Rena Lehmann sieht Berlins Polizisten vor der Linken flüchten. Der Faktencheck zeigt, von 72 „Anträgen“ sind nur sieben echt, und 58 sind Abwerbung aus Baden-Württemberg.

Hallo NOZ, hallo Frau Lehmann,

Ihre Kolumne über die Berliner Polizei habe ich mit Interesse gelesen, und mit ein paar Nachrecherchen. Dabei ist mir ein Detail aufgefallen. Der Berliner Wahltag war am 20. September, nicht am 6. September. Ein Lapsus, der mich neugierig gemacht hat, wie genau hier sonst geprüft wurde.

So komme ich auf die Kernaussage. Sie zitieren die Focus-Erhebung zu 72 Polizisten, die nach dem Wahlsieg „um Versetzung gebeten“ hätten. Der Focus selbst präzisiert dies. Es sind überwiegend unverbindliche Anfragen, keine Anträge, der Berliner Polizei liegen offiziell sieben vor. Und 58 der 72 Anfragen betrafen Baden-Württemberg, dessen Innenminister den Berliner Beamten zuvor aktiv Stellen angeboten hatte. Man kann das als Abwanderungssignal lesen, aber wer die aktive Abwerbung unterschweigt, macht aus einem Rekrutierungserfolg ein reines Politiksymptom. Das ist schief, auch wenn keine Ihrer Zahlen falsch ist.

Gleiches gilt für die Schilder mit „1312/ACAB“, die „gelegentlich“ Wahlkreisbüros führender Linker zieren. Belegt ist mir ein Fall, den Ihr Chefredakteur Burkhard Ewert am 21.05.2026 ausführlich behandelte. Der Plural verallgemeinert. Und die Gerichte unterscheiden ja ausdrücklich zwischen strafbarer Beleidigung einzelner Beamter und Institutionskritik, die von der Meinungsfreiheit gedeckt ist. Letzteres hat Herr Ewert selbst eingeräumt. Diese Unterscheidung fehlt in Ihrer Kolumne.

Ich gebe zu, ein Kommentar darf zuspitzen. Aber bei diesem Thema haben die Zahlen jeweils einen Kontext, der das Bild deutlich weniger dramatisch macht, als es von Ihnen gezeichnet wird. Vielleicht gibt es den Kontext, ich würde mich über eine Antwort freuen, denn die Kernfrage des Beitrags, ob Berlins Sicherheit wirklich wackelt, halte ich für diskussionswürdig.

Mit freundlichen Grüßen