Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Autor: Timm Reichl (Seite 16 von 53)

Leserbrief zur Meinung von Thomas Ludwig „Friedensplan belohnt den Aggressor“ zum Diktatfrieden von Trump und Putin, NOZ vom 22.11.2025, Seite 3

Hallo NOZ, hallo Herr Ludwig,

ich stimme Thomas Ludwig völlig zu: Ein „Friedensplan“, der de facto russische Positionen übernimmt und auf Kosten der Ukraine geht, ist kein Frieden, sondern eine Kapitulation vor dem Aggressor. Weder Donald Trump noch Wladimir Putin ist auch nur ein Millimeter zu trauen, beide handeln ausschließlich nach geopolitischem Eigeninteresse, nicht im Sinne europäischer Sicherheit.

Gerade für Deutschland ist das gefährlich. Wenn der Westen sich auf einen Deal einlässt, der Russlands Landraub nachträglich legitimiert, öffnet das die Tür für weitere Erpressung und militärische Drohungen. Frieden ohne Sicherheitsgarantien wäre für Europa ein hohes Risiko.

Hinzu kommt, dass Medien bereits darüber berichtet haben, dass eine Passage in Trumps Plan nahezu wortgleich aus einem russischen Text übernommen wurde, was zumindest den Eindruck erweckt, dass der Kreml hier mehr Einfluss hatte, als Trump öffentlich zugibt. Wer so einseitige Formulierungen ungeprüft übernimmt, kann kein neutraler Vermittler sein.

Ludwig hat deshalb recht: Dieser Plan belohnt den Aggressor und gefährdet die Stabilität Europas. Ein Frieden, der von Moskau diktiert wird, ist keiner.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Interview „Man muss solche Kompromisse dann auch umsetzen“ mit Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder zum Rentenstreit und Verbrenner-Aus, NOZ vom 22.11.2025, Seite 3

Kritischer Leserbrief zur Verkehrspolitik: Warum Schnieders Plädoyer für den Verbrennungsmotor an Fakten, Markttrends und Klimarealität vorbeigeht

Hallo NOZ, hallo Frau Lehmann, hallo Herr Schmidt,hier mein Leserbrief zum Interview mit Schnieder.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder behauptet im Interview, der Verbrennungsmotor werde „eine Zukunft haben“ und die Autoindustrie brauche mehr Zeit für die Transformation. Diese Sicht wirkt beruhigend, ignoriert aber die Fakten.

Erstens: Der Markt bewegt sich mit großer Geschwindigkeit Richtung Elektromobilität. In vielen europäischen Ländern liegt der Anteil reiner Elektroautos schon heute bei 20–30 Prozent, und internationale Prognosen sehen Europa und China bis 2030 klar elektrisch dominiert. Die Wende ist also längst im Gang.

Zweitens: Für den europäischen Neuwagenmarkt ist die Zukunft des klassischen Verbrenners praktisch beendet. Die EU hat entschieden, ab 2035 keine neuen Pkw mit CO₂-Ausstoß mehr zuzulassen. Genau darauf richtet sich die Industrie aus. Ständige politische Zweifel, wie sie Schnieder schürt, schaffen keine Sicherheit, sondern bremsen Investitionen.

Drittens: Dass Hersteller die Transformation „bis 2035 nicht schaffen“ würden, ist wenig überzeugend. Die Konzerne investieren längst massiv in Elektroplattformen, Batteriefertigungen und neue Produktionsstrukturen. Was sie am meisten hemmt, ist politische Unklarheit, nicht technische Unfähigkeit.

Viertens: Die Idee, Verbrenner mit synthetischen Kraftstoffen klimaneutral zu retten, bleibt Illusion. E-Fuels sind extrem teuer, ineffizient und nur in kleinen Mengen verfügbar. Für Flugzeuge oder Schiffe mag das sinnvoll sein, für Millionen Pkw nicht.Fünftens: Klimapolitisch ist das Festhalten am Verbrenner ein Risiko. Der Verkehr ist seit Jahren das Sorgenkind der deutschen CO2-Bilanz. Wenn selbst Neuwagen noch lange fossile Emissionen verursachen, sind die Klimaziele schlicht nicht erreichbar.

