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Schlagwort: Boomer

Leserbrief zum Interview „Wir führen die Rentendebatte, als ginge es um Almosen“ – Ex-Wirtschaftsweiser Peter Bofinger über den Boomer-Soli-Streit, NOZ vom 28.11.2025, Seite 7

Boomer-Soli? Rente ohne Demografie-Mythos: Warum Verteilung entscheidend ist und wie faire Löhne und Beiträge die Altersvorsorge sichern.

Hallo NOZ,

hier mein Leserbrief zum Interview mit Peter Bofinger zum Thema Rente und Boomer.

Im Interview mit Peter Bofinger entsteht der Eindruck, unser Rentensystem sei vor allem wegen der vielen Babyboomer in Schwierigkeiten. Das klingt logisch, greift aber zu kurz. Neue Analysen zeigen: Nicht die Demografie ist das Hauptproblem, sondern die Ungleichheit, die in den letzten Jahrzehnten gewachsen ist.

Wichtig ist nämlich nicht nur, wie viele ältere Menschen es gibt. Entscheidend ist, wie viele Menschen insgesamt versorgt werden müssen, Kinder und Ältere. Dieser Gesamtwert hat sich über lange Zeit kaum verändert. Wir hatten früher mehr Kinder, heute mehr Rentner. Die Belastung bleibt ähnlich. Von einer „dramatischen Überalterung“ zu sprechen, führt daher in die Irre.

Die wirklichen Gründe für die Schwächen im Rentensystem liegen woanders: Löhne, die viel zu langsam steigen, immer mehr unsichere Jobs und politische Entscheidungen, die Renten bewusst kleiner gemacht haben. Wenn die Löhne nicht mit der Produktivität Schritt halten, fehlen später automatisch Beiträge und Rentenpunkte. Das ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis von Politik.

Statt die Generationen gegeneinander auszuspielen, sollten wir darüber sprechen, wie wir die Einkommen gerechter verteilen können: höhere Löhne, eine stärkere Einbeziehung aller Berufsgruppen in die Rentenversicherung und ein Steuersystem, das Vermögende stärker beteiligt. Nur so lässt sich das Rentensystem wirklich stabilisieren, und zwar ohne Angst vor einem angeblichen Demografie-Schreckgespenst.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 11.09.2025, Rest der Republik Boomer Mimimi, Seite 2

Burkhard Ewerts Verteidigung der Boomer übersieht die wachsende Ungleichheit. Der wahre Wohlstandskonflikt liegt in der ungleichen Vermögensverteilung, nicht in Generationenkonflikten. Der Ukrainekrieg ist ein geopolitisches Problem, kein moralisches Märchen

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Ewert,

hier mein Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 11.09.2025, Rest der Republik Boomer Mimimi, Seite 2.

Burkhard Ewerts Verteidigung der Boomer blendet zentrale Aspekte der Wohlstandsdebatte aus. Er verweist auf Konsumgüter der 1970er und 80er Jahre, um zu zeigen, wie genügsam man damals lebte. Das lenkt aber von der entscheidenden Frage ab: der Verteilung. In der alten Bundesrepublik war Wohlstand vergleichsweise gleichmäßiger verteilt, die Mittelschicht wuchs, Aufstieg durch Arbeit war möglich. Heute hingegen besitzt das reichste Prozent über 30 % des Vermögens, während fast die Hälfte der Bevölkerung kaum Rücklagen hat. Genau hier liegt das Problem: Nicht am „falschen Bewusstsein“ der Jungen, sondern an einer real verschärften Ungleichheit.

Ewert verniedlicht zudem den Ukrainekrieg, indem er ihn als „Ballast der Seele“ relativiert und mit Kindheitstraumata der Kriegsgeneration vergleicht. Damit verschiebt er die Perspektive von einem geopolitischen Angriffskrieg auf eine moralische Erzählung. Aber es geht nicht um „Chai Latte gegen Steckrüben“, sondern um die Sicherheit Europas und die Verteidigung des Völkerrechts.

Wer ernsthaft über Generationengerechtigkeit sprechen will, muss die Ungleichheit der Gegenwart thematisieren, und darf aktuelle Krisen nicht durch historische Vergleiche verharmlosen.

Mit freundlichen Grüßen