Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Kategorie: Zeitgeschehen (Seite 4 von 20)

Leserbrief zum NZZ Artikel „Ist es schon rechts, Kinder zu bekommen? -Kulturkampf tobt in den USA: Schwangere als Nazi bezeichnet / Thema wird von Linken fast nur noch negativ besetzt“, NOZ vom 27.11.2025, Seite 3

Warum der übernommene NZZ-Artikel ein falsches Bild von „der Linken“ zeichnet – und wie mediale Kulturkampf-Narrative entstehen.

Hallo NOZ (NZZ),

hier mein Leserbrief zum NZZ-Artikel, NOZ vom 27.11.2025, Seite 3.

Mit Verwunderung habe ich den aus der NZZ übernommenen Artikel „Ist es schon rechts, Kinder zu bekommen?“ gelesen. Was als Analyse verkauft wird, ist in Wahrheit ein Beispiel dafür, wie durch selektive Anekdoten aus dem extrem polarisierten US-Diskurs ein angeblich bedrohlicher „linker Mainstream“ konstruiert wird, und zwar ohne jeden Bezug zur politischen Realität in Deutschland.

Der Text verwendet eine Reihe rhetorischer Tricks: Einzelne überzogene Aktionen radikaler Aktivisten, Social-Media-Empörung oder die Positionen einzelner US-Autorinnen werden auf „die Linke“ insgesamt übertragen. Gleichzeitig werden rechte Influencer, Tradwives und pronatalistische Ideologen verharmlost oder sogar als positive Gegenstimmen inszeniert. So entsteht künstlich der Eindruck, als seien „Linke“ generell feindlich gegenüber Familie, Liebe und Kindern eingestellt.

Das ist ein Strohmann. Feministische Debatten in Deutschland drehen sich nicht um die Diffamierung von Kinderwunsch, sondern um gerechte Rahmenbedingungen: bessere Vereinbarkeit, faire Aufteilung von Care-Arbeit, Zugang zu Betreuung und reproduktiven Rechten. Diese berechtigte Kritik ersetzt der Artikel durch eine Karikatur eines angeblich „lebensfeindlichen“ linken Weltbildes.

Problematisch ist auch, dass die NOZ solche kulturkämpferischen Überhöhungen unkommentiert übernimmt. Meinungsbeiträge aus der NZZ sind häufig geprägt von einer rechtskulturellen Zuspitzung des amerikanischen Diskurses, nicht von einer nüchternen Analyse hiesiger gesellschaftlicher Verhältnisse. Wenn solche Narrative ohne Einordnung übernommen werden, trägt das eher zur Polarisierung bei, als dass es zur Aufklärung beiträgt.

Ich wünsche mir von der NOZ mehr redaktionelle Distanz und mehr journalistische Sorgfalt, wenn es darum geht, importierte Kulturkampf-Frames als deutsches Phänomen darzustellen. Gerade in Zeiten politischer Zuspitzung sollte eine regionale Zeitung sensibel damit umgehen, wie gesellschaftliche Gruppen dargestellt werden, und nicht zur künstlichen Spaltung beitragen.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief/-frage zum Artikel „Wie politisch darf ein Bundespräsident sein?Nach Eklat um Steinmeiers Rede zum Gedenken am 9. November: AfD wirft ihm Amtsmissbrauch vor – zurecht?“ von Lucas Wiegelmann, NOZ vom 26.11.2025, Seite 3

Warum widersprechen sich Überschrift und Inhalt? Ein Leserbrief an NOZ-Autor Wiegelmann über irritierende Headlines und die Rolle journalistischer Klicklogik.

Sehr geehrter Herr Wiegelmann,sehr geehrte Redaktion,

mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen, in dem Sie die Aussagen des Bundespräsidenten zur AfD differenziert einordnen und juristisch wie historisch einordnen. Der Text selbst wirkt ausgewogen, reflektiert und frei von Übertreibung.

Umso mehr irritiert mich jedoch die Überschrift. Sie stellt eine zugespitzte Frage in den Raum, die beim ersten Eindruck den Eindruck einer Kontroverse oder Grenzüberschreitung erzeugt, die Sie im Artikel selbst anschließend relativieren oder sogar verneinen. Die Headline und der Inhalt kommunizieren damit zwei unterschiedliche Botschaften.

Meine Frage an Sie lautet daher:Warum wählen Sie eine Überschrift, die eine völlig andere, und deutlich dramatischere, Intention suggeriert als Ihr eigentlicher Text?

