Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Schlagwort: Bürgergeld (Seite 1 von 2)

Leserbrief zu „Jobchancen für Arbeitslose – Jetzt bloß kein Vermittlungsvorrang!“ von Sören Becker, NOZ vom 27.12.2025, Seite 7

Warum der Vermittlungsvorrang beim Bürgergeld scheitert: Ein Leserbrief über unwirksame Aktivierung, fehlende Jobs und soziale Ungerechtigkeit.

Hallo NOZ, hallo Herr Becker,

dem Kommentar von Sören Becker zum geplanten Vermittlungsvorrang beim Bürgergeld kann ich nur zustimmen. Die aktuellen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen der Bundesregierung sind weder wirksam noch gerecht.

Wer Menschen unter Druck setzt, obwohl es strukturell deutlich mehr Arbeitslose als offene Stellen gibt, verkennt die Realität des Arbeitsmarktes. Aktivierungs- und Sanktionslogik können kein Problem lösen, das nicht auf fehlender Motivation, sondern auf fehlenden passenden Arbeitsplätzen und Qualifikationen beruht.

Besonders problematisch ist, dass mit dem Vermittlungsvorrang Weiterbildung und Qualifizierung in den Hintergrund gedrängt werden. Damit wird genau das Instrument geschwächt, das langfristig Beschäftigung sichert und Fachkräftemangel tatsächlich lindern könnte. Kurzfristige Vermittlungen in prekäre Jobs führen dagegen oft nur zu instabilen Erwerbsbiografien und Rückkehr in den Leistungsbezug.

Ungerecht ist diese Politik vor allem deshalb, weil sie die Verantwortung für gesamtwirtschaftliche Fehlentwicklungen einseitig auf Erwerbslose abwälzt. Menschen, die realistisch keine passende Stelle finden können, werden so behandelt, als fehle es ihnen am Willen, nicht an Möglichkeiten.

Eine wirksame und faire Arbeitsmarktpolitik müsste auf Qualifizierung, individuelle Förderung und realistische Perspektiven setzen statt auf Druck und Schuldzuweisungen. Der Kommentar von Sören Becker bringt das treffend auf den Punkt.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zu „Frieden um das Bürgergeld – das wäre ein echter Fortschritt!“ von Rena Lehmann, NOZ vom 18.12.2025, Seite 1

Kritischer Leserbrief zur neuen Grundsicherung: Warum verschärfte Sanktionen Aufstocker, Familien und Pflegende treffen und kaum Geld sparen.

Hallo NOZ, hallo Frau Lehmann,

die Rückkehr vom Bürgergeld zur „verschärften Grundsicherung“ wird als notwendige Korrektur verkauft. Tatsächlich ist sie vor allem eines, nämlich eine Politik der Härte gegenüber den Schwächsten, ohne messbaren Nutzen. Die vollmundig angekündigten Milliarden-Einsparungen durch strengere Sanktionen sind ausgeblieben. Stattdessen entstehen neue Kosten durch mehr Bürokratie, Widersprüche, Gerichtsverfahren und soziale Folgeschäden.

Besonders problematisch ist, dass Grundsicherung längst nicht nur „Arbeitsunwillige“ betrifft. Ein großer Teil der Leistungsbeziehenden arbeitet bereits oder kann nicht voll arbeiten: Aufstocker mit niedrigen Löhnen, Alleinerziehende, Menschen, die Kinder betreuen oder Angehörige pflegen. Für sie ist die Grundsicherung kein Ersatz für Arbeit, sondern eine notwendige Ergänzung.

Sanktionen treffen diese Gruppen unverhältnismäßig hart. Wer zwischen Job, Kinderbetreuung und Pflege jongliert, verpasst schneller Termine oder Fristen, nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Überlastung. Leistungen zu kürzen verschärft Armut, löst aber kein einziges strukturelles Problem am Arbeitsmarkt.

Ein Sozialstaat wird nicht dadurch stark, dass er nach unten tritt, sondern dadurch, dass er verlässlich absichert und Arbeit fair entlohnt. Härte ersetzt keine gute Politik.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Kommentar „Studie zur Jobsuche im Bürgergeld – Zeit, die Scheindebatte zu beenden“ von Matti Gerstenlauer, NOZ vom 05.12.2025, Seite 1

Kritischer Leserbrief zur Bürgergelddebatte: Warum CDU-Behauptungen nicht mit der Realität übereinstimmen und die Bertelsmann-Studie populistische Mythen widerlegt.

Hallo NOZ, hallo Herr Gerstenlauer,

der Kommentar von Matti Gerstenlauer trifft den Punkt. Seit Monaten wird über das Bürgergeld mehr mit Vorurteilen als mit Fakten diskutiert. Vor allem die CDU hat mit völlig überzogenen Milliardenversprechen und pauschalen Schuldzuweisungen Stimmung gegen Schwache gemacht. Die neue Bertelsmann-Studie zeigt jedoch etwas völlig anderes.

CDU-Behauptungen vs. Realität

„Viele wollen nicht arbeiten.“

Tatsächlich nennen 74 % gesundheitliche Probleme als Hauptgrund.

