Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Schlagwort: Populismus

Leserbrief zu „Populisten bleiben Populisten“ von Jonas Koch, NOZ vom 02.01.2026, Seite 7

Kritik an der NOZ: Warum soziale Kritik kein Populismus ist und die Gleichsetzung von Linkspartei und AfD eine gefährliche falsche Symmetrie darstellt.

Hallo NOZ, hallo Herr Koch,

der Meinungsbeitrag „Populisten bleiben Populisten“ von Jonas Koch leidet an einem zentralen analytischen Fehler. Er setzt linke Sozialpolitik und rechten Demokratieabbau unter dem Schlagwort „Populismus“ faktisch gleich und erzeugt damit eine falsche Symmetrie.

Wenn die Linke steigende Mieten, hohe Lebensmittelpreise und stagnierende Einkommen benennt, ist das kein Populismus, sondern die Beschreibung realer, statistisch belegbarer Probleme. Populismus beginnt nicht bei klarer Sprache, sondern dort, wo komplexe Ursachen bewusst verfälscht, Minderheiten zu Sündenböcken erklärt und demokratische Institutionen delegitimiert werden. Genau das unterscheidet linke Parteien fundamental von rechten Populisten.

Die Gleichsetzung „beide Ränder kochen nach dem gleichen Rezept“ mag rhetorisch gefällig sein, ist politisch aber irreführend. Die AfD bekämpft den pluralistischen Verfassungsstaat, die Linke streitet (ob man ihre Positionen teilt oder nicht) innerhalb dieses Rahmens für Umverteilung und soziale Sicherung. Wer diesen Unterschied verwischt, banalisiert die tatsächliche Gefahr für die Demokratie.Problematisch ist zudem der inflationäre Gebrauch des Populismusbegriffs. Wenn bereits verständliche Sprache, Social-Media-Präsenz und der Verzicht auf technokratische Worthülsen als Populismus gelten, bleibt von seriöser politischer Kommunikation kaum noch etwas übrig. Dann ist nicht Populismus das Problem, sondern eine politische Mitte, die sich zu lange hinter Verwaltungssprache versteckt hat.

Dass demokratische Parteien Wähler zurückgewinnen können, ist richtig. Dafür braucht es aber keine pauschale Populismusdiagnose, sondern die ehrliche Auseinandersetzung mit sozialen Realitäten, und die klare Unterscheidung zwischen demokratischer Interessenpolitik und autoritärer Stimmungsmache.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Kommentar „Studie zur Jobsuche im Bürgergeld – Zeit, die Scheindebatte zu beenden“ von Matti Gerstenlauer, NOZ vom 05.12.2025, Seite 1

Kritischer Leserbrief zur Bürgergelddebatte: Warum CDU-Behauptungen nicht mit der Realität übereinstimmen und die Bertelsmann-Studie populistische Mythen widerlegt.

Hallo NOZ, hallo Herr Gerstenlauer,

der Kommentar von Matti Gerstenlauer trifft den Punkt. Seit Monaten wird über das Bürgergeld mehr mit Vorurteilen als mit Fakten diskutiert. Vor allem die CDU hat mit völlig überzogenen Milliardenversprechen und pauschalen Schuldzuweisungen Stimmung gegen Schwache gemacht. Die neue Bertelsmann-Studie zeigt jedoch etwas völlig anderes.

CDU-Behauptungen vs. Realität

„Viele wollen nicht arbeiten.“

Tatsächlich nennen 74 % gesundheitliche Probleme als Hauptgrund.

„Jobcenter vermitteln – die Leute lehnen ab.“

43 % der Befragten haben noch nie ein Stellenangebot erhalten, 40 % keine Weiterbildung.

„Arbeiten lohnt sich nicht.“

Falsch. Selbst Mindestlohn bringt klar mehr ein als Bürgergeld.

„Härtere Regeln sparen Milliarden.“

Dafür gibt es keine belastbare Grundlage, im Gegenteil.

Die Debatte ist immer noch oft populistisch und wird auf dem Rücken der Schwächsten geführt. Wer ernsthaft Lösungen will, muss die Realität zur Kenntnis nehmen, nicht Scheinargumente und Nebelkerzen verbreiten. Der Kommentar hat völlig recht: Es ist höchste Zeit, diese Scheindebatte zu beenden.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Kommentar von Michael Clasen (Trumps Friedensplan für Israel und Hamas, NOZ vom 01.10.2025)

Kritik an Michael Clasens Kommentar: Trumps angeblicher Friedensplan ist populistische Illusion, die zentrale Ursachen des Gaza-Konflikts ausblendet.

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Clasen,

hier mein Leserbrief zum Kommentar von Michael Clasen (Trumps Friedensplan für Israel und Hamas, NOZ vom 01.10.2025).

Herr Clasen verklärt Donald Trump zum Friedensstifter, das ist Illusion. Trump hat in seiner Amtszeit Konflikte verschärft und internationale Abkommen zerstört. Wer nun glaubt, er könne Gaza in ein „neues Singapur“ verwandeln, unterschätzt seine populistische Showpolitik.

Hamas trägt Verantwortung für Terror und Leid, ja, doch Besatzung, Blockade und Siedlungspolitik Israels gehören ebenso zur Wahrheit. Kritik daran als „Täter-Opfer-Umkehr“ abzutun, ist gefährlich. Solidarität mit Israel und klare Kritik an der humanitären Katastrophe im Gazastreifen schließen sich nicht aus.

Trumps Plan taugt nicht als Friedenslösung, sondern höchstens als Schlagzeile.

Mit freundlichen Grüßen