Pragmatismus vs. Ideologie? Cem Özdemirs Erfolg widerlegt Rena Lehmanns vereinfachende Narrative in ihrem Artikel in der NOZ.
Hallo NOZ, hallo Frau Lehmann,
Rena Lehmanns Analyse der Landtagswahl in Baden-Württemberg trifft in vielen Punkten zu, besonders in der Würdigung von Cem Özdemirs Erfolg. Doch die immer wiederkehrende Gegenüberstellung von „pragmatischen“ Grünen in Baden-Württemberg und einer angeblich „ideologischen“ Bundespartei ist nicht nur vereinfachend, sondern eine inhaltsleere Abwertung, die der politischen Realität nicht gerecht wird.
Özdemirs Politik ist nicht ideologiefrei, sondern erfolgreich in der Umsetzung. Dass er Klimaschutz und Wirtschaft verbindet, ist kein Verzicht auf Prinzipien, sondern eine moderne Synthese, und genau das honorieren die Wähler:innen. Die Grünen in Baden-Württemberg zeigen, dass wertegebundene Politik und Pragmatismus kein Widerspruch sein müssen. Dies als „gallisches Dorf“ abzutun, das sich vom „ideologischen“ Rest der Partei abgrenzt, ignoriert, dass auch Özdemirs Ansatz auf klaren Überzeugungen basiert: Ökologie und Ökonomie gehören zusammen. Das ist kein Verzicht auf Ideologie, sondern ihre intelligente Anwendung.
Gleichzeitig wird die Union in Lehmanns Artikel als „pragmatisch“ oder „mittig“ beschrieben, doch wo bleibt da die inhaltliche Substanz? Friedrich Merz CDU führte einen Wahlkampf ohne klare Zuspitzung und verlor trotzdem. Das ist kein Pragmatismus, sondern Planlosigkeit. Die Union wirkt aktuell weniger „ideologiefrei“, sondern schlicht ideenarm. Der Vorwurf der „“grünen Ideologie“ dient hier oft als Ablenkung von eigener Ratlosigkeit, statt als sachliche Kritik.
Politik lebt von Werten und ihrer Umsetzung. Wer das eine gegen das andere ausspielt, verkennt, dass erfolgreiche Politik beides braucht. Cem Özdemir hat das verstanden. Vielleicht sollte man das nicht als Ausnahme, sondern als Lehrstück begreifen.
Mit freundlichen Grüßen