Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Kategorie: Zeitgeschehen (Seite 13 von 20)

Leserbrief zur NOZ vom Mittwoch, 30.07.2025, Artikel von Storch, Seite 4

Sehr geehrte Redaktion,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Mittwoch, 30.07.2025, zum Artikel über von Storch, Seite 4.

Mit Erstaunen und zunehmender Besorgnis habe ich den NOZ-Artikel vom 30. Juli 2025 gelesen, in dem die AfD-Politikerin Beatrix von Storch ausführlich zu Wort kommt. Unter der Überschrift Von Storch hält SPD für Bremsklotz bei Migration wird erneut ein bekanntes AfD-Narrativ verbreitet, diesmal scheinbar im Mantel einer neutralen Berichterstattung.

Doch der Artikel leistet mehr als nur Information: Er bietet einer rechtsextremen Politikerin unkommentiert eine Bühne, um ihre Sicht der Dinge darzustellen, und das zu einem der politisch brisantesten Themen überhaupt. Wo bleibt die journalistische Verantwortung der Redaktion? Wo bleibt die kritische Einordnung? Wer diesen Artikel liest, wird mit der Sichtweise der AfD konfrontiert, ohne zu erfahren, wie problematisch diese Positionen sind, etwa im Hinblick auf Menschenrechte, gesellschaftliche Spaltung oder die demokratische Grundordnung.

Stattdessen übernimmt die NOZ fragwürdige Begriffe wie Bremsklotz direkt in die Schlagzeile und reproduziert von Storchs Aussagen nahezu wörtlich. Selbst ihre nachgeschobene Relativierung gegenüber der Bild-Zeitung wird ungeprüft übernommen, ohne Hinweis darauf, dass es sich dabei um eine typische Strategie handelt, sich selbst zum Opfer zu stilisieren.

Ein derart unkritischer Umgang mit rechtsextremer Rhetorik befeuert genau jene politischen Kräfte, die demokratische Institutionen gezielt untergraben wollen. Ich erwarte von meiner Tageszeitung, dass sie diese Gefahren erkennt, und ihnen nicht auch noch eine Bühne bietet.

Mit besorgten Grüßen 

Leserbrief zum Artikel Wir müssen mehr und länger arbeiten (NOZ, 28.07.2025, Seite 6)

Hallo NOZ Team,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zum Artikel Wir müssen mehr und länger arbeiten (NOZ, 28.07.2025, Seite 6).

Mit ihrem Ruf nach mehr und länger arbeiten bedient Wirtschaftsministerin Katherina Reiche ein altbekanntes Narrativ: Die Bürgerinnen und Bürger seien schuld an allen wirtschaftlichen Problemen, weil sie zu früh in Rente gehen oder angeblich zu wenig arbeiten. Diese pauschale Darstellung ignoriert nicht nur soziale Realitäten, sondern ist auch sachlich verkürzt.

Reiche verweist auf internationale Vergleiche und bemängelt die durchschnittlich niedrige Jahresarbeitszeit in Deutschland. Was sie dabei verschweigt: Diese Zahl ist vor allem deshalb niedrig, weil hierzulande viele Menschen in Teilzeit arbeiten, häufig nicht freiwillig, sondern mangels besserer Alternativen. Hinzu kommen Urlaubsregelungen und Arbeitszeitmodelle, die dem Gesundheitsschutz dienen und mit hoher Produktivität einhergehen. Deutschland liegt bei der Produktivität pro Stunde im internationalen Spitzenfeld. Mehr Arbeitsstunden allein schaffen keinen Wohlstand, das zeigen Länder mit hoher Arbeitszeit und gleichzeitig großer sozialer Unsicherheit.

Völlig ausgeblendet wird in der Debatte, dass viele große Unternehmen seit Jahren das genaue Gegenteil tun: Sie drängen ältere Beschäftigte durch Abfindungen, Frühverrentung und Stellenabbau aus dem Arbeitsleben, weil diese zu teuer werden. Wenn also gefordert wird, Menschen müssten länger arbeiten, dann müssten Unternehmen zuerst bereit sein, diese Menschen auch tatsächlich zu beschäftigen, und zwar unter fairen Bedingungen.

