Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Kategorie: Philipp Ebert (Seite 1 von 4)

Leserbrief zu „Warum man den Bauern zuhören sollte“ von Philipp Ebert, NOZ vom 12.01.2025, Seite 4

Bauern zuhören? Ja, aber den richtigen. Ein Leserbrief über Macht, Bauernverband und warum kleine Höfe oft die Verlierer der Agrarpolitik sind.

Hallo NOZ, hallo Herr Ebert,

„den Bauern zuhören“, das klingt vernünftig, fast schon unstrittig. Doch genau hier beginnt das Problem des Meinungsbeitrags von Philipp Ebert: Er fordert Zuhören, ohne klar zu benennen, wer eigentlich spricht und wessen Interessen dabei systematisch unter den Tisch fallen.

Wenn der Bauernverband klagt, spricht er nicht für „die Bauern“, sondern vor allem für große, kapitalstarke Betriebe, für Flächenwachstum, Intensivierung und Subventionssicherung. Kleine und mittlere Höfe, die im Artikel zu Recht als Verlierer beschrieben werden, sind im Bauernverband strukturell unterrepräsentiert und oft sogar Leidtragende seiner Politik. Das ist kein Randdetail, sondern der zentrale Konflikt.

Ja, der Lebensmitteleinzelhandel ist hoch konzentriert. Ja, Marktmacht drückt Erzeugerpreise. Aber ebenso wahr ist, dass der Bauernverband seit Jahren genau jene Reformen bekämpft, die kleinen Betrieben helfen könnten. Etwa eine stärkere Umverteilung von EU-Agrarsubventionen, verbindliche Tierwohlstandards mit fairer Finanzierung oder eine Abkehr von der exportgetriebenen Überproduktion.

Stattdessen wird regelmäßig gegen Umweltauflagen, Mindestlohn oder Baurecht mobilisiert, also gegen Regeln, die gesellschaftliche Kosten begrenzen sollen. Wer dabei nur „zuhört“, ohne diese Interessenkonflikte offenzulegen, betreibt Romantisierung statt Aufklärung.

Unsere Kulturlandschaft ist nicht durch Agrarkonzerne bedroht, weil Politik zu streng wäre, sondern weil sie zu lange den Falschen zugehört hat. Wer wirklich Vielfalt, Dorfleben und bäuerliche Landwirtschaft erhalten will, muss Machtverhältnisse benennen und sich vom Bauernverband emanzipieren, statt ihn unhinterfragt als Stimme der Bauern zu behandeln.

Zuhören? Ja.Aber bitte nicht den Lautesten, sondern denjenigen, die sonst verdrängt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „Sinkendes Vertrauen in das Bundesverfassungsgericht – Fähigkeit zum Konsens nimmt ab“ von Philipp Ebert, NOZ vom 30.12.2025, Seite 2

Warum der Ruf nach Vertrauen ins Bundesverfassungsgericht beschwichtigt statt erklärt, und weshalb Kritik demokratisch notwendig ist.

Hallo NOZ, hallo Herr Ebert,

der Meinungsartikel zum angeblich sinkenden Vertrauen in das Bundesverfassungsgericht bleibt bemerkenswert folgenlos. Zwar wird ein Vertrauensrückgang konstatiert, zugleich aber eingeräumt, dass sich die meisten Befragten kaum mit Entscheidungen aus Karlsruhe beschäftigen. Diese Spannung wird nicht aufgeklärt, sondern umgedeutet: Nicht das Gericht, sondern „die Gesellschaft“ soll das Problem sein.

Konkrete Gründe für Skepsis werden auffällig vermieden. Politisch hoch umstrittene Urteile, etwa zu Corona-Maßnahmen, Klimaschutz, Wahlrecht oder Asyl, tauchen nicht auf. Stattdessen wird der Vertrauensverlust pauschal Individualisierung und Digitalisierung zugeschrieben. Das entpolitisiert einen zutiefst politischen Vorgang.

Besonders irritierend ist der normative Unterton: Misstrauen erscheint als Gefahr, Vertrauen als Pflicht. Dabei ist das Bundesverfassungsgericht kein Konsensstifter, sondern ein Machtfaktor, dessen Entscheidungen kritisiert werden müssen dürfen. Demokratie lebt nicht vom Nimbus unangreifbarer Institutionen, sondern von nachvollziehbaren Entscheidungen und öffentlicher Kritik.

