Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Kategorie: Zeitgeschehen (Seite 4 von 21)

Leserbrief zu „Trump schmäht Europa als ‚schwach‘ – Drei Gründe, es sportlich zu nehmen“ von Lucas Wiegelmann, NOZ vom Donnerstag, 11.12.2025, Seite 1

Kritischer Leserbrief zum Wiegelmann-Kommentar über Trumps Europa-Aussagen: Warum seine Rhetorik nicht verharmlost werden darf.

Hallo NOZ, hallo Herr Wiegelmann,

der Kommentar von Herrn Wiegelmann versucht, überzogene Empörung zu dämpfen, verharmlost dabei aber die politische Realität. Denn Donald Trumps jüngste Aussagen über Europa und die Ukraine sind nicht bloße Sticheleien, die man unter Freunden sportlich nehmen könnte, sondern Teil einer langen Linie von Drohungen, Desinformation und offenen Angriffen auf die transatlantische Sicherheitsarchitektur.

Zwar benennt der Kommentar einige Falschbehauptungen Trumps, zieht daraus aber einen erstaunlichen Schluss: Weil Trump oft Unrecht hat, solle man seine Worte nicht zu ernst nehmen. In Wahrheit ist das Gegenteil richtig. Wenn ein möglicher nächster US-Präsident systematisch mit Unwahrheiten arbeitet, Bündnispartner herabsetzt und die NATO-Beistandspflicht wiederholt infrage stellt, dann müssen Europa und Deutschland genau hinhören, nicht abwinken.

Auch der Hinweis, Europa habe tatsächlich Probleme wie irreguläre Migration, rechtfertigt nicht Trumps pauschale Herabsetzung ganzer Staaten als „schwach“ oder „im Niedergang“. Sachliche Kritik ist das eine, populistische Entwertung und Destabilisierung etwas ganz anderes. Diese Unterscheidung verwischt der Kommentar.

Ebenso hinkt der Vergleich mit früheren Misstönen in transatlantischen Beziehungen. Weder Rumsfelds „altes Europa“ noch Kissingers Bonmot stellten die grundlegende Bündnistreue infrage. Trumps Äußerungen tun das, und zwar konsequent.

Was Europa derzeit braucht, ist keine gelassene Relativierung, sondern eine nüchterne, realistische Einschätzung der sicherheitspolitischen Lage. Dazu gehört auch, Trumps Worte nicht als folglose Laune abzutun, sondern als das zu betrachten, was sie sind: politische Signale mit potenziell gravierenden Folgen.

Vor diesem Hintergrund wirken auch die jüngsten Aussagen von Friedrich Merz bemerkenswert, der Trump nahelegt, notfalls Deutschland als bevorzugten Partner zu wählen, falls er mit Europa „nichts anfangen“ könne. Diese Haltung schwächt nicht nur den europäischen Zusammenhalt, sondern sendet genau das falsche Signal in einer Phase, in der Europa Geschlossenheit demonstrieren müsste.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Artikel „Infantino und Trump trüben die Vorfreude [auf die FIFA Fussball WM 2026]“ von Alexander Barklage in der NOZ vom 08.12.2025, Seite 21

Leserbrief über Infantinos fragwürdige Trump-Show bei der WM-Auslosung. Wie die FIFA den Fußball beschädigt und Fans wie Spieler frustriert.

Hallo NOZ, hallo Herr Barklage,

hier mein Leserbrief zum Artikel „Infantino und Trump trüben die Vorfreude“ von Alexander Barklage in der NOZ vom 08.12.2025 auf der Seite 21.

Die jüngste Auslosung zur Fußball-WM 2026 hat eines gezeigt: Die FIFA ist weiter denn je davon entfernt, ein unpolitischer, sportlicher Weltverband zu sein. Was Gianni Infantino dort veranstaltet hat, war nicht nur geschmacklos, sondern schlicht eine abstoßende Shitshow. Einen eigens erfundenen „Friedenspreis“ ausgerechnet an Donald Trump zu überreichen, und das auch noch in einer live übertragenen WM-Show, ist eine politische Anbiederung, die selbst für FIFA-Verhältnisse ein neuer Tiefpunkt ist.

Es wirkt wie eine Farce: Eine Organisation, die sich seit Jahrzehnten als unpolitisch bezeichnet, nutzt ihre größte Bühne für einen PR-Auftritt eines US-Präsidenten, der selbst im eigenen Land extrem polarisiert. Dieses Verhalten ist nicht nur peinlich, es beschädigt den Sport und all jene, die ihn lieben.