Stattdessen wird der Eindruck erweckt, die sozialen Sicherungssysteme seien wegen der arbeitenden Bevölkerung nicht mehr tragfähig. Fakt ist: Die Belastung durch Sozialabgaben ist seit Jahren stabil, und es wäre durchaus möglich, etwa die Rentenversicherung auf eine breitere Finanzierungsbasis zu stellen, inklusive Selbstständiger, Beamter und durch stärkere Steuerfinanzierung gesellschaftlicher Aufgaben. Dass ausgerechnet die Rentner und Arbeitnehmer jetzt zur „Gefahr für den Wohlstand“ erklärt werden, ist nicht nur unfair, sondern auch ein bequemer Vorwand, um von notwendiger Unternehmensverantwortung abzulenken.

Wer die Realität wirklich sehen will, muss sich fragen: Warum sollen Menschen länger arbeiten, wenn viele Arbeitgeber sie schon mit Anfang 60 nicht mehr wollen? Solange diese Frage unbeantwortet bleibt, ist der Ruf nach mehr Arbeit nicht mehr als ein Schlag ins Gesicht jener, die heute schon am Limit arbeiten, oder keine Chance mehr auf Arbeit bekommen.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur NOZ von Montag, 21.07.2025: Unkritische Nebeneinanderstellung normalisiert verfassungsfeindliche Positionen

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Grupe,

in Ihrer Ausgabe vom 21. Juli erscheinen zwei Artikel, die im Zusammenspiel Fragen nach der journalistischen Verantwortung aufwerfen: Auf der Titelseite berichten Sie über das Ergebnis einer Allensbach-Umfrage, laut der 52 % der Bürgerinnen und Bürger gegen ein Verbot der AfD seien. Im Innenteil analysieren Sie die Äußerungen des AfD-Politikers Maximilian Krah zu einem möglichen Verbot der Identitären Bewegung und zur strategischen Umdeutung des Begriffs Remigration.

Beide Texte stehen kommentarlos nebeneinander und vermitteln dadurch den Eindruck, es handele sich bei der AfD und ihrem ideologischen Umfeld lediglich um politische Positionen am Rand des demokratischen Spektrums, über die man kontrovers diskutieren könne. Tatsächlich aber geht es um tiefgreifende verfassungsfeindliche Bestrebungen.

Der Begriff Remigration, den Krah „strategisch“ umdeuten möchte, ist kein harmloser Diskussionsbeitrag. Er meint in der von Martin Sellner propagierten Form, auf die sich Krah ausdrücklich bezieht, die massenhafte Deportation auch von deutschen Staatsbürgern mit Migrationshintergrund. Das Bundesverwaltungsgericht hat dieses Konzept jüngst als klar verfassungswidrig eingestuft. Und trotzdem wird es in Ihrem Artikel nahezu unkommentiert referiert, als ginge es um eine legitime migrationspolitische Option. Auch Krahs Forderung nach ethnischer Segregation („außereuropäisches Berlin-Neukölln“) bleibt im Text unwidersprochen. Damit läuft Ihre Berichterstattung Gefahr, die radikale Rhetorik zu normalisieren, statt sie als das zu benennen, was sie ist: ein Angriff auf das Grundgesetz und die Menschenwürde.

Vor diesem Hintergrund wirkt der Hinweis auf eine (methodisch fragwürdig dargestellte) Umfrage zur Ablehnung eines AfD-Verbots auf der Titelseite besonders bedenklich. Die Allensbach-Zahlen stehen unkommentiert für sich, ohne Hinweis auf die jüngsten gegenteiligen Umfrageergebnisse (z. B. von Insa oder Ipsos), ohne Reflexion über die soziale Dynamik dahinter und ohne jegliche journalistische Einordnung.

Demokratie ist kein rein arithmetischer Prozess, in dem Umfragen über die Gültigkeit des Grundgesetzes entscheiden. Wenn eine Partei in Teilen offen verfassungsfeindliche Positionen vertritt und deren Protagonisten wie Maximilian Krah nicht einmal mehr zurücktreten müssen, sondern strategisch über Begriffsverschiebungen nachdenken, dann braucht es mehr als neutrale Berichterstattung. Dann braucht es Haltung. Und die vermisse ich in Ihrer Ausgabe.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ von Montag, 21.07.2025: Unkritische Nebeneinanderstellung normalisiert verfassungsfeindliche Positionen

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Grupe,

in Ihrer Ausgabe vom 21. Juli erscheinen zwei Artikel, die im Zusammenspiel Fragen nach der journalistischen Verantwortung aufwerfen: Auf der Titelseite berichten Sie über das Ergebnis einer Allensbach-Umfrage, laut der 52 % der Bürgerinnen und Bürger gegen ein Verbot der AfD seien. Im Innenteil analysieren Sie die Äußerungen des AfD-Politikers Maximilian Krah zu einem möglichen Verbot der Identitären Bewegung und zur strategischen Umdeutung des Begriffs Remigration.

