Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Schlagwort: USA

Leserbrief zu „Entscheidung gegen den Hass – Erika Kirk will Versöhnung im gespaltenen Land“ von Burkhard Ewert, NOZ vom 31.12.2025, Seite 34

Wenn Moral Analyse ersetzt: Ein Leserbrief über die journalistische Doppelmoral der NOZ im Umgang mit dem Kommentar zu Erika Kirk.

Hallo NOZ, hallo Herr Ewert,

der Kommentar von Burkhard Ewert zur Witwe von Charlie Kirk ist weniger Meinungsbeitrag als moralische Verklärung. Eine persönliche Geste der Vergebung wird zur politischen Großtat überhöht, während der politische Kontext systematisch ausgeblendet wird. Charlie Kirk war kein neutraler Versöhner, sondern ein zentraler Akteur der US-amerikanischen Rechtsradikalisierung. Diese Tatsache verschwindet im Text nahezu vollständig.

Auffällig ist dabei die journalistische Doppelmoral. Wo bei linken oder progressiven Akteuren jedes Wort, jede Nähe, jede Wirkungskette kritisch seziert wird, ersetzt hier religiöses Pathos die notwendige Einordnung. Kritik wird nicht argumentativ aufgegriffen, sondern pauschal als „Empörung ohne Maß“ delegitimiert. Das ist keine Auseinandersetzung, sondern eine moralische Abschottung.

Selbstverständlich ist es respektabel, wenn eine Witwe nicht zu Hass und Vergeltung aufruft. Daraus jedoch eine nationale Beruhigungserzählung zu konstruieren, ist journalistisch dünn und politisch bequem. Vergebung ist eine persönliche Haltung, sie enthebt weder Personen noch Bewegungen ihrer Verantwortung für das Klima, das sie mit geschaffen haben.

Meinungsstarke Kommentare sind legitim. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sie mit gleichen Maßstäben messen. Genau daran mangelt es diesem Text.

Dem Team der NOZ wünsche ich einen gesunden Start in 2026, bleiben Sie mir gewogen.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum NZZ Artikel „Ist es schon rechts, Kinder zu bekommen? -Kulturkampf tobt in den USA: Schwangere als Nazi bezeichnet / Thema wird von Linken fast nur noch negativ besetzt“, NOZ vom 27.11.2025, Seite 3

Warum der übernommene NZZ-Artikel ein falsches Bild von „der Linken“ zeichnet – und wie mediale Kulturkampf-Narrative entstehen.

Hallo NOZ (NZZ),

hier mein Leserbrief zum NZZ-Artikel, NOZ vom 27.11.2025, Seite 3.

Mit Verwunderung habe ich den aus der NZZ übernommenen Artikel „Ist es schon rechts, Kinder zu bekommen?“ gelesen. Was als Analyse verkauft wird, ist in Wahrheit ein Beispiel dafür, wie durch selektive Anekdoten aus dem extrem polarisierten US-Diskurs ein angeblich bedrohlicher „linker Mainstream“ konstruiert wird, und zwar ohne jeden Bezug zur politischen Realität in Deutschland.

Der Text verwendet eine Reihe rhetorischer Tricks: Einzelne überzogene Aktionen radikaler Aktivisten, Social-Media-Empörung oder die Positionen einzelner US-Autorinnen werden auf „die Linke“ insgesamt übertragen. Gleichzeitig werden rechte Influencer, Tradwives und pronatalistische Ideologen verharmlost oder sogar als positive Gegenstimmen inszeniert. So entsteht künstlich der Eindruck, als seien „Linke“ generell feindlich gegenüber Familie, Liebe und Kindern eingestellt.

Das ist ein Strohmann. Feministische Debatten in Deutschland drehen sich nicht um die Diffamierung von Kinderwunsch, sondern um gerechte Rahmenbedingungen: bessere Vereinbarkeit, faire Aufteilung von Care-Arbeit, Zugang zu Betreuung und reproduktiven Rechten. Diese berechtigte Kritik ersetzt der Artikel durch eine Karikatur eines angeblich „lebensfeindlichen“ linken Weltbildes.

