Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Schlagwort: Stadtbild (Seite 1 von 2)

Leserbrief zu „Bremen plant Luxus-Toilette für eine Million Euro – In Bremen soll bald eine Millionen-Toilette „für alle“ gebaut werden“ von Sophie Wehmeyer, NOZ vom 12.12.2025, Seite 5

Warum Bremens neue öffentliche Toilette kein Luxus, sondern notwendige Infrastruktur für Teilhabe, Sicherheit und eine lebendige Innenstadt ist.

Hallo NOZ, hallo Frau Wehmeyer,

in der Diskussion um die angebliche „Luxus-Toilette“ in Bremen geht es leider kaum noch um die Sache, sondern nur um Empörung über Zahlen. Dabei scheint völlig unterzugehen, warum eine hochwertige öffentliche Toilette überhaupt nötig ist.

Seit Jahren gibt es in Bremen, wie in vielen Städten, einen realen Toiletten-Notstand. Wer älter ist, gesundheitliche Einschränkungen hat, Blasenschwäche kennt oder mit kleinen Kindern unterwegs ist, weiß genau, wie entscheidend der Zugang zu einer sauberen, sicheren und barrierefreien Toilette ist. Für viele Menschen entscheidet das darüber, ob sie die Innenstadt überhaupt besuchen können. Fehlende Toiletten bedeuten sozialen Ausschluss, besonders für Ältere, chronisch Kranke und FLINTA-Personen.

Dass eine moderne, betreute, barrierefreie Anlage mehr kostet als eine alte Stahlkabine, ist logisch. Aber öffentliche Infrastruktur ist nie kostenlos: Spielplätze, Bushaltestellen oder Straßenbeleuchtung kosten auch Geld, und trotzdem würde niemand sie abschaffen wollen. Saubere Toiletten gehören genauso zur Daseinsvorsorge einer Stadt wie öffentlicher Nahverkehr oder gepflegte Wege.

Anstatt reflexhaft von „Steuerverschwendung“ zu sprechen, sollte man anerkennen, dass diese Investition Aufenthaltsqualität, Sicherheit und Teilhabe schafft. Eine lebendige Innenstadt braucht Infrastruktur, die für alle funktioniert, auch dort, wo es nicht sofort Applaus gibt.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom Freitag, 21.11.2025, Seite 2, „Zum Weglaufen? Das Stadtbild von Belém – Wie sieht der brasilianische Ort aus, den Bundeskanzler Merz ganz schnell wieder verlassen wollte?“ von Tobias Käufer

Die NOZ-Berichterstattung zu Merz abwertender Bemerkung über Belém blendet die politischen Gründe für die bewusste Wahl des COP-Austragungsortes weitgehend aus und erzeugt damit ein verzerrtes Bild. Im folgenden Leserbrief erläutere ich, warum Belém gerade wegen seiner ökologischen und sozialen Bedeutung ausgewählt wurde, und weshalb Merz Kommentar dadurch nicht relativiert werden kann.

Hallo NOZ, hallo Herr Käufer,

in Ihrem Bericht über die Reaktionen auf die abwertende Äußerung von Bundeskanzler Merz zu Belém in der NOZ vom Freitag, 21.11.2025, entsteht der Eindruck, als sei der Austragungsort der COP30 eine fragwürdige Wahl gewesen. Fast so, als könnte die Stadt selbst die irritierende Bemerkung des Kanzlers nachträglich rechtfertigen. Dieses Framing ist problematisch.

Belém wurde nicht zufällig oder leichtfertig ausgewählt. Die brasilianische Regierung hat sich bewusst dafür entschieden, die Weltklimakonferenz erstmals in das Kerngebiet des Amazonas zu holen, dorthin, wo die Folgen der Entwaldung, der Klimakrise und sozialer Ungleichheit besonders sichtbar werden. Genau diese Sichtbarkeit war politisch gewollt: Die Welt sollte nicht in einem abgeschirmten Konferenzzentrum debattieren, sondern dort, wo die ökologische und soziale Realität des globalen Südens unmittelbar spürbar ist.

Dass Belém infrastrukturelle und soziale Herausforderungen hat, ist kein „Fehler“, es ist Teil der Realität, auf die aufmerksam gemacht werden soll. Die Wahl des Ortes ist deshalb ein starkes symbolisches Zeichen und ein notwendiger Impuls, um internationale Unterstützung für die Region zu mobilisieren.

Die Berichterstattung der NOZ unterschlägt diesen Kontext weitgehend und verengt die Perspektive auf den Zustand der Stadt. Damit erscheint Merz respektlose Bemerkung im Nachhinein fast nachvollziehbar. Die eigentliche Frage sollte jedoch sein, warum ein deutscher Bundeskanzler eine Gastgeberstadt herabwürdigt, statt die politische Bedeutung dieses Ortes anzuerkennen, und warum dies in der Berichterstattung nicht klarer eingeordnet wird.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu den jüngsten Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz über die brasilianische Stadt Belém, NOZ vom Donnerstag, 20.11.2025, Seite 4

Bundeskanzler Merz sorgte mit seiner Aussage über die brasilianische Stadt Belém bei der COP30 für Empörung. Der Leserbrief kritisiert die Bemerkung als außenpolitisch taktlos, respektlos gegenüber der Gastgeberstadt und symptomatisch für wiederkehrende Fehltritte in Südamerika. Auch der Kommentar „Steilvorlage für Brasilien“ unterstreicht, dass solche Äußerungen politische Risiken bergen und die diplomatische Wirkung deutscher Vertreter beeinträchtigen.

Hallo NOZ,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zu den jüngsten Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz über die brasilianische Stadt Belém, NOZ vom Donnerstag, 20.11.2025, Seite 4.

