Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Kategorie: Zeitgeschehen (Seite 19 von 20)

Leserbrief zur NOZ vom Montag, 14.04.2025, zum Artikel AfD Politikerin nennt Konzept in Kita „pervers“, Seite 7

Hallo NOZ Team,

beigefügt sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Montag, 14.04.2025, zum Artikel AfD Politikerin nennt Konzept in Kita „pervers“, Seite 7.

Leserbrief: Unaufgeregter Umgang statt populistischer Empörung

Mit Verwunderung habe ich den heutigen Artikel über die Kritik der AfD-Politikerin Vanessa Behrendt am sexualpädagogischen Konzept einer Kita in Badbergen gelesen – nicht nur wegen des Inhalts, sondern auch wegen der späten und unreflektierten Aufbereitung eines Falls, der bereits im Frühjahr 2024 für Aufregung sorgte und damals ausführlich eingeordnet wurde.

Zur Sache selbst: Es ist erschreckend, wie schnell ein fachlich fundiertes Schutzkonzept, das dem gesetzlichen Auftrag von Kitas entspricht, durch gezielte Empörung als „pervers“ diffamiert werden kann. Der zitierte Satz – „Die Kinder entdecken ihre Genitalien als Lustquelle…“ – beschreibt nichts anderes als ein bekanntes entwicklungspsychologisches Phänomen. Fachleute, darunter auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, bestätigen, dass kindliche Sexualität weder mit Erwachsenensexualität noch mit sexueller Handlung gleichzusetzen ist. Sie gehört zur gesunden Entwicklung.

Statt über Inhalte zu sprechen, wird skandalisiert. Die AfD nutzt solche Themen nicht zum Schutz von Kindern, sondern zur Mobilisierung politischer Emotionen – ein durchschaubares Muster. Wer das pädagogische Konzept kennt, weiß: Es dient dem Schutz der Kinder vor Übergriffen, nicht deren Gefährdung.

Die evangelische Kita und der Träger haben sachlich reagiert: Die Formulierungen wurden überarbeitet, nicht die Inhalte. Das ist ein kluger Umgang mit missverständlicher Sprache, ohne auf inhaltliche Verfälschung hereinzufallen.

Umso mehr irritiert es, dass der Artikel diese Vorgeschichte kaum einordnet – und ein Jahr nach dem eigentlichen Vorfall nahezu unkommentiert die Empörung von 2024 wieder aufgreift. Wer so berichtet, läuft Gefahr, unbeabsichtigt den Mechanismen populistischer Skandalisierung Vorschub zu leisten.

Was wir brauchen, ist Vertrauen in professionelle pädagogische Arbeit, nicht politische Empörungsrhetorik.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur NOZ vom Samstag, 12.04.2025 zum Interview mit Gitta Connemann

Hallo NOZ Team,

beigefügt sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Samstag, 12.04.2025.

Leserbrief zum Interview mit Gitta Connemann („Es ging ein Aufatmen durch den Mittelstand“)

Sehr geehrte Redaktion,

mit großem Interesse habe ich das Interview mit Frau Gitta Connemann gelesen. Was als wirtschaftspolitischer Aufbruch verkauft wird, wirft bei genauerem Hinsehen viele Fragen auf – und lässt an zentralen Stellen die notwendige Substanz vermissen.

Frau Connemann spricht von einem „Aufatmen“ im Mittelstand – doch wo sind die Belege? Viele Unternehmen kämpfen weiter mit Unsicherheiten, hohen Energie- und Steuerlasten sowie Fachkräftemangel. Eine echte Entlastung wird zwar angekündigt, aber: Steuererleichterungen kommen frühestens 2028, wesentliche Maßnahmen stehen unter Finanzierungsvorbehalt, und die Haushaltslage ist mehr als angespannt. Von einem verlässlichen „Fundament“ kann keine Rede sein.

Auch Aussagen zur Reform des Bürgergeldes und zur Rückkehr des Prinzips „Fördern und Fordern“ bleiben vage. Sanktionen gab es längst wieder, und wer glaubt, durch rein rhetorische Härte über strukturelle Probleme am Arbeitsmarkt hinwegzukommen, verschleiert die Realität. Die Behauptung, das Bürgergeld sei ein „Turbo für die AfD“, ist ein populistisches Ablenkungsmanöver – und wird den komplexen Ursachen politischer Radikalisierung nicht gerecht.

Dass zentrale Fragen – etwa zum Verbrenner-Aus oder zur Zukunft der Rente – an Kommissionen delegiert werden, zeigt vielmehr, dass Mut und Klarheit fehlen. Und der viel zitierte 500-Milliarden-Infrastrukturfonds? Juristisch hochumstritten und bisher nicht mehr als ein vages Versprechen auf Pump.

Ein echter Aufbruch braucht mehr als wohlklingende Formulierungen. Er braucht ehrliche Antworten, tragfähige Konzepte und eine solide Finanzierung. Wer das Vertrauen des Mittelstands und der Bevölkerung zurückgewinnen will, muss mehr liefern als PR-Formeln.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom Montag, 07.04.2025, Artikel Anika Sterna Seite 2

Hallo NOZ Team,

beigefügt sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Montag, 07.04.2025, zum Artikel von Anika Sterna, Eine Propaganda der Gutmeinenden, Seite 2.

Leserbrief: Mehr Ausgewogenheit in der Corona-Debatte bitte

Mit großem Interesse, aber auch wachsender Irritation habe ich den Artikel „Eine Propaganda der Gutmeinenden“ gelesen. Die Frage nach dem Ursprung von SARS-CoV-2 ist zweifellos wichtig – wissenschaftlich, politisch und gesellschaftlich. Doch der Beitrag, der sich vor allem auf die Aussagen von Alexander Kekulé und Roland Wiesendanger stützt, vermittelt einen einseitigen und tendenziösen Eindruck.

