Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Kategorie: Die rechtsextreme AfD (Seite 3 von 5)

Leserbrief zur NOZ vom Samstag, 30.08.2025, Meinung Burkhardt Ewert zu Angela Merkels „Wir schaffen das“, Seite 1

Der Kommentar zu Merkels „Wir schaffen das“ verzerrt 2015. Die Zahl der Geflüchteten war nicht so dramatisch wie oft behauptet, und ihre Integration war erfolgreich. Merkel setzte auf Humanität und Integration – und hatte recht.

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Ewert,

hier mein Leserbrief zur NOZ vom Samstag, 30.08.2025, Meinung Burkhardt Ewert, Seite 1.

Der Kommentar zu Angela Merkels „Wir schaffen das“ verzerrt das Bild von 2015. Ja, damals stieg die Zahl der Asylanträge stark an, rund 476.000 im Jahr, wir alle wissen warum. Von „Millionen Syrern“ kann aber keine Rede sein, und längst nicht alle sind geblieben.

Auch die Behauptung, Merkels Entscheidung habe den Brexit „entscheidend“ ausgelöst, ist historisch unhaltbar. Das Referendum war längst angekündigt, die britische EU-Skepsis tief verwurzelt. Merkels Politik war vielleicht ein Mosaikstein, sicher aber nicht der Schlüssel zum Austritt.

Gern wird auch der Aufstieg der AfD allein auf 2015 zurückgeführt. Das ist bequem, blendet aber andere Ursachen wie soziale Abstiegsängste und allgemeine Politikverdrossenheit aus.

Vor allem unterschlägt der Kommentar die Realität von heute: Laut IAB sind inzwischen 64 % der 2015 Geflüchteten erwerbstätig, rechnet man Selbstständige hinzu sogar knapp 70 %. Damit liegt diese Gruppe fast gleichauf mit der Beschäftigungsquote der Gesamtbevölkerung (77 %). Männliche Geflüchtete arbeiten sogar überdurchschnittlich häufig. Wer also behauptet, Merkels Entscheidung habe Deutschland nur geschadet, ignoriert diese Fakten.

Angela Merkels „Wir schaffen das“ war kein Ausdruck von Willkür, sondern eine politische Wette auf Humanität und Integrationskraft. Zehn Jahre später zeigt sich: Ganz so falsch lag sie nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Artikel „Wir schaffen das half der AfD beim Aufstieg“ (NOZ vom 26.08.2025, Seite 3)

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Grupe,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zum Artikel „Wir schaffen das half der AfD beim Aufstieg“ (NOZ vom 26.08.2025, Seite 3).

Der Beitrag von Leon Grupe reduziert den Aufstieg der AfD fast vollständig auf Angela Merkels Entscheidung im Sommer 2015. Diese Sichtweise greift viel zu kurz und greift auf ein längst bekanntes, aber stark vereinfachtes Narrativ zurück.

Erstens: Die Ursachen für den Erfolg der AfD sind komplex. Neben der Flüchtlingsbewegung spielten auch Eurokrise, soziale Spaltung, die Ost-West-Differenz, interne Kurswechsel der AfD sowie gezielte Desinformationskampagnen eine wesentliche Rolle. Wer Merkels „Wir schaffen das“ als fast alleinigen Auslöser darstellt, unterschlägt diese Faktoren und verengt den Blick.

Zweitens: Die Darstellung der Kölner Silvesternacht als Beispiel für „hunderte Frauen“ ist irreführend. Fakt ist: Es gab über 1.000 Anzeigen, davon rund 660 mit sexuellem Bezug, überwiegend wegen Belästigungen im Gedränge. Von „hunderten vergewaltigten Frauen“ kann keine Rede sein. Solche Zuspitzungen tragen eher zur Mythenbildung bei, als dass sie zur sachlichen Aufarbeitung beitragen.

Drittens: Wer Merkels Politik die „Schuld“ am AfD-Aufstieg zuschiebt, entlastet damit paradoxerweise die AfD selbst. Eine demokratische Öffentlichkeit sollte nicht die populistische Erzählung verstärken, dass allein „die Flüchtlingspolitik“ diese Partei groß gemacht habe.

