Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Schlagwort: Medienkritik

Aktion NOZkritisch: Bürgerprotest gegen Qualitätsverlust der NOZ

Aktion NOZkritisch formiert sich. 70 Bürger:innen protestieren gegen Qualitätsverlust und Rechtsdrift der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Am 24. Februar 2026 trafen sich 70 Menschen in Osnabrück, um gegen die sinkende journalistische Qualität und politische Rechtsdrift der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) zu protestieren.

Die Kritik: Der überregionale Mantelteil der NOZ, der über 30 Regionalzeitungen beliefert, ist zunehmend faktenschwach, übernimmt unkritisch rechtslastige Inhalte (z. B. aus der NZZ) und vernachlässigt fundierte Berichterstattung zugunsten von Klicks.

Der hervorragend ausführliche und lesenswerte Artikel auf dem Blog von Robert Koop beschreibt die Hintergründe, die Dynamik der Initiative und die Brisanz dieser Entwicklung. Die Aktion NOZkritisch (ANK) will sichtbarer werden, mit professionellem Webauftritt, Social-Media-Präsenz und einer Vereinsstruktur. Ein wichtiger Beitrag, der zeigt, Medienkritik ist kein Lamento, sondern notwendige Demokratiearbeit.

Nächstes Treffen: 19. Mai 2026, Lagerhalle Osnabrück

Mein Special zu 1 Jahr NOZblog 😉 „Sie schreiben gut“ – und dann? Wie die NOZ Kritik lobt, aber Dialoge vermeidet

Als Burkhard Ewert, Chefredakteur der NOZ, meinen kritischen Leserbrief mit „Sie schreiben gut“ lobte und mich einlud, klang das wie ein Dialogangebot…bis meine Nachfrage nach dem Rahmen des Gesprächs im Schweigen endete.

Das Lob, das kein Gespräch wurde

Mein Leserbrief war eine klare Abrechnung mit Ewerts Kommentar zu Christian Lindner, der dessen politischen Abgang als „Freiheitstat“ verklärte. Statt auf die inhaltliche Kritik einzugehen, lobte Ewert meinen Stil und lud mich zum Gespräch ein. Doch als ich nach dem Rahmen fragte (welche Themen? Welches Ziel?), deutete er meine Nachfrage als mangelndes Interesse. Meine Antwort: drei konkrete Themenvorschläge – journalistische Verantwortung, Umgang mit Kritik, Perspektivenvielfalt. Die Reaktion? Nichts.

Das war kein Zufall. Es passt ins Muster, die NOZ lädt Leser:innen ein, solange sie nicht zu unbequem werden.

Die neue NOZ-Debattenkultur: Einladung zum Schweigen

Seit Februar 2026 schließt die NOZ ihre Kommentarspalten und kontrolliert die Verbreitung von Leserbriefen stärker. Offizielle Begründung: „Qualitätssicherung“. Doch was wirklich passiert, ist klar. Widerspruch wird erschwert, Kontrolle erhöht.

Mein Austausch mit Ewert zeigt, wie das funktioniert. Lob ja, Dialog nein. Kritik wird gelesen, aber nicht beantwortet. Leser:innen sind willkommen, aber nur als statistische Masse, nicht als gleichberechtigte Gesprächspartner.

Warum das problematisch ist

Journalismus lebt vom Diskurs. Doch wenn eine Zeitung Leserbriefe lobt, aber Debatten schließt, wird aus dem „öffentlichen Forum“ ein kontrollierter Monolog. Mein Fall ist kein Einzelfall. Er zeigt, wie Medien mit Kritik umgehen, wenn sie unbequem wird. Man hört zu, aber nur, solange es keine Konsequenzen hat.

Ein Qualitäts-Siegel mit Haken

Burkhard Ewerts „Sie schreiben gut“ war kein Anfang, sondern ein Ende. Ein Kompliment, das keine Antwort verlangt. Ein Dialogangebot, das keine Diskussion zulässt.

Und so bleibt am Ende nur eines: „Approved by NOZ…aber bitte nicht zu laut.“

PS: Ich habe länger überlegt, diesen Beitrag wirklich zu veröffentlichen. Vor dem aktuellen Hintergrund, der Streichung von öffentlicher Beteiligung an der NOZ, denke ich aber, nun ist genau der richtige Zeitpunkt dafür gekommen. Zum Hintergrund siehe diese beiden Artikel:

Weniger Widerspruch, mehr Kontrolle. Warum die NOZ ihre Kommentarspalten schließt.

