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Schlagwort: Windkraft

Leserbrief zu „Habecks Windräder verfassungswidrig? Ein Gutachten stellt den Turbo-Ausbau in Deutschland infrage: Recht auf Eigentum verletzt“ von Lucas Wiegelmann, NOZ vom 12.02.2026, Seite 6

Wenn Meinung als Nachricht verkauft wird; eine kritische Einordnung der Windkraft-Debatte und des politischen Framings vgegen Habeck von Lucas Wiegelmann in der NOZ.

Hallo „neue“ NOZ, hallo Herr Wiegelmann,

der Artikel „Sind Habecks Windräder verfassungswidrig?“ erweckt den Eindruck, als stünde der beschleunigte Ausbau der Windkraft juristisch auf tönernen Füßen. Tatsächlich wird hier jedoch ein einzelnes Rechtsgutachten, beauftragt von einem erklärten Windkraft-Gegnerverein, stark überhöht und politisch instrumentalisiert.

Ein Gutachten ist kein Urteil. Über Verfassungswidrigkeit entscheidet allein das Bundesverfassungsgericht, und bislang hat die Rechtsprechung § 2 EEG gerade nicht kassiert. Dass der Gesetzgeber öffentliche Interessen priorisiert, ist im deutschen Planungsrecht seit Jahrzehnten gängige Praxis, beim Straßenbau, bei Bahnprojekten oder beim Hochwasserschutz. Warum ausgerechnet der Klimaschutz dabei plötzlich als verfassungsrechtlicher Tabubruch gelten soll, bleibt unbegründet.

Besonders irritierend ist die Personalisierung. Ständig ist von „Habecks Norm“ die Rede, obwohl es sich um ein vom Bundestag beschlossenes Gesetz handelt. Diese Zuspitzung dient weniger der Aufklärung als der politischen Abrechnung. Gleichzeitig wird der entscheidende verfassungsrechtliche Kontext nur am Rand erwähnt. Der Klimaschutz ist mit Artikel 20a selbst Verfassungsauftrag. Das Bundesverfassungsgericht hat 2021 ausdrücklich festgestellt, dass der Staat frühzeitig und entschieden handeln muss, um Freiheitsrechte künftiger Generationen zu schützen.

Natürlich kann und muss man über Akzeptanz, kommunale Planungshoheit und die konkrete Ausgestaltung von Genehmigungsverfahren diskutieren. Doch wer ein parteiliches Gutachten zur vermeintlichen Wahrheit erklärt und es als Beleg für das Scheitern der Energiewende nutzt, ersetzt Debatte durch Framing.

Das ist kein nüchterner Journalismus, sondern Meinung, und als solche sollte sie auch kenntlich gemacht werden.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Artikel zu Clasen Talk „Vier von fünf Bäumen sind nicht gesund“ in der NOZ vom Montag, 17.11.2025 (Windkraft als Gefahr)

Windkraft im Wald wird häufig überdramatisiert, während die eigentlichen Ursachen der Waldschäden – Klimawandel und Braunkohleabbau – kaum erwähnt werden. Der Leserbrief fordert eine sachliche Abwägung statt pauschaler Panikmache.

Hallo NOZ, hallo Herr Clasen,

ich sende Ihnen meinen Leserbrief zum Artikel zu Clasen Talk „Vier von fünf Bäumen sind nicht gesund“ in der NOZ vom Montag, 17.11.2025.

Im jüngsten Clasen Talk wurde erneut Windkraft im Wald als große Gefahr dargestellt. Das verzerrt die Realität. Die massiven Waldschäden der letzten Jahre stammen nicht von Windrädern, sondern vom Klimawandel: Dürre, Hitze und Borkenkäfer haben hunderttausende Hektar zerstört. Vier von fünf Bäumen gelten laut Waldzustandsbericht als geschädigt, ganz ohne Einfluss der Energiewende.

Auch die oft beschworenen „autobahnähnlichen Schneisen“ sind überzogen. Der Bau eines Windrades bedeutet einen Eingriff, aber einen begrenzten. Viele Flächen werden später wieder aufgeforstet. Zum Vergleich: Für Braunkohleabbau wie in Garzweiler oder Lützerath wurden ganze Wälder und Ortschaften ausgelöscht, über Jahrzehnte hinweg und in riesigen Dimensionen. Diese Relationen sollte man nicht ausblenden.

Entscheidend ist eine ehrliche Abwägung: Naturschutzverbände befürworten Windkraft auf geschädigten Monokulturen oder Kahlflächen, während artenreiche Altwälder tabu bleiben müssen. Wer jedoch jede Anlage im Wald pauschal verteufelt, bremst nicht nur die Energiewende, sondern schwächt am Ende auch den Waldschutz.

Denn ohne wirksame Klimapolitik wird der Wald weiter verlieren, unabhängig davon, wie viele Windräder wir verhindern.

Mit freundlichen Grüßen