Problematisch ist auch, dass die NOZ solche kulturkämpferischen Überhöhungen unkommentiert übernimmt. Meinungsbeiträge aus der NZZ sind häufig geprägt von einer rechtskulturellen Zuspitzung des amerikanischen Diskurses, nicht von einer nüchternen Analyse hiesiger gesellschaftlicher Verhältnisse. Wenn solche Narrative ohne Einordnung übernommen werden, trägt das eher zur Polarisierung bei, als dass es zur Aufklärung beiträgt.

Ich wünsche mir von der NOZ mehr redaktionelle Distanz und mehr journalistische Sorgfalt, wenn es darum geht, importierte Kulturkampf-Frames als deutsches Phänomen darzustellen. Gerade in Zeiten politischer Zuspitzung sollte eine regionale Zeitung sensibel damit umgehen, wie gesellschaftliche Gruppen dargestellt werden, und nicht zur künstlichen Spaltung beitragen.

Mit freundlichen Grüßen

NOZ vom Samstag, 12.09.2025, Seite 2, Charlie Kirk

Leserbrief zur NOZ: Der Tod von Charlie Kirk wird emotionalisiert, während rechte Gewalt in Deutschland oft kaum Beachtung findet. Warum wird ein US-Propagandist als Märtyrer inszeniert, während rechte Gewalt vor der eigenen Haustür ignoriert wird?

Sehr geehrte Redaktion,

Ihre ausführliche Berichterstattung über den Tod von Charlie Kirk und die Festnahme des Tatverdächtigen liest sich wie ein Heldenepos: Rosen, Kerzen, Trauerbilder, Zitate von Trump, Forderungen nach der Todesstrafe. Fast geht dabei unter, dass Kirk kein „unabhängiger Demokratiedebatten-Verfechter“ war, sondern ein zentraler Propagandist rechter Desinformation und Hetze (Turning Point USA).

Natürlich ist ein Anschlag zu verurteilen, aber warum diese Märtyrer-Inszenierung, während rechte Gewalt in Deutschland, die zahlenmäßig das weit größere Problem darstellt, oft kaum Schlagzeilen wert ist? Wer Trump ungefiltert zitieren darf, wenn er pauschal „die radikale Linke“ verantwortlich macht, wird unweigerlich Teil seiner Propaganda.

Meine Frage an die NOZ: Warum wird ein rechter Agitator in den USA seitenfüllend emotionalisiert, während rechtsextreme Netzwerke und Gewalt vor unserer eigenen Haustür oft nur Randnotizen bleiben?

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu Michael Clasens Kommentar „Attentat auf Charlie Kirk: Gefahr für Demokratie und Freiheit“ (NOZ, 11.09.2025)

Trump und Kirk sind keine „ultra-konservativen Aktivisten“, sondern zentrale Figuren der radikalen Rechten. Ihre Hetze und antidemokratischen Narrative gefährden die Demokratie – die wahre Bedrohung wird durch das Verschweigen verharmlost.

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Clasen,

Ihr Kommentar verkennt die politische Realität. Donald Trump und Charlie Kirk sind keine „ultra-konservativen Aktivisten“, sondern zentrale Figuren der radikalen Rechten. Trump hat mit Lügen über die Wahl, systematischer Diffamierung der Presse und autoritären Drohungen die Grundlagen der Demokratie angegriffen. Kirk wiederum hat als Gründer von Turning Point USA gezielt Desinformation, Hetze gegen Minderheiten und antidemokratische Narrative verbreitet.

Wer beide vor allem als Opfer darstellt und „Cancel Culture“ von links zum Kernproblem erklärt, verharmlost die eigentliche Bedrohung: den Rechtsextremismus, der weltweit Demokratien untergräbt. Gewalt ist niemals zu rechtfertigen, aber ebenso wenig das Verschweigen der Rolle jener, die das Klima der Spaltung selbst massiv befeuert haben.

Mit freundlichen Grüßen