Leserbrief zum Thema Leserbriefe, Artikel „In eigener Sache“ von der Chefredaktion, NOZ vom 13.02.2026, Seite 2

NOZBLOG sie schreiben gut Satire

Zur unkommentierten Übernahme des NZZ-Artikels „Die verlorenen Töchter“ zum Thema Trans in Tag 7 der NOZ, 28.12.2025, Seite 8

Warum die NOZ mit der unkommentierten Übernahme eines NZZ-Artikels zum Thema Trans ihre journalistische Verantwortung verfehlt.

Hallo NOZ,

mit Interesse, aber auch mit wachsendem Unbehagen habe ich auf Seite 8 den Artikel „Die verlorenen Töchter“ von Birgit Schmid gelesen, der aus der Neuen Zürcher Zeitung übernommen wurde.

Unabhängig davon, wie man persönlich zum Thema Transidentität steht, handelt es sich hierbei um einen stark perspektivischen, normativ geframten Text. Der Beitrag stellt nahezu ausschließlich die Sicht transkritischer Eltern dar, greift umstrittene Thesen wie „Rapid Onset Gender Dysphoria“ auf und arbeitet intensiv mit emotionalisierenden Einzelfällen, ohne diese wissenschaftlich sauber einzuordnen oder relevante Gegenpositionen abzubilden.

Die NZZ ist bekannt für ihre konservativ-rechtsliberale Positionierung, insbesondere bei gesellschafts- und kulturpolitischen Themen. Das ist ihr gutes Recht. Problematisch wird es jedoch, wenn ein solcher Text von der NOZ unkommentiert übernommen wird (und immer wieder werden). Dadurch entsteht der Eindruck, es handle sich um eine ausgewogene journalistische Analyse, nicht um eine klar positionierte Perspektive.

Gerade bei einem sensiblen Thema, das Minderjährige, medizinische Behandlungen und gesellschaftliche Minderheiten betrifft, halte ich eine redaktionelle Einordnung, ein Gegengewicht oder zumindest eine transparente Kennzeichnung für journalistisch geboten. Ohne diese Kontextualisierung wird Framing faktisch delegiert, und das kann zur weiteren Polarisierung beitragen, statt zur Aufklärung.

Ich würde mir wünschen, dass die NOZ bei der Übernahme externer Inhalte stärker ihrer eigenen publizistischen Verantwortung gerecht wird.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Kommentar „Warum wir konstruktive Medienkritik brauchen – Skepsis und Austausch sind für guten Journalismus unverzichtbar“ im Bezug auf das Treffen der Aktion NOZkritisch von Louisa Riepe, NOZ vom 25.11.2025, Seite 2

Die NOZ-Kolumne verharmlost konkrete Kritik an rechtspopulistischen Kommentaren und einseitiger Berichterstattung, statt sich inhaltlich damit auseinanderzusetzen.

Hallo NOZ, hallo Frau Riepe,

hier meine Replik zum Kommentar in der NOZ vom 25.11.2025 zu und über das Treffen der Aktion NOZkritisch ANK.

Die Chefredakteurin beschreibt das Treffen als Austausch mit „besorgten Leserinnen und Lesern“. Das greift jedoch zu kurz. Die Kritik, die dort geäußert wurde, und die OS Rundschau ausführlich dokumentiert hat, richtet sich nicht gegen „die Medien“ im Allgemeinen oder gegen abstrakte Branchenskandale, sondern gegen sehr konkrete journalistische Fehlentwicklungen im überregionalen Mantel der NOZ.

Es geht um systematisch wiederkehrende Narrative einzelner Redakteure, die rechte Talking Points verstärken, um fehlende Einordnung extremistischer Positionen, um das Weglassen unbequemer Gegenperspektiven und um redaktionelle Entscheidungen, die bestimmte Stimmen leiser und andere lauter machen. Diese Punkte tauchen in der Kolumne leider gar nicht auf.

Konstruktive Medienkritik lebt aber davon, dass man genau diese konkreten Vorwürfe ernst nimmt, statt sie in allgemeinen Reflexionen über Vertrauen, Polarisierung und historische Medienskandale aufzulösen.

Wer Dialog ernst meint, sollte nicht nur zuhören, sondern auch öffentlich auf die inhaltlichen Kritikpunkte eingehen. Sonst bleibt der Eindruck, dass die Sorgen der Leser zwar als Anlass für eine Kolumne taugen, aber nicht für eine echte Auseinandersetzung mit den problematischen Mustern in der eigenen Berichterstattung.

