Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Kategorie: Zeitgeschehen (Seite 6 von 20)

Leserbrief zur NOZ vom Samstag, 08.11.2025, zum Artikel über das Deutschlandticket auf der Seite 2

Der Leserbrief kritisiert, dass Union und SPD ihr eigenes Versprechen zur Preisstabilität des Deutschlandtickets brechen. Statt bis 2028 bezahlbar zu bleiben, steige der Preis bereits jetzt deutlich und künftig automatisch weiter. Der Verfasser sieht darin ein Muster gebrochener Entlastungszusagen, das Vertrauen zerstört.

Sehr geehrte Redaktion,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Samstag, 08.11.2025, zum Artikel zum Deutschlandticket auf der Seite 2.

Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD steht schwarz auf weiß:

„Das Deutschlandticket wird über 2025 hinaus fortgesetzt. Dabei wird der Anteil der Nutzerfinanzierung ab 2029 schrittweise und sozialverträglich erhöht.“

Das war für viele Bürgerinnen und Bürger das Versprechen: Das Ticket bleibt bis 2028 bezahlbar. Doch davon ist längst keine Rede mehr. Der Preis ist schon jetzt von 49 auf 58 Euro gestiegen, und ab 2026 soll er auf 63 Euro klettern. Ab 2027 wird er dann automatisch weiter erhöht, je nach Kostenindex.

Damit kassiert die Regierung ihre eigene Zusage vier Jahre zu früh. Aus einem Entlastungsprojekt für den Alltag wird ein schleichendes Belastungsprogramm. Viele Menschen, die auf Bus und Bahn angewiesen sind, fühlen sich zu Recht getäuscht.

Ähnlich wie bei der Stromsteuer zeigt sich ein Muster: Erst wird Entlastung versprochen, dann still und leise zurückgenommen. So verspielt man Vertrauen, gerade bei denjenigen, die ohnehin schon jeden Euro zweimal umdrehen müssen.

Wenn Union und SPD Glaubwürdigkeit zurückgewinnen wollen, müssen sie endlich wieder zu dem stehen, was sie selbst unterschrieben haben.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom Samstag, 01.11.2025, zur Kolumne 360° auf Seite 2 von Ralf Lanwehr, Thema Intoleranz

Der Leserbrief kritisiert die NOZ-Kolumne, die konservative Stimmen als bedrohte Minderheit darstellt, als verzerrt. Er betont, dass legitime Kritik nicht mit Intoleranz verwechselt werden darf und dass klare Grenzen gegenüber antipluralistischen und rechtspopulistischen Tendenzen notwendig sind.

Hallo NOZ Team, hallo Herr Lanwehr,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Samstag, 01.11.2025, zur Kolumne 360° auf Seite 2 von Ralf Lanwehr.In seiner Kolumne beklagt Ralf Lanwehr eine angebliche Intoleranz gegenüber konservativen Stimmen, und übersieht dabei Wesentliches. Kritik an Positionen ist nicht gleich Cancel Culture, und wer öffentliche Macht und Reichweite hat, muss auch Widerspruch aushalten. Ausgerechnet in einer Zeit, in der rechtspopulistische Kräfte europaweit demokratische Spielregeln infrage stellen, stilisiert Lanwehr konservative Positionen zur bedrohten Minderheit. Statt die Brandmauer gegen Rechts zu stärken, verwischt er Unterschiede zwischen legitimer Debatte und gezielter Demokratiesabotage. Ja, wir brauchen Meinungsvielfalt. Aber wir brauchen ebenso klare Haltung gegen antipluralistische Tendenzen. „Gegensätze feiern“ darf nicht heißen, Extremisierung zu verharmlosen und Kritik als Intoleranz umzudeuten.

Mit freundlichen Grüßen 

Ralf Lanwehr <info@ralf-lanwehr.de> schrieb am Sa., 1. Nov. 2025, 09:10:

Moin Herr Reichl,

klar, so kann man das sehen. Ich halte das für falsch oder zumindest für gefährlich.

„Brandmauer“, „Cancel Culture“, „Demokratiesabotage“, „antipluralistische Tendenzen“.

Puh. So viele scharfe Wörter, die Austausch erschweren. Mir sind das zu viele. 

Viele Grüße 

Ralf Lanwehr 

Hallo Herr Lanwehr,

danke für Ihre spontane Rückmeldung. Mir geht es nicht um Schärfe, sondern um die Frage,

wo legitime Pluralität endet und wo demokratische Grundwerte beginnen, geschützt zu werden.

Die Brandmauer ist kein „scharfes Wort“, sondern ein demokratisches Schutzkonzept.

Ich stimme Ihnen zu, dass Ton und Offenheit wichtig sind, aber aus meiner Sicht müssen wir zugleich benennen dürfen, wenn rechte Verschiebungen stattfinden.

Beides geht zusammen: Streitkultur und klare Grenzen gegen antipluralistische Kräfte.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur NOZ-Doppelseite („Merz hat nur gesagt, was wir alle erleben / Merz hat mit Stadtbild-Aussage recht“ vom 27. Oktober 2025)

Der Leserbrief kritisiert, dass die NOZ Merz’ Stadtbild-Aussage normalisiert und rassistische Zuschreibungen als „Realität“ darstellt, statt soziale Ursachen und politische Verantwortung zu beleuchten.