Die Überschrift allein („Propaganda der Gutmeinenden“) suggeriert bereits eine klare Lagerbildung und unterstellt weiten Teilen der Wissenschaft ein bewusstes Vertuschen – ein schwerwiegender Vorwurf, der im Artikel selbst kaum differenziert belegt wird. Kritische Stimmen zur Laborhypothese wurden zu Beginn der Pandemie tatsächlich vorschnell abgetan, das ist unbestritten. Doch heute ist die Diskussion längst differenzierter – auch ohne dass man sie ideologisch auflädt oder mit dem moralischen Zeigefinger versieht.

Statt eine ausgewogene Darstellung anzubieten, gibt der Artikel vor allem den Vorwürfen zweier Personen Raum. Gegendarstellungen, Einordnung oder ein Hinweis auf die nach wie vor fehlenden belastbaren Beweise für einen Laborursprung fehlen weitgehend. Die Leserschaft bleibt so mit einem einseitigen Bild zurück – und das ausgerechnet bei einem Thema, das geradezu nach wissenschaftlicher Nüchternheit ruft.

Journalismus sollte zur Aufklärung beitragen, nicht zur Polarisierung. In der Pandemie haben wir schmerzhaft erfahren, was ein Mangel an Vertrauen in Wissenschaft und Medien anrichten kann. Umso wichtiger wäre es, dass Beiträge wie dieser nicht mit suggestiven Überschriften und einseitiger Auswahl der Stimmen alten Gräben neue Tiefe geben.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur NOZ vom Montag, 07.04.2025, Artikel Landkreistag für Aufnahmestopp, Seite 1

Hallo NOZ Team,

beigefügt sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Montag, 07.04.2025, Artikel Landkreistag für Aufnahmestopp, Seite 1.

Leserbrief: Wer profitiert von solchen Artikeln?

Der Beitrag „Landkreistag für Aufnahme-Stopp“ hat mich nachdenklich, ja verärgert zurückgelassen. Denn was hier als nüchterne Berichterstattung daherkommt, ist in Wirklichkeit einseitige Stimmungsmache – und leistet vor allem einer Partei Vorschub: der AfD.

Die Wortwahl und Argumentation von Herrn Brötel werden unkritisch übernommen, als wären seine Forderungen alternativlos. Von einem generellen Aufnahmestopp für Menschen aus Kriegsgebieten ist die Rede – ohne jegliche Einordnung der rechtlichen und humanitären Folgen. Es fällt kein Wort zur Genfer Flüchtlingskonvention, zu geltendem Asylrecht oder zu internationalen Verpflichtungen. Stattdessen wird die Mär vom überlasteten Land gestützt, obwohl der Artikel selbst die gegenteilige Entwicklung beschreibt: die Zahlen der Asylsuchenden gehen deutlich zurück.

Das Framing ist offensichtlich: Flüchtlinge werden hier fast ausschließlich mit Problemen in Verbindung gebracht – Schulkrisen, Arbeitsmarkt, Kriminalität. Fakten dazu? Fehlanzeige. Stattdessen wird suggeriert, dass weniger Hilfe, weniger Menschlichkeit und mehr Härte politische Notwendigkeit seien. Der „Druck“ durch die AfD dient dabei offenbar als Legitimation.

Man kann und muss über Migrationspolitik diskutieren. Aber bitte sachlich, differenziert und mit Respekt vor rechtsstaatlichen Grundsätzen. Dieser Artikel tut das Gegenteil – und reiht sich ein in eine Debattenkultur, die rechte Narrative bedient, statt ihnen argumentativ zu begegnen.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur NOZ vom Dienstag, 25.03.2025, Seite 2, Artikel Louisa Riepe

Guten Morgen NOZ Team,

auf diesem Wege sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Dienstag, 25.03.2025, zum Artikel von Louisa Riepe auf der Seite 2, Newsletter Was geht.

Leserbrief: Kritik ist kein Angriff auf den Journalismus

Mit Interesse habe ich den Artikel „Preisverdächtig, was Lokaljournalismus alles kann“ von Louisa Riepe gelesen. Dass engagierter Journalismus eine essenzielle Stütze der Demokratie ist, steht außer Frage. Umso wichtiger ist es, dass dieser Journalismus sich einer kritischen Selbstreflexion stellt – besonders dann, wenn berechtigte Vorwürfe im Raum stehen.

Die taz hat kürzlich auf problematische rechte Tendenzen in der Neuen Osnabrücker Zeitung hingewiesen https://taz.de/Neue-Osnabruecker-Zeitung/!6074403/ . 

Anstatt sich mit diesen Punkten auseinanderzusetzen, präsentiert sich die NOZ in Riepes Artikel als unverzichtbarer Pfeiler gegen Populismus und Polarisierung. Das wirkt wie eine Verteidigungshaltung, ohne dass eine direkte inhaltliche Auseinandersetzung mit den Vorwürfen stattfindet.

Niemand bestreitet, dass Lokaljournalismus wichtig ist. Aber er muss sich – gerade weil er eine große Verantwortung trägt – der Kritik stellen, wenn es Hinweise auf problematische Entwicklungen gibt. Mutiger Journalismus bedeutet nicht nur, Missstände in Politik und Gesellschaft aufzudecken, sondern auch, sich der eigenen Verantwortung bewusst zu sein und sich selbst hinterfragen zu lassen.

Ein kritischer Blick auf die eigene Arbeit wäre also durchaus preiswürdig.

Mit freundlichen Grüßen

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