Eigene Erfahrung ersetzt keine Zahlen. Ein Leserbrief zerlegt den Mythos vom teuren Stromfahren und benennt die wahren Hürden der E-Mobilität.
Hallo NOZ, hallo Herr Schmidt,
Tobias Schmidt schreibt in seinem Kommentar, „solange das Tanken von Strom auf den Kilometer gerechnet teurer ist als Sprit“, werde es Skepsis gegenüber der Elektromobilität geben. Das Problem: Diese Aussage ist schlicht falsch.
Ein durchschnittliches E-Auto verbraucht 15 bis 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Selbst bei heute üblichen Strompreisen ergeben sich Kosten von etwa 5 bis 8 Euro, beim Laden zu Hause oft deutlich weniger. Ein Benziner mit realistischem Verbrauch liegt dagegen bei 10 bis 13 Euro pro 100 Kilometer. Strom ist also nicht teurer, sondern in der Regel günstiger.
Wer ausschließlich das teuerste Schnellladen mit idealisierten Spritverbräuchen vergleicht, konstruiert ein Zerrbild, aber keine Realität. Genau solche verkürzten Darstellungen tragen dazu bei, Mythen über E-Autos zu verfestigen, statt die Debatte zu versachlichen.
Ähnlich pauschal ist die Behauptung, E-Autos seien „nach wie vor deutlich teurer“. Listenpreise allein sagen wenig aus. Rabatte, Leasingangebote, geringere Wartungskosten und Steuerbefreiung führen längst dazu, dass viele E-Autos über die Nutzungsdauer günstiger sind als vergleichbare Verbrenner.
Man kann über Kaufprämien, Industriepolitik und Förderlogik trefflich streiten. Aber eine Debatte auf Basis objektiv falscher Kostenvergleiche hilft weder der Verkehrswende noch der Glaubwürdigkeit des Journalismus.
Mit freundlichen Grüßen
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