Ich frage mich zunehmend, wie Fußballer dieses System noch mittragen können. Wie kann man für einen Verband auf den Rasen gehen, der sich derart schamlos politischen Machtspielen hingibt? Wie soll man an eine WM glauben, wenn schon die Auslosung aussieht wie eine Reality-Show für das Ego zweier Männer?

Die FIFA zerstört mit solchen Auftritten das, was die WM eigentlich ausmacht: die Freude am Sport, die Fairness, das Miteinander. Es wäre höchste Zeit, dass sich die Fußballwelt dagegen ausspricht, deutlich, hörbar und ohne Angst vor Konsequenzen. Denn solange niemand widerspricht, wird die FIFA genauso weitermachen.

Mit freundlichen Grüßen

NOZblog

Leserbrief zum Kommentar „Studie zur Jobsuche im Bürgergeld – Zeit, die Scheindebatte zu beenden“ von Matti Gerstenlauer, NOZ vom 05.12.2025, Seite 1

Kritischer Leserbrief zur Bürgergelddebatte: Warum CDU-Behauptungen nicht mit der Realität übereinstimmen und die Bertelsmann-Studie populistische Mythen widerlegt.

Hallo NOZ, hallo Herr Gerstenlauer,

der Kommentar von Matti Gerstenlauer trifft den Punkt. Seit Monaten wird über das Bürgergeld mehr mit Vorurteilen als mit Fakten diskutiert. Vor allem die CDU hat mit völlig überzogenen Milliardenversprechen und pauschalen Schuldzuweisungen Stimmung gegen Schwache gemacht. Die neue Bertelsmann-Studie zeigt jedoch etwas völlig anderes.

CDU-Behauptungen vs. Realität

„Viele wollen nicht arbeiten.“

Tatsächlich nennen 74 % gesundheitliche Probleme als Hauptgrund.

„Jobcenter vermitteln – die Leute lehnen ab.“

43 % der Befragten haben noch nie ein Stellenangebot erhalten, 40 % keine Weiterbildung.

„Arbeiten lohnt sich nicht.“

Falsch. Selbst Mindestlohn bringt klar mehr ein als Bürgergeld.

„Härtere Regeln sparen Milliarden.“

Dafür gibt es keine belastbare Grundlage, im Gegenteil.

Die Debatte ist immer noch oft populistisch und wird auf dem Rücken der Schwächsten geführt. Wer ernsthaft Lösungen will, muss die Realität zur Kenntnis nehmen, nicht Scheinargumente und Nebelkerzen verbreiten. Der Kommentar hat völlig recht: Es ist höchste Zeit, diese Scheindebatte zu beenden.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Artikel „Ich komme klar“ 1300 Euro im Monat: Wie eine 77-Jährige trotz knapper Rente ihr Leben meistert, NOZ 28.11.2025, Seite 24

Kritik am NOZ-Artikel über Rentnerin: Warum 1.300 € Rente nicht reichen und fast jeder fünfte Seniorin in Deutschland von Altersarmut betroffen ist.

Hallo NOZ, hallo Frau Reußner,

Ihr Artikel auf der Seite 24 in der NOZ vom 28.11.2025 über die Rentnerin „Jutta Meyer“ liest sich freundlich, aber er zeigt nur einen sehr besonderen Einzelfall. Frau Meyer hat ein eigenes Haus, Unterstützung in der Familie und etwas sparen können. Viele ältere Menschen haben diese Vorteile nicht.

Gerade jetzt ist das wichtig: Laut aktuellen Zahlen lebt inzwischen fast jeder fünfte Rentnerin in Deutschland in Altersarmut. Bei Frauen über 65 ist die Quote noch höher. Das sind Millionen Menschen, die mit ihrer Rente kaum auskommen.

Ohne diese Informationen entsteht leicht der Eindruck, 1.300 Euro könnten „reichen“, wenn man nur sparsam ist. Für viele ältere Menschen stimmt das aber nicht, vor allem, wenn sie Miete zahlen müssen oder keine Rücklagen haben.

Ich würde mir wünschen, dass die NOZ dieses Thema nicht nur über Einzelschicksale erzählt, sondern auch mit Zahlen und Hintergründen zeigt, wie ernst die Lage für viele wirklich ist.

