Rückwärtsgewandt statt zukunftsfähig. Warum Michael Clasens Analyse zu VW in der NOZ an der Realität vorbeigeht.
Hallo NOZ, hallo Herr Clasen,
Michael Clasen bedient sich in seiner Meinung im der NOZ vom 11.03.2026 eines längst widerlegten Mythos, das angebliche „EU-Verbrennerverbot“. Tatsächlich gibt es kein solches Verbot, nur Klimaziele, die andere Länder als Chance nutzen. Während China und die USA mit E-Mobilität und autonomem Fahren die Zukunft gestalten, klammert sich Deutschland an überholte Technologien. Dass Clasen den Dieselskandal, ein zentrales Symbol für die Selbsttäuschung der Branche, verschweigt, passt ins Bild. Hier wird Geschichte umgeschrieben, statt Lehren zu ziehen.
Clasens Verweis auf E-Fuels als „Option“ ist entweder naiv oder bewusste Desinformation. Selbst die Industrie hat diese Technologie für den Privatverkehr ad acta gelegt, zu ineffizient, zu teuer. Stattdessen fließen Steuermilliarden in eine Sackgasse, während chinesische Hersteller mit preiswerten E-Autos und innovativer Software den Markt erobern. Wer hier von „Wettbewerbsfähigkeit“ spricht, ignoriert die Fakten.
Clasen kritisiert die 35-Stunden-Woche, doch statt die Diskussion auf die tatsächlichen Herausforderungen zu lenken, wird sie als Argument für mangelnde Wettbewerbsfähigkeit instrumentalisiert. Dabei sind es nicht die Gewerkschaften, die Innovationen blockieren, sondern eine Kultur der Beharung in Management und Politik. Gewerkschaften haben ihre Berechtigung, doch ihre Rolle muss heute darin bestehen, gerechte Transitionen zu gestalten, nicht veraltete Strukturen zu zementieren.
Die Diagnose ist klar, VW hat jahrzehntelang auf Verbrenner gesetzt, die Digitalisierung verschlafen und sich in Bürokratie und überhöhten Managergehältern verlaufen. Dass nun 50.000 Stellen gestrichen werden sollen, ist keine politische Attacke, sondern Folge dieser strategischen Blindheit. Die Lösung? Keine Rüstungsproduktion in unrentablen Werken, sondern ein radikaler Neustart mit wettbewerbsfähigen E-Autos, schlankeren Strukturen, und eine kooperative Transformation, die Beschäftigte mitnimmt.
Clasens Beitrag ist ein Musterbeispiel dafür, wie Verantwortung externalisiert wird. Doch die Wahrheit ist: Die deutsche Autoindustrie hat sich selbst in diese Krise manövriert. Gewerkschaften, Management und Politik müssen jetzt gemeinsam handeln, nicht gegeneinander. Wer die Kurve noch kriegen will, braucht klare Ziele, Investitionen in Zukunftstechnologien und den Willen, soziale Gerechtigkeit mit wirtschaftlichem Fortschritt zu verbinden. Alles andere ist Zeitverschwendung.
Mit freundlichen Grüßen