Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Schlagwort: NZZ

Leserbrief zu „Omas gegen rechts am Scheideweg“ von Elke Bodderas, NOZ vom 13.01.2026, Seite 3

Wie die NOZ mit einem NZZ-Text Antifaschismus delegitimiert: Leserbrief zu medialen Frames gegen „Omas gegen rechts“.

Hallo NOZ, hallo Frau Bodderas,

mit der unkommentierten Übernahme des NZZ-Artikels „Omas gegen rechts‘ am Scheideweg“ beteiligt sich die NOZ an einer gezielten Delegitimierung zivilgesellschaftlichen Engagements gegen Rechtsextremismus.

Der Text arbeitet nicht journalistisch, sondern mit emotionalisierenden Einzelfällen, Schuld-durch-Assoziation und suggestiven Frames. Eine einzelne Demonstrantin wird zur Chiffre für eine Bewegung mit Zehntausenden Mitgliedern gemacht. Anekdoten ersetzen Analyse, Unterstellungen ersetzen Einordnung. Antifaschismus wird dabei subtil als Extremismusverdacht gerahmt, ein altbekanntes Narrativ.

Besonders problematisch ist, dass die NOZ diesen Beitrag ohne jede redaktionelle Einordnung veröffentlicht. Kein Hinweis auf die politische Positionierung der NZZ, keine Gegenperspektive, keine Abwägung. So entsteht der Eindruck, als handle es sich um eine sachliche Recherche, tatsächlich ist es ein meinungsgetriebter Text mit klarer Agenda.

Wer zivilgesellschaftlichen Protest gegen rechts pauschal problematisiert, während rechte Netzwerke, Sprache und Gewalt systematisch verharmlost oder relativiert werden, verschiebt den demokratischen Maßstab. Dass ausgerechnet eine Bewegung älterer Frauen dafür herhalten muss, ist bezeichnend.

Ich erwarte von einer Regionalzeitung wie der NOZ mehr journalistische Distanz, mehr Kontext, und weniger Bereitschaft, politische Narrative anderer Medien ungeprüft zu transportieren.

Mit freundlichen Grüßen

Zur unkommentierten Übernahme des NZZ-Artikels „Die verlorenen Töchter“ zum Thema Trans in Tag 7 der NOZ, 28.12.2025, Seite 8

Warum die NOZ mit der unkommentierten Übernahme eines NZZ-Artikels zum Thema Trans ihre journalistische Verantwortung verfehlt.

Hallo NOZ,

mit Interesse, aber auch mit wachsendem Unbehagen habe ich auf Seite 8 den Artikel „Die verlorenen Töchter“ von Birgit Schmid gelesen, der aus der Neuen Zürcher Zeitung übernommen wurde.

Unabhängig davon, wie man persönlich zum Thema Transidentität steht, handelt es sich hierbei um einen stark perspektivischen, normativ geframten Text. Der Beitrag stellt nahezu ausschließlich die Sicht transkritischer Eltern dar, greift umstrittene Thesen wie „Rapid Onset Gender Dysphoria“ auf und arbeitet intensiv mit emotionalisierenden Einzelfällen, ohne diese wissenschaftlich sauber einzuordnen oder relevante Gegenpositionen abzubilden.

Die NZZ ist bekannt für ihre konservativ-rechtsliberale Positionierung, insbesondere bei gesellschafts- und kulturpolitischen Themen. Das ist ihr gutes Recht. Problematisch wird es jedoch, wenn ein solcher Text von der NOZ unkommentiert übernommen wird (und immer wieder werden). Dadurch entsteht der Eindruck, es handle sich um eine ausgewogene journalistische Analyse, nicht um eine klar positionierte Perspektive.

Gerade bei einem sensiblen Thema, das Minderjährige, medizinische Behandlungen und gesellschaftliche Minderheiten betrifft, halte ich eine redaktionelle Einordnung, ein Gegengewicht oder zumindest eine transparente Kennzeichnung für journalistisch geboten. Ohne diese Kontextualisierung wird Framing faktisch delegiert, und das kann zur weiteren Polarisierung beitragen, statt zur Aufklärung.

Ich würde mir wünschen, dass die NOZ bei der Übernahme externer Inhalte stärker ihrer eigenen publizistischen Verantwortung gerecht wird.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum NZZ Artikel „Ist es schon rechts, Kinder zu bekommen? -Kulturkampf tobt in den USA: Schwangere als Nazi bezeichnet / Thema wird von Linken fast nur noch negativ besetzt“, NOZ vom 27.11.2025, Seite 3

Warum der übernommene NZZ-Artikel ein falsches Bild von „der Linken“ zeichnet – und wie mediale Kulturkampf-Narrative entstehen.