„Jobcenter vermitteln – die Leute lehnen ab.“

43 % der Befragten haben noch nie ein Stellenangebot erhalten, 40 % keine Weiterbildung.

„Arbeiten lohnt sich nicht.“

Falsch. Selbst Mindestlohn bringt klar mehr ein als Bürgergeld.

„Härtere Regeln sparen Milliarden.“

Dafür gibt es keine belastbare Grundlage, im Gegenteil.

Die Debatte ist immer noch oft populistisch und wird auf dem Rücken der Schwächsten geführt. Wer ernsthaft Lösungen will, muss die Realität zur Kenntnis nehmen, nicht Scheinargumente und Nebelkerzen verbreiten. Der Kommentar hat völlig recht: Es ist höchste Zeit, diese Scheindebatte zu beenden.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu den Artikeln von Tobias Schmidt zum Bürgergeld (NOZ vom 30.10.2025)

Der Leserbrief kritisiert, dass die NOZ-Artikel zum Bürgergeld einseitig und wertend berichten. Bürgergeldbeziehende würden pauschal negativ dargestellt, während differenzierte Perspektiven fehlen, sodass ein verzerrtes Bild von Fehlanreizen entsteht.

Hallo NOZ, hallo Herr Schmidt,

hier mein Leserbrief zu den Artikeln von Tobias Schmidt zum Bürgergeld (NOZ vom 30.10.2025).

Die beiden Texte von Tobias Schmidt „Seid Ihr noch zu retten?“ und „Was läuft schief beim Bürgergeld?“ wirken wie eine abgestimmte Kampagne gegen das Bürgergeld und gegen die sozialpolitische Linie der SPD.

Statt Argumente abzuwägen, werden Kritiker der Reform mit Spott überzogen und Bürgergeldbeziehende pauschal als unwillig dargestellt. Weder Betroffene noch unabhängige Fachleute kommen zu Wort, dafür Jobcenter-Vertreter mit Einzelfällen, die das gewünschte Bild bestätigen.

So entsteht ein einseitiger Eindruck: als sei das Bürgergeld vor allem ein Fehlanreiz zum Nichtstun. Tatsächlich kämpfen viele Beziehende mit realen Hürden auf dem Arbeitsmarkt. Eine faire Debatte über den Sozialstaat braucht mehr Differenzierung, und weniger Schlagseite.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zu: Bürgergeld kommt weg – und das ist gut so! (Rena Lehmann, NOZ, 10.10.2025)

Der Leserbrief kritisiert Lehmanns Kommentar zur Abschaffung des Bürgergelds als einseitig und sozial unsensibel, betont wachsende Ungleichheit und warnt vor einer Debatte, die Armut moralisiert statt strukturelle Probleme zu benennen

Sehr geehrtes NOZ Team,  sehr geehrte Frau Lehmann, 

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zu: Bürgergeld kommt weg – und das ist gut so! (Rena Lehmann, NOZ, 10.10.2025).

Der Kommentar von Rena Lehmann auf der Titelseite zur Abschaffung des Bürgergelds zeigt deutlich, wie einseitig inzwischen über Sozialpolitik berichtet wird. Während direkt daneben ein Bericht über den enormen Reichtumszuwachs der Milliardäre in der EU steht, fordert Lehmann mit moralischem Unterton mehr Strenge gegenüber Menschen am unteren Ende der Gesellschaft. Diese Gleichzeitigkeit ist bezeichnend.

Lehmann behauptet, das Bürgergeld habe „Neiddebatten“ befeuert und die SPD von der arbeitenden Bevölkerung entfremdet. Doch belegt wird das nicht. Die meisten Bürgergeldbeziehenden sind keine „Leistungsverweigerer“, sondern Kinder, Alleinerziehende oder Menschen in schlecht bezahlten Jobs, die trotz Arbeit nicht über die Runden kommen. Von einer „Rückkehr zum ursprünglichen Sinn“ zu sprechen, heißt, soziale Not wieder stärker zu sanktionieren, das ist kein Fortschritt, sondern Rückschritt.

Wer „Vermittlungsvorrang“ und Leistungskürzungen bis zur kompletten Streichung als „gesellschaftlichen Frieden“ verkauft, verkennt, was wirklich spaltet: die wachsende soziale Ungleichheit. Wenn die reichsten 3600 Menschen in der EU so viel besitzen wie 181 Millionen der ärmsten Bürgerinnen und Bürger, dann ist das kein moralisches, sondern ein strukturelles Problem.

Lehmanns Kommentar verschiebt den Blick von dieser Ungerechtigkeit weg hin zu vermeintlich „unwilligen“ Armen. Das mag ins politische Konzept der Union passen, aber es trägt nicht zu einer ehrlichen Debatte über Gerechtigkeit, Respekt und Teilhabe bei. Ein Sozialstaat, der Menschen bestraft, statt sie zu befähigen, verliert seine Glaubwürdigkeit.

Mit freundlichen Grüßen 

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