Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Kategorie: Zeitgeschehen (Seite 15 von 20)

Leserbrief zur NOZ vom Montag, 07.07.2025, Seite 3, Artikel „Alles nur Strategie?“

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Grupe, sehr geehrter Herr Fays,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Montag, 07.07.2025, Seite 3, Artikel „Alles nur Strategie?“.Wieder ein Artikel, wieder ein PR-Geschenk für die AfD. Unter dem Titel „Alles nur Strategie?“ schildert die NOZ die Aktivitäten der AfD im Bundestag,als wäre sie eine normale Partei mit etwas unorthodoxem Stil. Kein kritisches Wort zu rassistischer Rhetorik, zur Verachtung demokratischer Institutionen oder zur gezielten Störung parlamentarischer Prozesse. Stattdessen lesen wir über Anfragen, Lacher und Ordnungsrufe, garniert mit der fast schon staunenden Feststellung, dass die AfD „die lachfreudigste Fraktion“ sei. Was soll das sein? Eine Imagepflege für Rechtsextreme?

Der Artikel reiht sich ein in eine lange Kette von NOZ-Beiträgen, die der AfD eine Bühne bieten, ohne sie ernsthaft zu hinterfragen. Dieser Kuschelkurs gegenüber einer vom Verfassungsschutz beobachteten Partei ist mit demokratischer Verantwortung unvereinbar. Jetzt folgt der nächste Beitrag, erneut ohne Einordnung, ohne klare Haltung, ohne journalistische Schärfe.

Dass die AfD mit gezielter Provokation, Desinformation und massenhafter Überlastung parlamentarischer Prozesse arbeitet, ist kein Geheimnis, es ist belegt. Dass sie demokratische Institutionen schwächen will, ist erklärtes Ziel ihrer Wortführer. All das wird im Artikel entweder verharmlost oder ignoriert. Man hat fast den Eindruck, die NOZ wolle bewusst ein unpolitisches Bild der Partei zeichnen, als wären Reden mit SA-Vergleichen, Klimawandelleugnung oder Abschottungsfantasien einfach nur etwas „kontrovers“.

Wer so berichtet, normalisiert nicht nur die AfD, er verharmlost den Angriff auf unsere Demokratie. Und das ist nicht mehr bloß journalistisches Versagen. Das ist gefährlich.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 03.07.2025, zum Artikel „Regenbogenflagge von St.-Martin-Kirche gerissen“, Seite 18

Hallo NOZ Team,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 03.07.2025, zum Artikel „Regenbogenflagge von St.-Martin-Kirche gerissen“, Seite 18.

Mit Bestürzung habe ich von dem Vorfall an der St.-Martin-Kirche in Bramsche gelesen, bei dem die Regenbogenflagge nach dem Christopher Street Day abgerissen wurde. Die Gemeinde vermutet einen Zusammenhang mit dem CSD, doch es greift zu kurz, diesen Akt allein als Reaktion auf eine lokale Veranstaltung zu deuten.

In Wahrheit ist dies ein weiteres Beispiel für eine bundesweit spürbare Entwicklung: Die Missachtung und Herabwürdigung queerer Menschen und Symbole wird zunehmend gesellschaftsfähig, nicht zuletzt befeuert durch politische Akteure auf höchster Ebene.

Wenn CDU-Chef Friedrich Merz die Regenbogenflagge als Symbol queerer Sichtbarkeit mit einem „Zirkuszelt“ vergleicht und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner das Hissen dieser Fahne zum CSD am Reichstagsgebäude untersagt, dann sind das keine harmlosen Formalitäten. Es sind gezielte Signale. Signale, die queeren Menschen sagen: Ihr gehört nicht sichtbar zu uns. Signale, die jenen in die Hände spielen, die sich durch Vielfalt gestört fühlen, und dann wie in Bramsche zur Tat schreiten.

In diesem politischen Klima braucht es keine Parolen mehr. Eine geklebte Botschaft wie „Schwarz-Rot-Gold ist bunt genug“ spricht Bände. Sie ist das direkte Echo auf die Symbolpolitik aus Berlin, die Vielfalt zur Nebensache erklärt und Neutralität als Deckmantel für Ausgrenzung benutzt.

Es ist daher nicht nur mutig, sondern auch bitter nötig, dass Pastorin Schimmelpfennig und ihre Gemeinde eine neue Flagge aufhängen wollen. Sie setzen damit ein Zeichen der Solidarität, das leider derzeit aus der Bundespolitik schmerzlich fehlt.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur NOZ vom Mittwoch, 02.07.2025, Meinung „Hitzewelle im Norden? Bitte entspannen Sie sich“ von Alexander Barklage auf Seite 3

Guten Tag NOZ Team, sehr geehrter Herr Barklage,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Mittwoch, 02.07.2025, Meinung „Hitzewelle im Norden? Bitte entspannen Sie sich“ von AlexanderBarklage auf Seite 3.Von Alexander Barklage wird die aktuelle Hitzewelle in Norddeutschland als beinahe harmlose Sommerlaune dargestellt. Die Medien übertreiben, die Menschen sollen sich „entspannen“, Ventilatoren seien halt ausverkauft, und wer sich beklagt, dem mangele es wohl am gesunden Menschenverstand. Diese Perspektive verkennt jedoch die ernste Lage, und sie unterschätzt die tiefere Bedeutung von Hitzewarnungen und Aufklärung in Zeiten des Klimawandels.

