Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Kategorie: Leon Grupe

Leserbrief zu „Diese Stadt ist eine AfD-Hochburg – aber warum?“ von Leon Grupe, NOZ vom 06.03.2026

AfD in Rastatt. Warum die NOZ die rechtsextreme Partei verharmlost.

Hallo NOZ, hallo Herr Grupe,

Ihr Artikel über Rastatt als „AfD-Hochburg“ ist ein trauriges Beispiel dafür, wie Medien unfreiwillig zur Normalisierung einer rechtsextremen Partei beitragen. Statt die AfD als das zu benennen, was sie ist, nämlich eine vom Verfassungsschutz als „gesichert extremistisch“ eingestufte Organisation, wird sie als bloßer „Protestkanal“ für frustrierte Bürger:innen dargestellt.

Das ist gefährlich. Kein Wort zur Verfassungsschutz-Einstufung der AfD, weder bundesweit noch in Baden-Württemberg. Keine klare Benennung ihrer rassistischen Kernforderungen wie „Remigration“ oder Angriffe auf die Demokratie. Keine Einordnung, dass die AfD gezielt Desinformation streut, obwohl die Polizei Rastatt als so sicher wie seit Jahren nicht beschreibt.

Stattdessen wird die Kneipe „Goldener Hirsch“ mit völkischen Sprüchen wie „Deutsches Schutzgebiet“ als „authentischer Ort“ beschrieben, ohne zu erklären, dass solche Symbole rechtsextreme Codes sind.

Besonders problematisch ist, dass der AfD-Landtagskandidat Philipp Helber als „sachlicher Politiker“ porträtiert wird, der sich um „was die Menschen wirklich interessiert“ kümmert. Dass die AfD keine Lösungen hat (außer Hetze gegen Migrant:innen und Klimapolitik), bleibt unerwähnt. Stattdessen wird ihre gezielte Täuschung als „bürgerlicher Protest“ verklärt.

Journalismus darf Extremismus nicht schönreden. Die AfD ist keine „Alternative“, sondern eine Gefahr für die Demokratie. Wenn die NOZ sie als „Stimme des Volkes“ darstellt, ohne ihre rassistische, verfassungsfeindliche Ideologie zu benennen, dann ist das keine Neutralität, das ist Komplizenschaft.

Mit kritischen Grüßen

Leserbrief zu „Umgang mit der AfD – Abgrenzung bleibt weiter nötig“ von Leon Grupe, NOZ vom 03.01.2026, Seite 1

Kritischer Leserbrief zur AfD-Debatte: Warum CDU und Medien durch Grenzverschiebung und falsche Ausgewogenheit Rechtsextreme stärken.

Hallo NOZ, hallo Herr Grupe,

hier mein Leserbrief:

Brandmauer ist Pflicht und nicht verhandelbar

Die AfD ist nicht wegen der Brandmauer stark geworden, sondern weil sie politisch und medial immer wieder aufgeweicht wurde. Wer das Gegenteil behauptet, ignoriert Forschung und Erfahrung. Politikwissenschaftlich ist seit Jahren klar, dass die Übernahme rechter Narrative und das gemeinsame Abstimmen mit Rechtsaußen stärken nicht die Demokratie, sondern legitimieren Extremisten.

Besonders die CDU/CSU trägt hier Verantwortung. Unter Friedrich Merz wurden migrationspolitische Zuspitzungen, symbolische Härte und bewusste Grenzverschiebungen salonfähig gemacht, bis hin zu gemeinsamen Mehrheiten mit der AfD im Bundestag. Das ist kein „strategischer Fehler“, sondern ein Tabubruch. Wer AfD-Positionen kopiert oder ihre Stimmen billigend in Kauf nimmt, stärkt das Original.

Die Fakten sind eindeutig: Die AfD wird in mehreren Bundesländern als gesichert rechtsextrem eingestuft, bundesweit als Verdachtsfall. Führende Vertreter relativieren NS-Verbrechen, propagieren „Remigration“ und greifen die freiheitlich-demokratische Grundordnung offen an. Das ist keine normale Partei.

Auch Medien tragen Verantwortung. Wenn rechtsextreme Positionen als legitime „Alternative“ oder taktische Option diskutiert werden, verschiebt sich der Maßstab. Demokratie braucht Widerspruch, nicht falsche Ausgewogenheit.

Eine Brandmauer ersetzt keine gute Politik. Aber ohne eine glaubwürdige, konsequente Abgrenzung verlieren demokratische Parteien ihre rote Linie und machen Rechtsextreme anschlussfähig. Das darf nicht der Preis für kurzfristige Umfragegewinne sein.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Kommentar „Flirt“ der Familienunternehmer mit der AfD – Am Ende nur ein Gewinner“ von Leon Grupe, NOZ vom 03.12.2025, Seite 2

Wie die Familienunternehmer mit ihrem AfD-Flirt Vertrauen verspielen und warum Ostermann die Verantwortung übernehmen sollte.

Hallo NOZ, hallo Herr Grupe,

der Kommentar über den „Flirt“ der Familienunternehmer mit der AfD trifft den Kern des Problems: Jeder vermeintlich „neutrale“ Austausch mit dieser Partei trägt zur schleichenden Normalisierung einer politischen Kraft bei, die weit außerhalb demokratischer und wirtschaftlicher Vernunft agiert. Dass ein Verband mit der öffentlichen Wirkung der Familienunternehmer diese Bühne überhaupt eröffnet hat, war ein strategischer Fehler von erheblicher Tragweite.

Ich möchte den Kommentar um einen weiteren Aspekt erweitern: Die Verantwortung für dieses Debakel trägt in erster Linie Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann. Sie hat nicht nur das Kontaktverbot zur AfD aufgeweicht, sondern sitzt gleichzeitig im Beirat des rechtskonservativen Thinktanks Republik21, der seit Jahren versucht, eine gemeinsame ideologische Schnittmenge zwischen CDU und AfD zu etablieren. Wer solche politischen Netzwerke pflegt, kann kaum glaubhaft vermitteln, es ginge ihm um eine kritische Auseinandersetzung oder gar um eine „Entzauberung“ der AfD.

Gerade deshalb ist die nachträgliche Rückkehr zur Distanz wenig überzeugend. Der Schaden ist bereits entstanden: Die AfD wurde aufgewertet, der Verband politisch instrumentalisiert, und viele der eigenen Mitgliedsunternehmen distanzierten sich entsetzt. Konsequenz wäre jetzt nicht bloß ein verbales Abrücken, sondern ein klarer personeller Neuanfang. Ein Rücktritt Ostermanns wäre das einzig glaubwürdige Signal, dass der Verband aus diesem Fehler tatsächlich Konsequenzen zieht.

Es geht hier nicht um Symbolpolitik, sondern um die Grundfrage, ob demokratische Institutionen bereit sind, einer rechtsextrem gefährlichen Partei Einhalt zu gebieten, oder ob sie, bewusst oder unbewusst, zu deren Normalisierung beitragen. Der Kommentar benennt diese Gefahr treffend. Jetzt braucht es auch klare Entscheidungen.

Mit freundlichen Grüßen