Mit freundlichen Grüßen

Lieber Herr Reichl,

herzlichen Dank für Ihre Rückmeldung. Ich kann Ihre Kritik nachvollziehen, ich habe über den Punkt auch nachgedacht. Ihre Anregung, über die Rentenproblematik noch intensiver und tiefergehender zu berichten, nehme ich gern mit. Zu dem Stück selbst: Derartige Texte über Einzelschicksale haben grundsätzlich den Vorteil, dass sie dem Leser ein Thema auf persönlicher Ebene näherbringen – und den Nachteil, dass sie natürlich immer nur ein individuelles Schicksal aufgreifen. Bei Frau Meyer hatte ich durchaus das Gefühl, dass sich viele unserer Leserinnen und Leser mit ihr identifizieren könnten – sie steht für mich schon beispielhaft für diese Frauen-Generation. Den Eindruck, 1300 Euro grundsätzlich reichen, erweckt der Text meiner Meinung nach nicht – sie sagt ja selbst, dass es schwierig wäre, müsste sie Miete zahlen. Aber, wie gesagt, ich kann Ihre Lesart auch nachvollziehen. 

Herzliche Grüße

Friederike Reußner

Liebe Frau Reußner,

vielen Dank für Ihre Rückmeldung und die offene Haltung gegenüber meiner Kritik.

Ich stimme Ihnen zu, Einzelschicksale können Themen nahbar machen. Mein Punkt ist jedoch ein anderer. Ohne eine Einordnung entsteht leicht ein Bild, das nicht für die Mehrheit der Betroffenen steht. Genau hier sehe ich das Problem.

Gerade Frau Meyer ist aus meiner Sicht nicht beispielhaft für ihre Generation, jedenfalls nicht für jene große Gruppe, die heute Gefahr läuft, in Altersarmut zu geraten. Eigentum, familiäre Hilfe und Rücklagen sind entscheidende Faktoren, die viele Frauen dieser Jahrgänge nicht haben. Die aktuellen Zahlen zeigen ja, wie ernst die Lage ist. Jede fünfte Rentnerin über 65 ist inzwischen armutsgefährdet.

Wenn im Artikel diese strukturellen Unterschiede nicht erklärt werden, wirkt die Geschichte zwangsläufig beruhigender, als die Realität für viele tatsächlich ist.

Gerade deshalb würde ich mich freuen, wenn die NOZ das Thema in einem eigenen Beitrag noch einmal größer aufgreift, mit Daten, Hintergründen und den Perspektiven der Menschen, die ohne Eigentum und Rücklagen auskommen müssen. Das wäre ein wichtiger Beitrag zur öffentlichen Debatte.

Mit freundlichen Grüßen

Timm Reichl 

Leserbrief zum Interview „Wir führen die Rentendebatte, als ginge es um Almosen“ – Ex-Wirtschaftsweiser Peter Bofinger über den Boomer-Soli-Streit, NOZ vom 28.11.2025, Seite 7

Boomer-Soli? Rente ohne Demografie-Mythos: Warum Verteilung entscheidend ist und wie faire Löhne und Beiträge die Altersvorsorge sichern.

Hallo NOZ,

hier mein Leserbrief zum Interview mit Peter Bofinger zum Thema Rente und Boomer.

Im Interview mit Peter Bofinger entsteht der Eindruck, unser Rentensystem sei vor allem wegen der vielen Babyboomer in Schwierigkeiten. Das klingt logisch, greift aber zu kurz. Neue Analysen zeigen: Nicht die Demografie ist das Hauptproblem, sondern die Ungleichheit, die in den letzten Jahrzehnten gewachsen ist.

Wichtig ist nämlich nicht nur, wie viele ältere Menschen es gibt. Entscheidend ist, wie viele Menschen insgesamt versorgt werden müssen, Kinder und Ältere. Dieser Gesamtwert hat sich über lange Zeit kaum verändert. Wir hatten früher mehr Kinder, heute mehr Rentner. Die Belastung bleibt ähnlich. Von einer „dramatischen Überalterung“ zu sprechen, führt daher in die Irre.

Die wirklichen Gründe für die Schwächen im Rentensystem liegen woanders: Löhne, die viel zu langsam steigen, immer mehr unsichere Jobs und politische Entscheidungen, die Renten bewusst kleiner gemacht haben. Wenn die Löhne nicht mit der Produktivität Schritt halten, fehlen später automatisch Beiträge und Rentenpunkte. Das ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis von Politik.

Statt die Generationen gegeneinander auszuspielen, sollten wir darüber sprechen, wie wir die Einkommen gerechter verteilen können: höhere Löhne, eine stärkere Einbeziehung aller Berufsgruppen in die Rentenversicherung und ein Steuersystem, das Vermögende stärker beteiligt. Nur so lässt sich das Rentensystem wirklich stabilisieren, und zwar ohne Angst vor einem angeblichen Demografie-Schreckgespenst.

Mit freundlichen Grüßen 

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