Hallo NOZ (NZZ),

hier mein Leserbrief zum NZZ-Artikel, NOZ vom 27.11.2025, Seite 3.

Mit Verwunderung habe ich den aus der NZZ übernommenen Artikel „Ist es schon rechts, Kinder zu bekommen?“ gelesen. Was als Analyse verkauft wird, ist in Wahrheit ein Beispiel dafür, wie durch selektive Anekdoten aus dem extrem polarisierten US-Diskurs ein angeblich bedrohlicher „linker Mainstream“ konstruiert wird, und zwar ohne jeden Bezug zur politischen Realität in Deutschland.

Der Text verwendet eine Reihe rhetorischer Tricks: Einzelne überzogene Aktionen radikaler Aktivisten, Social-Media-Empörung oder die Positionen einzelner US-Autorinnen werden auf „die Linke“ insgesamt übertragen. Gleichzeitig werden rechte Influencer, Tradwives und pronatalistische Ideologen verharmlost oder sogar als positive Gegenstimmen inszeniert. So entsteht künstlich der Eindruck, als seien „Linke“ generell feindlich gegenüber Familie, Liebe und Kindern eingestellt.

Das ist ein Strohmann. Feministische Debatten in Deutschland drehen sich nicht um die Diffamierung von Kinderwunsch, sondern um gerechte Rahmenbedingungen: bessere Vereinbarkeit, faire Aufteilung von Care-Arbeit, Zugang zu Betreuung und reproduktiven Rechten. Diese berechtigte Kritik ersetzt der Artikel durch eine Karikatur eines angeblich „lebensfeindlichen“ linken Weltbildes.

Problematisch ist auch, dass die NOZ solche kulturkämpferischen Überhöhungen unkommentiert übernimmt. Meinungsbeiträge aus der NZZ sind häufig geprägt von einer rechtskulturellen Zuspitzung des amerikanischen Diskurses, nicht von einer nüchternen Analyse hiesiger gesellschaftlicher Verhältnisse. Wenn solche Narrative ohne Einordnung übernommen werden, trägt das eher zur Polarisierung bei, als dass es zur Aufklärung beiträgt.

Ich wünsche mir von der NOZ mehr redaktionelle Distanz und mehr journalistische Sorgfalt, wenn es darum geht, importierte Kulturkampf-Frames als deutsches Phänomen darzustellen. Gerade in Zeiten politischer Zuspitzung sollte eine regionale Zeitung sensibel damit umgehen, wie gesellschaftliche Gruppen dargestellt werden, und nicht zur künstlichen Spaltung beitragen.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum aus der NZZ übernommenen Interview mit Reiner Holznagel in der NOZ vom 22.10.2025

Der Leserbrief kritisiert, dass die NOZ das Interview mit Reiner Holznagel unkritisch wiedergibt und wirtschaftsliberale Lobbypositionen als neutrale Meinung darstellt, ohne Gegenstimmen zu berücksichtigen.

Hallo NOZ Team,  moin Redaktion, 

hier mein Leserbrief zum aus der NZZ übernommenen Interview mit Reiner Holznagel in der NOZ vom 22.10.2025.

Das ganzseitige Interview mit Reiner Holznagel vom Bund der Steuerzahler zeigt, wie unkritisch die NOZ wirtschaftsliberale Lobbypositionen wiedergibt. Der Steuerzahlerbund gibt sich als neutrale Bürgervertretung, ist aber ein Verband, der vor allem die Interessen von Unternehmen und Besserverdienenden vertritt.

Bereits Anja Reschke zeigte in ihrer ARD-Sendung, wie eng der Verband mit FDP-nahen Netzwerken verflochten ist. Er kritisiert staatliche Ausgaben, aber kaum Steuerprivilegien für Konzerne. So entsteht das Bild eines verschwenderischen Staates, ein Narrativ, das populistische Stimmungen befeuert.

Gerade jetzt brauchen wir öffentliche Investitionen in Bildung, Pflege und Klimaschutz statt pauschaler Sparparolen. Wenn die NOZ NZZ-Artikel übernimmt und solchen Stimmen breiten Raum gibt, sollte sie wenigstens kritische Gegenpositionen bieten.

Mit freundlichen Grüßen