Hallo NOZ,

ich sende Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ-Doppelseite mit den Artikeln Merz hat nur gesagt, was wir alle erleben / Merz hat mit Stadtbild-Aussage recht vom 27. Oktober 2025.

Die NOZ widmet eine ganze Seite der Verteidigung von Friedrich Merz Stadtbild-Aussage, und leistet damit genau das, was diese Aussage so gefährlich macht: Sie normalisiert sie.

Wenn Wolfgang Kubicki erklärt, Merz habe „nur gesagt, was wir alle erleben“, und ein Berliner Lokalakteur bestätigt, der Kanzler habe „recht, dann wird das Framing komplett übernommen: Rassistische Zuschreibungen werden zur „Alltagserfahrung verklärt.

Das Problem ist nicht, dass jemand auf Missstände hinweist, sondern wie er das tut. Wer Menschen im öffentlichen Raum zum „Problem im Stadtbild“ erklärt, verschiebt den Blick, weg von sozialen Ursachen und politischem Versagen, hin zu Hautfarbe, Herkunft und Kopftuch. Und wer das anschließend als „Realismus“ verkauft, trägt zur Enthemmung bei, die rechtspopulistische Diskurse erst stark macht.

Eine Redaktion, die solche Aussagen unkommentiert nebeneinanderstellt, verstärkt die Botschaft: Merz sagt, was angeblich „alle denken“. Damit wird nicht berichtet, sondern Stimmungen werden verstärkt, zulasten derer, die längst mit Ablehnung und Diskriminierung zu kämpfen haben.

Journalismus sollte Machtkritik üben, nicht Macht begleiten.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zum aus der NZZ übernommenen Interview mit Reiner Holznagel in der NOZ vom 22.10.2025

Der Leserbrief kritisiert, dass die NOZ das Interview mit Reiner Holznagel unkritisch wiedergibt und wirtschaftsliberale Lobbypositionen als neutrale Meinung darstellt, ohne Gegenstimmen zu berücksichtigen.

Hallo NOZ Team,  moin Redaktion, 

hier mein Leserbrief zum aus der NZZ übernommenen Interview mit Reiner Holznagel in der NOZ vom 22.10.2025.

Das ganzseitige Interview mit Reiner Holznagel vom Bund der Steuerzahler zeigt, wie unkritisch die NOZ wirtschaftsliberale Lobbypositionen wiedergibt. Der Steuerzahlerbund gibt sich als neutrale Bürgervertretung, ist aber ein Verband, der vor allem die Interessen von Unternehmen und Besserverdienenden vertritt.

Bereits Anja Reschke zeigte in ihrer ARD-Sendung, wie eng der Verband mit FDP-nahen Netzwerken verflochten ist. Er kritisiert staatliche Ausgaben, aber kaum Steuerprivilegien für Konzerne. So entsteht das Bild eines verschwenderischen Staates, ein Narrativ, das populistische Stimmungen befeuert.

Gerade jetzt brauchen wir öffentliche Investitionen in Bildung, Pflege und Klimaschutz statt pauschaler Sparparolen. Wenn die NOZ NZZ-Artikel übernimmt und solchen Stimmen breiten Raum gibt, sollte sie wenigstens kritische Gegenpositionen bieten.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zum NOZ-Artikel Merz sagt AfD den Kampf an (21. Oktober 2025, Titelseite)

Der Leserbrief kritisiert, dass Merz’ Aussagen zum „Problem im Stadtbild“ rechte Ängste bedienen, statt die AfD klar abzugrenzen, und dass legitime Kritik dadurch unter Generalverdacht gestellt wird.

Hallo NOZ Team, 

ich sende Ihnen meinen Leserbrief zum NOZ-Artikel Merz sagt AfD den Kampf an (21. Oktober 2025, Titelseite). 

Friedrich Merz erklärt, er wolle sich von der AfD nicht zerstören lassen. Doch wer seine jüngsten Äußerungen hört, könnte den Eindruck gewinnen, er wolle ihr lieber die Themen abnehmen, indem er sie übernimmt.

Wenn Merz von einem Problem im Stadtbild spricht und sagt, wer seine Töchter fragt, wisse, was er meine, dann bedient er genau jene diffusen Ängste, mit denen die AfD seit Jahren Stimmung macht, ohne die Probleme konkret zu benennen oder mit Fakten zu belegen. Das ist keine entschlossene Abgrenzung, sondern ein gefährliches Spiel mit rechten Narrativen.

Besonders irritierend ist seine Reaktion auf die Proteste gegen diese Aussagen. Wer demonstriert, so Merz, müsse sich fragen lassen, „ob er ein Interesse daran hat, ein Problem zu lösen oder einen Keil in die Gesellschaft zu treiben“. Damit stellt der Kanzler legitime Kritik und demokratische Meinungsäußerung unter Generalverdacht. Eine solche Haltung passt nicht zu einem Regierungschef einer demokratischen Volkspartei.

Wer der AfD wirklich entgegentreten will, sollte nicht deren Rhetorik kopieren, sondern ihr Weltbild klar widersprechen, mit Aufklärung, sozialer Gerechtigkeit und glaubwürdiger Integrationspolitik. Sonst verliert die CDU nicht nur Wähler, sondern auch ihre politische Mitte.

Mit freundlichen Grüßen 

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