Ist dies eine redaktionelle Entscheidung, die der Logik digitaler Aufmerksamkeit geschuldet ist? Oder möchten Sie bewusst Spannung erzeugen, die der Artikel anschließend auflöst? Für mich als Leser wirkt diese Diskrepanz irritierend und wirft die Frage auf, wie stark Headlines in der NOZ inzwischen der Klicklogik folgen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie diese Praxis kurz einordnen könnten. Gerade in politisch aufgeheizten Zeiten halte ich es für wichtig, dass Überschriften nicht mehr Verwirrung stiften als notwendig.

Mit freundlichen Grüßen

Gegenmeinung zum Leserbrief von Gerhard Küppers „Putin ist nicht allein verantwortlich“, NOZ vom 24.11.2025, Seite 2

Warum der Leserbrief von G. Küppers zentrale Propagandamythen wiederholt und wie eine faktenbasierte Analyse die Schuldumkehr im Ukraine-Krieg entlarvt.

Hallo NOZ,

zum Leserbrief von Gerhard Küppers („Putin ist nicht allein verantwortlich“) möchte ich einige notwendige Klarstellungen beitragen.

Herr Küppers präsentiert eine Darstellung, die zentrale Fakten ausblendet und bekannte Narrative der russischen Staatspropaganda nahezu unverändert übernimmt. Die Verantwortung für Putins Angriffskrieg auf die Ukraine dem Westen zuzuschieben, ist geschichtlich wie politisch nicht haltbar.

Die Behauptung, Putin habe sich lange „um Einbindung in ein europäisches Sicherheitssystem bemüht“, widerspricht seiner eigenen Politik. Schon Jahre vor den Ereignissen von 2014 erklärte Putin in Reden in München, Moskau und Sotschi offen, dass er westliche Sicherheitsstrukturen grundsätzlich ablehnt. Russland war Mitglied im NATO-Russland-Rat, Partner der EU und Teil der G8, es war nicht Ausgeschlossenwerden, sondern Putin selbst, der auf Konfrontation setzte.

Die Annexion der Krim und der Überfall auf die Ukraine sind keine „Folge enttäuschter Hoffnungen“, sondern bewusste Machtpolitik. Die Ukraine war 2014 neutral und die NATO hatte seit 1997 massiv abrüstet. Trotzdem hat Russland internationales Recht gebrochen und ein Nachbarland überfallen. Das als „nachvollziehbare Reaktion“ darzustellen, bedeutet eine gefährliche Täter-Opfer-Umkehr.

Die NATO-Erweiterung fand nicht gegen Russland statt, sondern auf ausdrücklichen Wunsch osteuropäischer Staaten, die aus ihrer historischen Erfahrung heraus Schutz vor imperialen Ambitionen Moskaus suchten. Das Selbstbestimmungsrecht dieser Länder zu ignorieren, heißt, ihnen genau diese Souveränität abzusprechen, die Russland der Ukraine heute mit Gewalt nimmt.

Der sogenannte „Friedensplan“ von Präsident Trump fordert von der Ukraine die dauerhafte Abtretung ihrer eigenen Gebiete, die Entwaffnung und politische Neutralisierung. Das wäre kein Frieden, sondern ein Diktat zulasten eines überfallenen Landes. Dass europäische Verbündete dies nicht unterstützen, ist kein Zeichen von „Uneinsichtigkeit“, sondern von Verantwortung.

Die Unterstützung der Ukraine ist keine „Zermürbung“ Russlands, wie Herr Küppers schreibt, sondern die notwendige Hilfe an ein Land, das sein Existenzrecht verteidigt. Der einzige Grund, warum die Ukraine Waffen benötigt, ist, dass Russland sie angreift.

Europa steht nicht vor der Frage, ob es Russland „in die Knie zwingen“ will, sondern ob es die Prinzipien verteidigt, auf denen unser Frieden beruht: territoriale Integrität und das Recht souveräner Staaten, ihre Zukunft selbst zu bestimmen.

Wer diese Grundsätze relativiert, stärkt nicht den Frieden, sondern die Logik des Stärkeren.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom Freitag, 21.11.2025, Seite 2, „Zum Weglaufen? Das Stadtbild von Belém – Wie sieht der brasilianische Ort aus, den Bundeskanzler Merz ganz schnell wieder verlassen wollte?“ von Tobias Käufer

Die NOZ-Berichterstattung zu Merz abwertender Bemerkung über Belém blendet die politischen Gründe für die bewusste Wahl des COP-Austragungsortes weitgehend aus und erzeugt damit ein verzerrtes Bild. Im folgenden Leserbrief erläutere ich, warum Belém gerade wegen seiner ökologischen und sozialen Bedeutung ausgewählt wurde, und weshalb Merz Kommentar dadurch nicht relativiert werden kann.

