Pressefreiheit oder Empörungsroutine? Kurzer Leserbrief zur Günther-Debatte, DJV-Reaktion und dem fragwürdigen Zensur-Framing.
Hallo NOZ,
die aktuelle „Zensur-Debatte“ rund um Daniel Günther wirkt zunehmend wie eine künstlich aufgeheizte Empörungswelle. Politische Kritik an bestimmten Medien wird reflexhaft als Angriff auf die Pressefreiheit gewertet, obwohl genau diese Kritik selbst von der Meinungsfreiheit gedeckt ist.
Der Deutsche Journalisten-Verband zeigt sich „schockiert“, vergisst dabei aber eine einfache Wahrheit. Pressefreiheit schützt Medien vor staatlichen Verboten, nicht vor öffentlicher oder politischer Bewertung. Wer das vermischt, senkt bewusst die Schwelle zur Skandalisierung.
Bemerkenswert ist auch das schnelle Zurückrudern Günthers, und ebenso bemerkenswert, wie dankbar diese Klarstellung aufgenommen wird. Offenbar reicht inzwischen ein Facebook-Post, um aus einer angeblichen Grundgesetzkrise wieder normale Politik zu machen. Das wirft die Frage auf, wie belastbar die vorherige Empörung eigentlich war.
Auffällig bleibt zudem die einseitige Perspektive. Medien und Verbände treten geschlossen als Opfer auf, ohne sich selbstkritisch zu fragen, warum Vertrauen verloren geht. Zuspitzung, moralische Überhöhung und politische Schlagseite sind reale Probleme, darüber schweigt man lieber.
Wenn selbst scharfe Medienkritik sofort als „Zensur“ etikettiert wird, ist nicht die Pressefreiheit in Gefahr, sondern die offene Debatte. Demokratie hält Kritik aus, auch an Journalisten.
Mit freundlichen Grüßen