Die jüngsten Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz über die brasilianische Stadt Belém zeigen einmal mehr, wie schnell Unbedachtheit in der Außenpolitik Schaden anrichten kann. Während Merz betonte, Deutschland sei „eines der schönsten Länder der Welt“, verfehlte er die Gelegenheit, Respekt für die Gastgeberstadt der COP30 zu zeigen, einer Stadt, die nicht nur wegen ihrer Lage am Amazonas, sondern auch wegen der sozialen Herausforderungen und des Engagements vor Ort weltweite Aufmerksamkeit verdient.

Die Empörung in Brasilien war nicht übertrieben: Der Bürgermeister von Belém sprach von „unglücklich, arrogant und voreingenommen“, Präsident Lula verwies auf die kulturellen und kulinarischen Qualitäten der Stadt. Selbst Regierungssprecher und Kanzler betonten nachträglich, dass die Bemerkung sich nicht gegen Brasilien richten sollte, die Wirkung war dennoch verheerend.

Es zeigt sich ein Muster: Merz äußert sich über Südamerika ohne ausreichende Kenntnis der lokalen Verhältnisse und liefert damit unnötige Steilvorlagen für Kritik. Außenpolitische Sensibilität, Respekt vor Gastgebern und ein Bewusstsein für die internationale Wirkung eigener Worte sind elementar, gerade bei Klimakonferenzen, die globale Kooperation erfordern. Wer Verantwortung trägt, sollte sich dessen bewusst sein.

Ein Kanzler, der in wenigen Sätzen internationales Ansehen aufs Spiel setzt, darf nicht auf Erklärungen zurückgreifen, sondern muss souverän und respektvoll agieren. Deutschland sollte stolz auf seine Diplomatie sein, nicht auf den Vergleich mit anderen Ländern.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ-Doppelseite („Merz hat nur gesagt, was wir alle erleben / Merz hat mit Stadtbild-Aussage recht“ vom 27. Oktober 2025)

Der Leserbrief kritisiert, dass die NOZ Merz’ Stadtbild-Aussage normalisiert und rassistische Zuschreibungen als „Realität“ darstellt, statt soziale Ursachen und politische Verantwortung zu beleuchten.

Hallo NOZ,

ich sende Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ-Doppelseite mit den Artikeln Merz hat nur gesagt, was wir alle erleben / Merz hat mit Stadtbild-Aussage recht vom 27. Oktober 2025.

Die NOZ widmet eine ganze Seite der Verteidigung von Friedrich Merz Stadtbild-Aussage, und leistet damit genau das, was diese Aussage so gefährlich macht: Sie normalisiert sie.

Wenn Wolfgang Kubicki erklärt, Merz habe „nur gesagt, was wir alle erleben“, und ein Berliner Lokalakteur bestätigt, der Kanzler habe „recht, dann wird das Framing komplett übernommen: Rassistische Zuschreibungen werden zur „Alltagserfahrung verklärt.

Das Problem ist nicht, dass jemand auf Missstände hinweist, sondern wie er das tut. Wer Menschen im öffentlichen Raum zum „Problem im Stadtbild“ erklärt, verschiebt den Blick, weg von sozialen Ursachen und politischem Versagen, hin zu Hautfarbe, Herkunft und Kopftuch. Und wer das anschließend als „Realismus“ verkauft, trägt zur Enthemmung bei, die rechtspopulistische Diskurse erst stark macht.

Eine Redaktion, die solche Aussagen unkommentiert nebeneinanderstellt, verstärkt die Botschaft: Merz sagt, was angeblich „alle denken“. Damit wird nicht berichtet, sondern Stimmungen werden verstärkt, zulasten derer, die längst mit Ablehnung und Diskriminierung zu kämpfen haben.

Journalismus sollte Machtkritik üben, nicht Macht begleiten.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zum Kommentar von Lucas Wiegelmann (War der Stadtbild-Spruch von Merz Rassismus?, NOZ vom 22. Oktober 2025)

Der Leserbrief kritisiert, dass der NOZ-Kommentar Merz’ Stadtbild-Aussage verharmlost und Empörung darüber als „Theater“ darstellt, statt die rassistischen Untertöne und politische Verantwortung zu benennen.

Hallo NOZ Team, hallo Herr Wiegelmann,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zum Kommentar von Lucas Wiegelmann (War der Stadtbild-Spruch von Merz Rassismus?, NOZ vom 22. Oktober 2025).

Lucas Wiegelmann nennt Friedrich Merz’ Satz vom „Problem im Stadtbild“ einen „Zaubersatz“, der richtig und falsch zugleich sei. In Wahrheit war er vor allem eines: bezeichnend. Denn er transportiert unterschwellig das Bild, Menschen anderer Hautfarbe oder Herkunft seien ein „Problem“, das man „rückführen“ müsse, und genau diese Denkfigur ist es, die Rassismus normalisiert.

Statt das zu benennen, stilisiert Wiegelmann die Empörung darüber zum „Ergriffenheitstheater“. Damit verlagert er das Problem, weg von Merz’ Verantwortung als Kanzler, hin zu denen, die rassistische Untertöne kritisieren. So wird aus einer notwendigen Debatte über Sprache und gesellschaftliche Ausgrenzung ein Vorwurf an die „digital Empörten“.

Wer wirklich eine „Auseinandersetzung auf anderem Level“ will, sollte aufhören, gefährliche Begriffe schönzuschreiben, und anfangen, die Wirkung solcher Aussagen ernst zu nehmen, gerade, wenn sie von höchster politischer Stelle kommen.

Mit freundlichen Grüßen 

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