Beide Texte stehen kommentarlos nebeneinander und vermitteln dadurch den Eindruck, es handele sich bei der AfD und ihrem ideologischen Umfeld lediglich um politische Positionen am Rand des demokratischen Spektrums, über die man kontrovers diskutieren könne. Tatsächlich aber geht es um tiefgreifende verfassungsfeindliche Bestrebungen.

Der Begriff Remigration, den Krah „strategisch“ umdeuten möchte, ist kein harmloser Diskussionsbeitrag. Er meint in der von Martin Sellner propagierten Form, auf die sich Krah ausdrücklich bezieht, die massenhafte Deportation auch von deutschen Staatsbürgern mit Migrationshintergrund. Das Bundesverwaltungsgericht hat dieses Konzept jüngst als klar verfassungswidrig eingestuft. Und trotzdem wird es in Ihrem Artikel nahezu unkommentiert referiert, als ginge es um eine legitime migrationspolitische Option. Auch Krahs Forderung nach ethnischer Segregation („außereuropäisches Berlin-Neukölln“) bleibt im Text unwidersprochen. Damit läuft Ihre Berichterstattung Gefahr, die radikale Rhetorik zu normalisieren, statt sie als das zu benennen, was sie ist: ein Angriff auf das Grundgesetz und die Menschenwürde.

Vor diesem Hintergrund wirkt der Hinweis auf eine (methodisch fragwürdig dargestellte) Umfrage zur Ablehnung eines AfD-Verbots auf der Titelseite besonders bedenklich. Die Allensbach-Zahlen stehen unkommentiert für sich, ohne Hinweis auf die jüngsten gegenteiligen Umfrageergebnisse (z. B. von Insa oder Ipsos), ohne Reflexion über die soziale Dynamik dahinter und ohne jegliche journalistische Einordnung.

Demokratie ist kein rein arithmetischer Prozess, in dem Umfragen über die Gültigkeit des Grundgesetzes entscheiden. Wenn eine Partei in Teilen offen verfassungsfeindliche Positionen vertritt und deren Protagonisten wie Maximilian Krah nicht einmal mehr zurücktreten müssen, sondern strategisch über Begriffsverschiebungen nachdenken, dann braucht es mehr als neutrale Berichterstattung. Dann braucht es Haltung. Und die vermisse ich in Ihrer Ausgabe.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Artikel Strengere Regeln für Cannabis auf Rezept geplant (NOZ vom 16.07.2025, Seite 4)

Guten Tag, sehr geehrte Redaktion,

beigefügt erhalten Sie meinen Leserbrief zum Artikel Strengere Regeln für Cannabis auf Rezept geplant (NOZ vom 16.07.2025, Seite 4).

Mit ihren geplanten Änderungen zum medizinischen Cannabis schadet Bundesgesundheitsministerin Nina Warken vor allem einer Gruppe: kranken Menschen, die auf eine individuell abgestimmte Therapie angewiesen sind. Die Argumentation, ein Anstieg der Importe sei ein Zeichen für Missbrauch, ist weder durch Daten belegt noch medizinisch schlüssig. Mehr Nachfrage kann auch ein Zeichen für bessere Akzeptanz und Aufklärung unter Ärzten sein, zumal Cannabis für viele Patientinnen und Patienten eine nebenwirkungsärmere Alternative zu Opioiden darstellt.

Besonders problematisch ist das geplante Verbot von Videosprechstunden und Versandapotheken. In ländlichen Regionen oder für mobilitätseingeschränkte Menschen ist genau das oft die einzige Möglichkeit, Zugang zur Behandlung und zu Medikamenten zu erhalten. Warum sollten schwerkranke Menschen regelmäßig persönlich erscheinen müssen, wenn sie längst stabil auf ein Präparat eingestellt sind? Andere Medikamente mit Missbrauchspotenzial werden auch nicht derart restriktiv behandelt.

Statt Digitalisierung und patientenzentrierte Versorgung voranzubringen, wird hier ein Rückschritt ins 20. Jahrhundert gemacht. Ohne nachgewiesenen Missbrauch werden hier Hürden aufgebaut, die in der Praxis vor allem Leid und Unsicherheit erzeugen.

Am Ende entsteht der Eindruck, es gehe nicht um bessere Versorgung, sondern um symbolische Härte. Typisch CDU: Man macht Symbolpolitik, und trifft damit wieder einmal die Schwächsten.

Mit freundlichen Grüßen 

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