Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Schlagwort: Expertentalk

Leserbrief zum Expertentalk von Clasen zu Ausländerkriminalität und dem Artikel dazu in der NOZ vom Montag, 22.09.2025

Leserbrief kritisiert NOZ-Expertentalk zu Ausländerkriminalität: Fehlender Kontext zu Tatverdächtigen, Deliktarten und sozialen Ursachen verzerrt das Bild und schürt Ängste.

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Clasen,

hier mein Leserbrief zum Expertentalk und dem Artikel dazu in der NOZ vom Montag, 22.09.2025.

Der NOZ-Expertentalk zu Ausländerkriminalität wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet. Herr Urbaniok und Herr Wendt sprechen von All-Time-Highs bei Gewalt- und Sexualdelikten sowie von einer Überrepräsentation bestimmter Herkunftsgruppen. Doch der entscheidende Kontext fehlt:

Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst Tatverdächtige, nicht Täter, viele Verfahren enden ohne Verurteilung.

Die Kategorie „nichtdeutsch“ schließt auch Touristen, Durchreisende oder Menschen ohne festen Wohnsitz ein.

Der starke Fokus auf einzelne Deliktarten (z. B. Gruppenvergewaltigungen) verstärkt den Eindruck, Migranten seien generell krimineller, obwohl in vielen Bereichen (z. B. Betrug, Eigentumsdelikte) kaum Unterschiede bestehen.

Wenn in der Diskussion Ursachen fast ausschließlich auf „Kultur“ reduziert werden, wird differenzierte Sozialforschung ignoriert: Armut, Perspektivlosigkeit und Altersstruktur sind ebenso entscheidende Faktoren. Wer diesen Kontext unterschlägt, trägt nicht zu Aufklärung bei, sondern schürt Ängste.

Eine sachliche Debatte braucht nüchterne Fakten statt Dramatisierung. Gerade eine Regionalzeitung wie die NOZ sollte diesen Unterschied klar machen, sonst profitieren tatsächlich die politischen Ränder. Oder ist das gewollt?

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur NOZ vom Montag, 15.09.2025, Seite 2, Expertentalk Migration

Leserbrief zur NOZ: Der Bericht zum „Expertentalk“ zur Migration verzerrt das Bild von Geflüchteten und ignoriert wichtige Fakten. Statt Pauschalurteile zu wiederholen, sollte der Journalismus die tatsächlichen Herausforderungen wie Bürokratie und Integration beleuchten.

Sehr geehrte Redaktion,

Ihr Bericht über den „Expertentalk“ zur Migration ist leider alles andere als ausgewogen. Statt einer kritischen Analyse wurden fast ausschließlich die bekannten Zuspitzungen von Boris Palmer und Bernd Raffelhüschen wiedergegeben, beide seit Jahren für migrationsskeptische bis polemische Thesen bekannt.

So wird etwa das Bild gezeichnet, Geflüchtete seien überwiegend ein „Zuschussgeschäft“, faul oder gar kriminell. Dabei verschweigen die zitierten Stimmen, dass Erwerbsquoten von Syrern und Ukrainern stetig steigen, dass Integration Zeit braucht, und dass Fachkräftezuwanderung längst eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft ist. Auch Palmers Bürgergeld-Beispiel mit 4000 Euro für eine Familie wirkt plakativ, aber realitätsfern: Die durchschnittlichen Leistungen liegen deutlich niedriger.

Besonders problematisch ist die unkritische Übernahme von Kriminalitätsstatistiken, die pauschal ganze Nationalitäten stigmatisieren, ohne die bekannten Zusammenhänge (Alter, Geschlecht, sozioökonomische Lage) zu berücksichtigen. So wird Stimmung gemacht, nicht Aufklärung betrieben.

Es wäre Aufgabe des Journalismus, solchen Schlagworten Fakten gegenüberzustellen, statt sie ungebremst zu verstärken. Wer Integration als „nicht mehr zumutbar“ darstellt, lenkt von den eigentlichen Problemen ab: überbordender Bürokratie, schleppender Anerkennung von Abschlüssen und einem überhitzten Wohnungsmarkt.

Mit freundlichen Grüßen