Schnieders Argumentation ist daher nicht zukunftsorientiert, sondern rückwärtsgewandt. Deutschland muss die Transformation entschlossen gestalten, statt alte Technologien künstlich am Leben zu halten. Die Zukunft des Autos wird elektrisch sein, nicht, weil Politik es diktiert, sondern weil Märkte, Technologie und Klimarealität längst dorthin drängen.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom Freitag, 21.11.2025, Seite 2, „Zum Weglaufen? Das Stadtbild von Belém – Wie sieht der brasilianische Ort aus, den Bundeskanzler Merz ganz schnell wieder verlassen wollte?“ von Tobias Käufer

Die NOZ-Berichterstattung zu Merz abwertender Bemerkung über Belém blendet die politischen Gründe für die bewusste Wahl des COP-Austragungsortes weitgehend aus und erzeugt damit ein verzerrtes Bild. Im folgenden Leserbrief erläutere ich, warum Belém gerade wegen seiner ökologischen und sozialen Bedeutung ausgewählt wurde, und weshalb Merz Kommentar dadurch nicht relativiert werden kann.

Hallo NOZ, hallo Herr Käufer,

in Ihrem Bericht über die Reaktionen auf die abwertende Äußerung von Bundeskanzler Merz zu Belém in der NOZ vom Freitag, 21.11.2025, entsteht der Eindruck, als sei der Austragungsort der COP30 eine fragwürdige Wahl gewesen. Fast so, als könnte die Stadt selbst die irritierende Bemerkung des Kanzlers nachträglich rechtfertigen. Dieses Framing ist problematisch.

Belém wurde nicht zufällig oder leichtfertig ausgewählt. Die brasilianische Regierung hat sich bewusst dafür entschieden, die Weltklimakonferenz erstmals in das Kerngebiet des Amazonas zu holen, dorthin, wo die Folgen der Entwaldung, der Klimakrise und sozialer Ungleichheit besonders sichtbar werden. Genau diese Sichtbarkeit war politisch gewollt: Die Welt sollte nicht in einem abgeschirmten Konferenzzentrum debattieren, sondern dort, wo die ökologische und soziale Realität des globalen Südens unmittelbar spürbar ist.

Dass Belém infrastrukturelle und soziale Herausforderungen hat, ist kein „Fehler“, es ist Teil der Realität, auf die aufmerksam gemacht werden soll. Die Wahl des Ortes ist deshalb ein starkes symbolisches Zeichen und ein notwendiger Impuls, um internationale Unterstützung für die Region zu mobilisieren.

Die Berichterstattung der NOZ unterschlägt diesen Kontext weitgehend und verengt die Perspektive auf den Zustand der Stadt. Damit erscheint Merz respektlose Bemerkung im Nachhinein fast nachvollziehbar. Die eigentliche Frage sollte jedoch sein, warum ein deutscher Bundeskanzler eine Gastgeberstadt herabwürdigt, statt die politische Bedeutung dieses Ortes anzuerkennen, und warum dies in der Berichterstattung nicht klarer eingeordnet wird.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu den jüngsten Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz über die brasilianische Stadt Belém, NOZ vom Donnerstag, 20.11.2025, Seite 4

Bundeskanzler Merz sorgte mit seiner Aussage über die brasilianische Stadt Belém bei der COP30 für Empörung. Der Leserbrief kritisiert die Bemerkung als außenpolitisch taktlos, respektlos gegenüber der Gastgeberstadt und symptomatisch für wiederkehrende Fehltritte in Südamerika. Auch der Kommentar „Steilvorlage für Brasilien“ unterstreicht, dass solche Äußerungen politische Risiken bergen und die diplomatische Wirkung deutscher Vertreter beeinträchtigen.

