverdacht zu stellen, wäre es ehrlicher, über gerechte Steuerpolitik, eine Entlastung der Mitte und faire Löhne zu reden.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur NOZ vom Dienstag, 19.08.2025, „Nur fünf Prozent verzichten auf Fleisch“, Seite 7, von Sophie Wehmeyer

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrte Frau Wehmeyer,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Dienstag, 19.08.2025, zum Artikel Nur fünf Prozent verzichten auf Fleisch, Seite 7, von Sophie Wehmeyer.

Die Überschrift „Nur fünf Prozent verzichten in Deutschland auf Fleisch – Die Macht einer Minderheit“ vermittelt einen verzerrten Eindruck. Denn aktuelle Daten des Bundesernährungsministeriums zeigen: Rund acht Prozent der Deutschen leben vegetarisch, zwei Prozent vegan, also doppelt so viele, wie im Artikel genannt. Noch wichtiger: 41 Prozent bezeichnen sich als „flexitarisch“, essen also bewusst weniger Fleisch. Damit ist die Zahl derjenigen, die ihren Konsum reduzieren, weit größer als die Schlagzeile suggeriert.

Auch beim Fleischverbrauch zeigt sich ein langfristiger Trend: Seit Jahren geht der Pro-Kopf-Verzehr zurück, 2023 auf ein Rekordtief. Dass 2024 ein leichter Anstieg gemessen wurde, ändert nichts daran, dass die Entwicklung klar nach unten weist.

Die Formulierung „Macht einer Minderheit“ greift zu kurz. Handel und Gastronomie reagieren nicht auf ideologische Vorgaben, sondern auf Nachfrage. Dass heute Supermärkte pflanzliche Alternativen anbieten und Konzerne in neue Produkte investieren, ist Ausdruck eines breiten gesellschaftlichen Wandels. Eine differenzierte Darstellung wäre daher sachgerechter als eine zugespitzte Schlagzeile.

Mit freundlichen Grüßen 

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