Warum Bremens neue öffentliche Toilette kein Luxus, sondern notwendige Infrastruktur für Teilhabe, Sicherheit und eine lebendige Innenstadt ist.

Hallo NOZ, hallo Frau Wehmeyer,

in der Diskussion um die angebliche „Luxus-Toilette“ in Bremen geht es leider kaum noch um die Sache, sondern nur um Empörung über Zahlen. Dabei scheint völlig unterzugehen, warum eine hochwertige öffentliche Toilette überhaupt nötig ist.

Seit Jahren gibt es in Bremen, wie in vielen Städten, einen realen Toiletten-Notstand. Wer älter ist, gesundheitliche Einschränkungen hat, Blasenschwäche kennt oder mit kleinen Kindern unterwegs ist, weiß genau, wie entscheidend der Zugang zu einer sauberen, sicheren und barrierefreien Toilette ist. Für viele Menschen entscheidet das darüber, ob sie die Innenstadt überhaupt besuchen können. Fehlende Toiletten bedeuten sozialen Ausschluss, besonders für Ältere, chronisch Kranke und FLINTA-Personen.

Dass eine moderne, betreute, barrierefreie Anlage mehr kostet als eine alte Stahlkabine, ist logisch. Aber öffentliche Infrastruktur ist nie kostenlos: Spielplätze, Bushaltestellen oder Straßenbeleuchtung kosten auch Geld, und trotzdem würde niemand sie abschaffen wollen. Saubere Toiletten gehören genauso zur Daseinsvorsorge einer Stadt wie öffentlicher Nahverkehr oder gepflegte Wege.

Anstatt reflexhaft von „Steuerverschwendung“ zu sprechen, sollte man anerkennen, dass diese Investition Aufenthaltsqualität, Sicherheit und Teilhabe schafft. Eine lebendige Innenstadt braucht Infrastruktur, die für alle funktioniert, auch dort, wo es nicht sofort Applaus gibt.

Mit freundlichen Grüßen