Ja, wir haben Sommer. Und ja, Hitze gehört dazu. Doch das allein erklärt nicht, warum der Deutsche Wetterdienst vor „extremer Wärmebelastung“ warnt, warum Rettungsdienste aufgestockt werden, warum Pflegeeinrichtungen Notfallpläne aktivieren. Es geht nicht um eine vermeintliche „Hysterie“, sondern um realen Schutz: für Ältere, Kleinkinder, chronisch Kranke, und zunehmend auch für alle anderen. Denn die Zahl der hitzebedingten Todesfälle steigt, auch in Deutschland. Der Sommer 2022 forderte Schätzungen zufolge mehr als 8.000 Todesopfer in der Bundesrepublik, nicht durch Überschwemmungen oder Stürme, sondern durch Hitze. Solche Zahlen sind keine Medienübertreibung, sondern eine Mahnung.

Wer Hitzewarnungen als „übertrieben“ abtut, stellt sich blind gegenüber einer Realität, die längst mehr ist als nur ein saisonales Wetterphänomen. Die Hitze heute ist nicht einfach „wie früher“, sie ist häufiger, intensiver und gefährlicher. Städte heizen sich auf, Böden trocknen aus, Bäche fallen trocken, Tiere sterben, und Landwirtschaft leidet. Hitze ist heute nicht mehr nur ein individuelles Problem, sondern ein strukturelles, für unsere Gesundheitssysteme, unsere Infrastruktur, unsere Umwelt.

Die Kritik an „Servicetexten“, die erklären, wie man sich schützt, wirkt dabei fast zynisch. Nicht jeder Mensch ist in der Lage, spontan das eigene Verhalten optimal an neue Wetterextreme anzupassen. Viele leben in schlecht isolierten Wohnungen, müssen trotz Hitze zur Arbeit pendeln oder körperlich schwer arbeiten. Für sie sind konkrete Informationen lebenswichtig, nicht „banal“, wie Barklage nahelegt, sondern Teil einer öffentlichen Verantwortung.

Natürlich ist Gelassenheit kein Fehler. Aber sie darf nicht zur Verharmlosung führen. Wer heute so tut, als seien Hitzewellen nichts weiter als ein Sommerthema, verkennt die Dynamik eines sich verschärfenden Klimas. Und wer Warnungen mit Panikmache gleichsetzt, riskiert, dass die Menschen sie irgendwann gar nicht mehr ernst nehmen.

Die bessere Botschaft wäre: Informieren, vorbereiten, schützen, ohne Hysterie, aber mit klarem Bewusstsein für die Risiken.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zum Artikel „Radfahrer: 81 Verstöße an nur einem Tag“ (NOZ vom 27.06.2025), Seite 12

Hallo NOZ Team,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zum Artikel „Radfahrer: 81 Verstöße an nur einem Tag“ (NOZ vom 27.06.2025), Seite 12.

Die Überschrift Ihres Artikels vom 27. Juni irritiert mich in hohem Maße. Sie legt nahe, dass Radfahrende die Hauptverursacher von Verkehrsverstößen seien, obwohl laut Ihrem eigenen Bericht auch zahlreiche Verstöße durch Autofahrende festgestellt wurden, darunter sogar mehr Vorfahrtsmissachtungen als durch Radfahrer.

Zwar sind Kontrollen wichtig und Verstöße sollten unabhängig vom Verkehrsmittel geahndet werden. Doch gerade die häufig erwähnten Gehwegfahrten von Radfahrenden erfolgen oftmals aus einem berechtigten Gefühl der Unsicherheit im Straßenverkehr, etwa bei zu engem Überholen oder unzureichender Radinfrastruktur. Diesen Kontext vermisse ich in Ihrer Darstellung.

Statt einseitig zu problematisieren, wäre eine differenzierte Darstellung hilfreich gewesen, die das Verhalten aller Verkehrsteilnehmenden in den Blick nimmt, ebenso wie die strukturellen Ursachen für Regelverstöße im Radverkehr. Ihre Überschrift trägt eher zur Stigmatisierung als zur Versachlichung der Debatte bei.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom Freitag, 27.06.2025, zum Artikel „Kommunen gegen Nachzug von Familien“ auf Seite 4 

Hallo NOZ Team, 

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Freitag, 27.06.2025, zum Artikel „Kommunen gegen Nachzug von Familien“ auf Seite 4.

Der Artikel erweckt den Eindruck, als seien Deutschlands Kommunen flächendeckend mit der Aufnahme und Integration Geflüchteter überfordert. Dieses Bild greift zu kurz. Eine im Frühjahr 2024 veröffentlichte Umfrage des Mediendienstes Integration in Zusammenarbeit mit der Universität Hildesheim unter rund 800 Kommunen zeigt ein deutlich differenzierteres Bild: Während sich etwa ein Viertel der Kommunen im Westen überlastet fühlen, melden über 20 % der ostdeutschen Kommunen keine größeren Probleme bei Unterbringung und Integration.

Diese regionalen Unterschiede werden im Artikel nicht einmal erwähnt. Stattdessen wird die Forderung nach einer zweijährigen Aussetzung des Familiennachzugs mit einer pauschalen Überlastung begründet. Dabei ist bekannt, und wird selbst vom Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes eingeräumt, dass gerade der Familiennachzug oft zur erfolgreichen Integration beiträgt.

Statt pauschaler Dramatisierung wäre eine differenzierte Darstellung angebracht gewesen. Ja, viele Kommunen brauchen Unterstützung, aber viele andere bewältigen die Aufgabe gut. Diese Realität sollte in der Berichterstattung nicht unter den Tisch fallen.

Mit freundlichen Grüßen

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