Hallo NOZ,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zu den jüngsten Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz über die brasilianische Stadt Belém, NOZ vom Donnerstag, 20.11.2025, Seite 4.

Die jüngsten Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz über die brasilianische Stadt Belém zeigen einmal mehr, wie schnell Unbedachtheit in der Außenpolitik Schaden anrichten kann. Während Merz betonte, Deutschland sei „eines der schönsten Länder der Welt“, verfehlte er die Gelegenheit, Respekt für die Gastgeberstadt der COP30 zu zeigen, einer Stadt, die nicht nur wegen ihrer Lage am Amazonas, sondern auch wegen der sozialen Herausforderungen und des Engagements vor Ort weltweite Aufmerksamkeit verdient.

Die Empörung in Brasilien war nicht übertrieben: Der Bürgermeister von Belém sprach von „unglücklich, arrogant und voreingenommen“, Präsident Lula verwies auf die kulturellen und kulinarischen Qualitäten der Stadt. Selbst Regierungssprecher und Kanzler betonten nachträglich, dass die Bemerkung sich nicht gegen Brasilien richten sollte, die Wirkung war dennoch verheerend.

Es zeigt sich ein Muster: Merz äußert sich über Südamerika ohne ausreichende Kenntnis der lokalen Verhältnisse und liefert damit unnötige Steilvorlagen für Kritik. Außenpolitische Sensibilität, Respekt vor Gastgebern und ein Bewusstsein für die internationale Wirkung eigener Worte sind elementar, gerade bei Klimakonferenzen, die globale Kooperation erfordern. Wer Verantwortung trägt, sollte sich dessen bewusst sein.

Ein Kanzler, der in wenigen Sätzen internationales Ansehen aufs Spiel setzt, darf nicht auf Erklärungen zurückgreifen, sondern muss souverän und respektvoll agieren. Deutschland sollte stolz auf seine Diplomatie sein, nicht auf den Vergleich mit anderen Ländern.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 20.11.2025, Meinung Burkhard Ewert zu Hendrik Streeck, „Denken wie Streeck“, Seite 2

Die Aussagen von Hendrik Streeck über teure Behandlungen sehr alter Menschen haben eine kontroverse Debatte ausgelöst. Kritisch ist besonders, dass sein Denken, teure Therapien für Hochbetagte zu hinterfragen, das Leben alter Menschen nach Kosten bewertet. Auch Kommentare wie der von Burkhard Ewert, die Streeck dafür loben, normalisieren diese Sichtweise, obwohl die Menschenwürde unabhängig vom Alter gilt.

Hallo NOZ, hallo Herr Ewert,

ich sende Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 20.11.2025, Meinung Ewert zu Hendrik Streeck, „Denken wie Streeck“.

Die jüngsten Aussagen von Hendrik Streeck zu teuren Behandlungen sehr alter Menschen sind problematisch. Indem manche Kommentare, wie der von Burkhard Ewert, Streecks Position als mutiges Tabu-brechen darstellen und mit persönlichen Anekdoten untermauern, wird ein Denken normalisiert, das das Leben alter Menschen nach Kosten bewertet.

Dabei geht es nicht um medizinische Realität oder individuelle Entscheidung, sondern um eine gefährliche Tendenz: Alte Menschen könnten so implizit als „weniger wertvoll“ oder „ökonomisch belastend“ betrachtet werden. Das widerspricht der grundsätzlichen Menschenwürde und öffnet die Tür zu Altersdiskriminierung.

Natürlich ist es richtig, Übertherapie zu vermeiden und Behandlungen am Nutzen und Willen der Patientinnen und Patienten auszurichten. Aber die Diskussion darf niemals an Alter oder Kosten gekoppelt werden. Alte Menschen sind vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft, mit demselben Recht auf medizinische Versorgung wie alle anderen. Die Menschenwürde endet nicht mit 80, 90 oder 100 Jahren. Gerade journalistische Kommentare sollten diese Grenze klar respektieren, statt sie zu verwischen.

Mit freundlichen Grüßen 

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