Wer Vertrauen einfordert, sollte zuerst erklären, nicht beschwichtigen.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur Meinung „Doku über Robert Habeck – Habeck-Doku ist naiv“ von Philipp Ebert, NOZ vom 06.12.2025, Seite 2

Warum die Empörung über die rechtmäßige Habeck-Doku-Förderung doppelte Standards offenbart und wie unionsnahe Skandale ein ganz anderes Licht auf die Debatte werfen.

Hallo NOZ, hallo Herr Ebert,

Herr Ebert kritisiert die Filmförderung der Habeck-Doku als instinktlos, räumt aber selbst ein, dass sie rechtlich völlig einwandfrei war. Kulturförderung nach klaren Kriterien ist in Deutschland alltägliche Praxis, tausendfach im Jahr. Wer daraus dennoch eine moralische Verfehlung konstruiert, betreibt weniger Medienkritik als politische Symbolpflege.

Bemerkenswert wird diese Empörung vor allem im Vergleich: Als Unionspolitiker wie Jens Spahn mit fragwürdigen Maskengeschäften, Immobilienaffären oder eigenen Parteikollegen mit üppigen Pandemie-Provisionen Schlagzeilen machten, war von Instinktlosigkeit selten die Rede. Dort ging es nicht um reguläre Fördermittel, sondern um echte Bereicherung im politischen Umfeld.

Dass ausgerechnet eine rechtmäßig geförderte Dokumentation skandalisiert wird, während unionsnahe Verfehlungen verharmlost oder verschwiegen werden, zeigt vor allem eines: doppelte Standards.

Zumal die neue, konservativ geführte Regierung inzwischen zentrale energie- und industriepolitische Maßnahmen umsetzt, die Habeck einst forderte, und für die er jahrelang von eben jenem Lager verspottet wurde. Vielleicht erklärt das auch die nicht enden wollende Kritik: Sie soll verdecken, dass ausgerechnet der vielgescholtene Habeck in wesentlichen Fragen richtig lag.

Eine faire Debatte braucht Maßstäbe, die für alle gelten, nicht nur für die politische Gegenseite.

Mit freundlichen Grüßen

Mo., 8. Dez. 2025, 10:32

Guten Tag, Herr Reichl,

ich kann die Grundannahmen Ihres Leserbriefs nicht verstehen: Über die Vorwürfe gegen Jens Spahn haben wir zigfach berichtet. Sie arbeiten hier mit einem Strohmann-Argument, die rhetorische Strategie wiederum ist rabulistisch.

Im Übrigen greift meine Kritik nicht Robert Habeck an (was allerdings auch legitim wäre), sondern die Doku. Habeck hat eine solch schlechte Doku nicht verdient; tatsächlich ist es ja fast tragisch, wie er in dem Film dem Filmemacher erklären muss, dass die Dinge eben komplizierter sind, als dieser es sich denkt. Falls sie den Film noch nicht gesehen haben, empfehle ich ihn. Nicht, weil er gut wäre, sondern als Zeitdokument. Und man kann zugeben, dass der Filmemacher wenn auch naiv und überheblich, so doch sympathisch wirkt.

Viele Grüße

Philipp Ebert

Guten Tag, Herr Ebert,

vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Weder den Vorwurf eines Strohmann-Arguments noch den der Rabulistik kann ich nachvollziehen. Ich habe Ihnen keine Position zugeschrieben, die Sie nicht vertreten, und auch keine spitzfindige Argumentation geführt. Meine Kritik bezog sich allein auf die Unterschiede in der publizistischen Gewichtung. Eine rechtmäßige Filmförderung wird prominent moralisch gerahmt, während andere Vorgänge mit deutlich größerem Konfliktpotenzial deutlich leiser behandelt werden.

Dass die NOZ über die Affären rund um Herrn Spahn berichtet hat, bestreite ich nicht. Die Frage ist jedoch, mit welcher Tonlage und welcher Einordnung. Genau darauf zielte mein Vergleich.

Und gerade deshalb fällt auf, dass die NOZ bislang nicht über die Vorwürfe gegen Ministerin Reiche berichtet hat, deren Ressort Fördermittel an ein Unternehmen bewilligte, an dem ihr Lebensgefährte Karl-Theodor zu Guttenberg beteiligt ist. Ein Vorgang, der zumindest den Anschein eines echten Interessenkonflikts birgt.