Hallo NOZ, hallo Herr Käufer,

in Ihrem Bericht über die Reaktionen auf die abwertende Äußerung von Bundeskanzler Merz zu Belém in der NOZ vom Freitag, 21.11.2025, entsteht der Eindruck, als sei der Austragungsort der COP30 eine fragwürdige Wahl gewesen. Fast so, als könnte die Stadt selbst die irritierende Bemerkung des Kanzlers nachträglich rechtfertigen. Dieses Framing ist problematisch.

Belém wurde nicht zufällig oder leichtfertig ausgewählt. Die brasilianische Regierung hat sich bewusst dafür entschieden, die Weltklimakonferenz erstmals in das Kerngebiet des Amazonas zu holen, dorthin, wo die Folgen der Entwaldung, der Klimakrise und sozialer Ungleichheit besonders sichtbar werden. Genau diese Sichtbarkeit war politisch gewollt: Die Welt sollte nicht in einem abgeschirmten Konferenzzentrum debattieren, sondern dort, wo die ökologische und soziale Realität des globalen Südens unmittelbar spürbar ist.

Dass Belém infrastrukturelle und soziale Herausforderungen hat, ist kein „Fehler“, es ist Teil der Realität, auf die aufmerksam gemacht werden soll. Die Wahl des Ortes ist deshalb ein starkes symbolisches Zeichen und ein notwendiger Impuls, um internationale Unterstützung für die Region zu mobilisieren.

Die Berichterstattung der NOZ unterschlägt diesen Kontext weitgehend und verengt die Perspektive auf den Zustand der Stadt. Damit erscheint Merz respektlose Bemerkung im Nachhinein fast nachvollziehbar. Die eigentliche Frage sollte jedoch sein, warum ein deutscher Bundeskanzler eine Gastgeberstadt herabwürdigt, statt die politische Bedeutung dieses Ortes anzuerkennen, und warum dies in der Berichterstattung nicht klarer eingeordnet wird.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu den jüngsten Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz über die brasilianische Stadt Belém, NOZ vom Donnerstag, 20.11.2025, Seite 4

Bundeskanzler Merz sorgte mit seiner Aussage über die brasilianische Stadt Belém bei der COP30 für Empörung. Der Leserbrief kritisiert die Bemerkung als außenpolitisch taktlos, respektlos gegenüber der Gastgeberstadt und symptomatisch für wiederkehrende Fehltritte in Südamerika. Auch der Kommentar „Steilvorlage für Brasilien“ unterstreicht, dass solche Äußerungen politische Risiken bergen und die diplomatische Wirkung deutscher Vertreter beeinträchtigen.

Hallo NOZ,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zu den jüngsten Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz über die brasilianische Stadt Belém, NOZ vom Donnerstag, 20.11.2025, Seite 4.

Die jüngsten Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz über die brasilianische Stadt Belém zeigen einmal mehr, wie schnell Unbedachtheit in der Außenpolitik Schaden anrichten kann. Während Merz betonte, Deutschland sei „eines der schönsten Länder der Welt“, verfehlte er die Gelegenheit, Respekt für die Gastgeberstadt der COP30 zu zeigen, einer Stadt, die nicht nur wegen ihrer Lage am Amazonas, sondern auch wegen der sozialen Herausforderungen und des Engagements vor Ort weltweite Aufmerksamkeit verdient.

Die Empörung in Brasilien war nicht übertrieben: Der Bürgermeister von Belém sprach von „unglücklich, arrogant und voreingenommen“, Präsident Lula verwies auf die kulturellen und kulinarischen Qualitäten der Stadt. Selbst Regierungssprecher und Kanzler betonten nachträglich, dass die Bemerkung sich nicht gegen Brasilien richten sollte, die Wirkung war dennoch verheerend.

Es zeigt sich ein Muster: Merz äußert sich über Südamerika ohne ausreichende Kenntnis der lokalen Verhältnisse und liefert damit unnötige Steilvorlagen für Kritik. Außenpolitische Sensibilität, Respekt vor Gastgebern und ein Bewusstsein für die internationale Wirkung eigener Worte sind elementar, gerade bei Klimakonferenzen, die globale Kooperation erfordern. Wer Verantwortung trägt, sollte sich dessen bewusst sein.

Ein Kanzler, der in wenigen Sätzen internationales Ansehen aufs Spiel setzt, darf nicht auf Erklärungen zurückgreifen, sondern muss souverän und respektvoll agieren. Deutschland sollte stolz auf seine Diplomatie sein, nicht auf den Vergleich mit anderen Ländern.

Mit freundlichen Grüßen

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