Mit freundlichen Grüßen

Sehr geehrter Herr Reichl,

haben Sie vielen Dank für Ihre ausführliche Replik zu meiner Kolumne. Ich schätze es sehr, wenn Leserinnen und Leser ihre Kritik so konkret formulieren – gerade dann, wenn sie das Ziel haben, unsere journalistische Arbeit besser zu machen.

Sie schreiben, dass meine Darstellung aus Ihrer Sicht zu kurz greife und die geäußerte Kritik stärker auf konkrete Muster in unserer Berichterstattung ziele. Ich nehme diesen Hinweis ernst. Gleichzeitig möchte ich darauf hinweisen, dass uns fortlaufend Kritik aus sehr unterschiedlichen politischen Richtungen erreicht – und wir uns professionell und selbstkritisch damit auseinandersetzen.

Die von Ihnen angesprochenen Punkte diskutieren wir selbstverständlich intern: Fragen der Einordnung politischer Positionen, der Gewichtung von Stimmen sowie der Verantwortung im Umgang mit kontroversen Narrativen gehören zu unserem täglichen Qualitätsdiskurs. In einer Kolumne kann ich diese Themen jedoch nicht im Detail ausführen, weil sie einen anderen publizistischen Rahmen benötigen.

Gleichzeitig möchte ich klarstellen, dass pauschale Vorwürfe systematischer Fehlentwicklungen oder bewusst gestalteter Narrative aus meiner Sicht nicht den Kern redaktioneller Arbeit treffen. Unsere Journalistinnen und Journalisten arbeiten nach anerkannten professionellen Standards. Wenn uns Leserinnen und Leser konkrete Fehler oder Unausgewogenheiten rückmelden, gehen wir dem nach.

Ihr Anliegen, dass Dialog nicht beim Zuhören enden darf, sondern auch eine öffentliche Auseinandersetzung mit Kritik braucht, teile ich ausdrücklich. Deshalb habe ich die Gruppe zu einem weiteren Austausch in unsere Redaktion eingeladen. Ich würde mich sehr freuen, wenn dieses Gespräch zustande kommt.

Mit freundlichen Grüßen

Louisa Riepe

Sehr geehrte Frau Riepe,

vielen Dank für Ihre Rückmeldung und dafür, dass Sie sich mit meiner
Kritik auseinandersetzen.

Ich möchte noch einmal präzisieren, worauf meine Kritik abzielt. Sie
schreiben, dass pauschale Vorwürfe systematischer Fehlentwicklungen
nicht den Kern redaktioneller Arbeit treffen. Genau solche pauschalen
Vorwürfe habe ich jedoch nicht erhoben. Meine Kritik bezieht sich auf
konkrete, wiederkehrende Muster in der Berichterstattung, die sich
anhand klar benennbarer Beispiele nachvollziehen lassen.

Dazu zählen unter anderem:
– Kommentare, die zentrale AfD-Rahmungen übernehmen,
– wiederholte unkritische Weitergabe der Erzählungen von Friedrich
Merz in Kommentaren von Rena Lehmann,
– Interviews, in denen politisch stark aufgeladene oder nachweislich
falsche Aussagen unwidersprochen bleiben (z. B. Christian Dürr),
– eine ganzseitige, unkommentierte Darstellung der AfD wenige Monate zuvor.

Diese Fälle (meine Leserbriefe u.a. dazu liegen Ihrem Hause vor) sind
einzeln betrachtet vielleicht erklärbar, in ihrer Summe zeichnen sie
jedoch ein Muster, das nicht deckungsgleich ist mit dem Hinweis, dass
Kritik „aus allen Richtungen“ komme. Mein Anliegen ist daher kein
Generalverdacht, sondern die Bitte, diese inhaltlichen Beispiele als
Ausgangspunkt einer konkret geführten Qualitätsdiskussion zu nehmen.

Ich stimme Ihnen absolut zu, dass Dialog und Transparenz wichtig sind.
Genau deshalb halte ich es für notwendig, die angesprochenen Beispiele
inhaltlich zu diskutieren, nicht nur abstrakt über Standards oder
unterschiedliche politische Blickwinkel. Denn meine Kritik zielt nicht
darauf, dass die NOZ Fehler macht (das passiert überall), sondern
darauf, dass bestimmte politische Narrative häufiger unkritisch
transportiert werden als andere.

Mit freundlichen Grüßen
Timm Reichl