Mit freundlichen Grüßen

Timm Reichl

Leserbrief zur NOZ vom Mittwoch, 19.11.2025, Meinung Ebert „Sind Sie auch plötzlich rechts?“ zur Mitte Studie der Friedrich Ebert Stiftung

Mit der Mitte Studie der Friedrich Ebert Stiftung wird deutlich, dass der Begriff rechts in der politischen Diskussion oft missverstanden wird. Es ist essenziell, die Differenzierung der Autoren zu berücksichtigen und die Ergebnisse der Studie sachlich zu analysieren, um die demokratischen Werte zu verteidigen.

Hallo NOZ, hallo Herr Ebert,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Mittwoch, 19.11.2025, Meinung Ebert „Sind Sie auch plötzlich rechts?“ zur Mitte Studie der Friedrich Ebert Stiftung.

Philipp Ebert kritisiert die neue Mitte-Studie, doch sein Text erzeugt den Eindruck, als solle Forschung delegitimiert werden, indem einzelne Fragebeispiele aus dem Kontext herausgelöst werden. Dabei ist die Studie ungewöhnlich transparent: Methodik und vollständiger Fragebogen sind öffentlich einsehbar. Wer ihre Seriosität infrage stellt, muss diese Dokumente auch einbeziehen.

Eberts wichtige Frage nach der politischen Aufladung des Begriffs Mitte verkennt zudem, dass die Autoren differenzieren: Sie unterscheiden klar zwischen extremen Einstellungen und einem Graubereich. Die Studie behauptet gerade nicht, die Bevölkerung sei „plötzlich rechts“. Sie zeigt vielmehr: Die Mehrheit bleibt demokratisch, gleichzeitig normalisieren sich einzelne antidemokratische und menschenfeindliche Aussagen.

Wer diese Befunde für übertrieben hält, sollte wissenschaftlich widersprechen, mit Daten, nicht mit ausgesuchten Beispielen. Denn die Demokratie schützt man nicht, indem man Forschung diskreditiert, sondern indem man ihre Ergebnisse nüchtern prüft.

Leserbrief zur Meinung von Philipp Ebert auf Seite 1 der NOZ vom 18.11.2025 zum Thema „Vorschlag von Ferdinand von Schirach: Soll Merz sieben Jahre Kanzler bleiben? Was Deutschland wirklich helfen könnte“ 

In Reaktion auf den Artikel von Philipp Ebert in der NOZ wird die Frage aufgeworfen, ob Merz sieben Jahre Kanzler bleiben sollte und welche Maßnahmen Deutschland wirklich helfen könnten. Es wird betont, dass eine Modernisierung des politischen Systems notwendig ist, jedoch ohne autoritäre Ansätze, die die demokratische Repräsentation gefährden.

Moin NOZ, moin Herr Ebert,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur Meinung von Philipp Ebert auf Seite 1 der NOZ vom 18.11.2025 zum Thema „Vorschlag von Ferdinand von Schirach: Soll Merz sieben Jahre Kanzler bleiben? Was Deutschland wirklich helfen könnte“.

Im Kommentar von Herrn Ebert entsteht der Eindruck, Deutschland habe „seit 1998 keinen echten Regierungswechsel“ erlebt. Diese Darstellung ist irreführend. Der Wechsel von Schröder zu Merkel 2005 war politisch tiefgreifend, ebenso der Übergang zur Ampel 2021. Auch die Behauptung, die SPD „regiere immer“, ignoriert, dass die CDU sechzehn Jahre lang das Kanzleramt innehatte.

Problematisch ist zudem, das britische Mehrheitswahlrecht als Lösung darzustellen. Dieses System führt regelmäßig zu stark verzerrten Mehrheiten: Parteien mit zweistelligen Ergebnissen erhalten fast keine Sitze, während Regierungen oft ohne gesellschaftliche Mehrheit handeln. Die politischen Turbulenzen in Großbritannien der letzten Jahre zeigen eher Instabilität als Stärke. In Deutschland würde ein solches Modell kleinere Parteien weitgehend ausschalten und könnte im Osten der AfD viele Direktmandate sichern. Das wäre eine deutliche Schwächung der demokratischen Repräsentation.

Ja, unser politisches System braucht Modernisierung – aber sicher keine autoritären Experimente und auch keinen Import eines Wahlrechts, das die Probleme eher verschärft. Nötig sind bessere parlamentarische Verfahren, mehr Transparenz und ein effizienteres Regierungshandeln, nicht weniger Demokratie.

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