Eine seriöse Analyse muss die Mehrdimensionalität der Ursachen anerkennen und darf nicht in einfachen Schuldzuweisungen stecken bleiben.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zum Kommentar „Der Sozialstaat braucht Reformen“ von Rena Lehmann (NOZ, 25. August 2025)

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrte Frau Lehmann,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zum Kommentar „Der Sozialstaat braucht Reformen“ von Rena Lehmann (NOZ, 25. August 2025).

Der Eindruck, Bürgergeld sei zu bequem und werde massenhaft missbraucht, ist durch Zahlen nicht gedeckt. 2023 wurden nur rund 0,4 % der erwerbsfähigen Beziehenden wegen Arbeitsverweigerung sanktioniert, der Großteil der Sanktionen betrifft Meldeversäumnisse. Seit 2024 ist zudem eine Totalsanktion bis zu zwei Monaten bereits möglich, härtere Regeln gibt es also schon.

Die eigentlichen Ausgabensteigerungen liegen nicht im Bürgergeld, sondern bei Rente, Gesundheit und Pflege. Wer Bürgergeldbeziehende dennoch in den Fokus rückt, verschiebt den Blick und spielt der AfD in die Hände. Studien zeigen: Soziale Unsicherheit und gefühlte Ungerechtigkeit sind Nährboden für rechtspopulistische Protestwahl.

Reformen braucht es, aber mit Augenmaß und Chancenorientierung, nicht mit Symbolpolitik auf Kosten der Schwächsten.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur NOZ vom Samstag, 16.08.2025, Seite 5, AfD im Norden schwach v. Susanne Link

Guten Tag Frau Link, sehr geehrte Redaktion,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Samstag, 16.08.2025, Artikel auf Seite 5, AfD im Norden schwach von Susanne Link.

Ihr Artikel reiht sich leider in ein Muster ein, das in Ihrer Berichterstattung zur AfD immer wieder auffällt: Die Partei wird überwiegend wie eine „normale“ politische Kraft dargestellt, deren Erfolg oder Misserfolg vor allem von internen Querelen oder der jeweiligen politischen Kultur abhängt.

Was dabei regelmäßig zu kurz kommt, ist die inhaltliche Einordnung: Die AfD ist keine gewöhnliche Protestpartei, sondern wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall eingestuft. Ihre Funktionäre relativieren den Nationalsozialismus, verbreiten rassistische und demokratiefeindliche Positionen. Genau das unterscheidet sie fundamental von anderen Parteien.

Untersuchungen zeigen inzwischen deutlich, dass eine zu neutrale, normalisierende Berichterstattung die AfD stärkt. Wenn Medien ihre Rhetorik oder ihre Personalquerelen lediglich beschreiben, ohne die ideologischen Gefahren konsequent einzuordnen, verschiebt sich der öffentliche Diskurs unmerklich nach rechts. Damit laufen Zeitungen Gefahr, ungewollt zu einem Resonanzraum für extremistische Narrative zu werden.

Eine Zeitung wie die NOZ trägt eine besondere Verantwortung für die demokratische Kultur in unserer Region. Ich wünsche mir daher eine kritischere Auseinandersetzung mit der AfD – nicht nur die Frage, warum sie in Schleswig-Holstein schwächer ist, sondern vor allem, warum ihre Inhalte für unsere Demokratie gefährlich sind.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom Samstag, 02.08.2025, Seite 11, AfD

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Hinrichs,

hier mein Leserbrief zur heutigen NOZ, Artikel AfD auf Seite 11.

Der NOZ-Artikel über angebliche Mitgliedergewinne der AfD nach einer Protestaktion liest sich fast wie ein Werbetext der Partei, inklusive Häme und Selbstinszenierung. Statt kritisch zu hinterfragen, ob 29 Teilnehmer wirklich ein „voller Erfolg“ sind, wird brav Meyers Botschaft verbreitet: Protest schadet, die AfD profitiert. Kein Wort zur berechtigten Kritik an einer laut Verfassungsschutz rechtsextremen Partei, stattdessen Bühne frei für das übliche Ätsch.

Demokratischer Protest wird so zum Bumerang verklärt, und die AfD zur Märtyrerin stilisiert. Das mag Klicks bringen, aber kein Stück Aufklärung. Pressefreiheit heißt nicht, der Propaganda der Rechten blind die Tür zu öffnen.

Mit freundlichen Grüßen 

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