Wie die NOZ mit einem NZZ-Text Antifaschismus delegitimiert: Leserbrief zu medialen Frames gegen „Omas gegen rechts“.
Hallo NOZ, hallo Frau Bodderas,
mit der unkommentierten Übernahme des NZZ-Artikels „Omas gegen rechts‘ am Scheideweg“ beteiligt sich die NOZ an einer gezielten Delegitimierung zivilgesellschaftlichen Engagements gegen Rechtsextremismus.
Der Text arbeitet nicht journalistisch, sondern mit emotionalisierenden Einzelfällen, Schuld-durch-Assoziation und suggestiven Frames. Eine einzelne Demonstrantin wird zur Chiffre für eine Bewegung mit Zehntausenden Mitgliedern gemacht. Anekdoten ersetzen Analyse, Unterstellungen ersetzen Einordnung. Antifaschismus wird dabei subtil als Extremismusverdacht gerahmt, ein altbekanntes Narrativ.
Besonders problematisch ist, dass die NOZ diesen Beitrag ohne jede redaktionelle Einordnung veröffentlicht. Kein Hinweis auf die politische Positionierung der NZZ, keine Gegenperspektive, keine Abwägung. So entsteht der Eindruck, als handle es sich um eine sachliche Recherche, tatsächlich ist es ein meinungsgetriebter Text mit klarer Agenda.
Wer zivilgesellschaftlichen Protest gegen rechts pauschal problematisiert, während rechte Netzwerke, Sprache und Gewalt systematisch verharmlost oder relativiert werden, verschiebt den demokratischen Maßstab. Dass ausgerechnet eine Bewegung älterer Frauen dafür herhalten muss, ist bezeichnend.
Ich erwarte von einer Regionalzeitung wie der NOZ mehr journalistische Distanz, mehr Kontext, und weniger Bereitschaft, politische Narrative anderer Medien ungeprüft zu transportieren.
Mit freundlichen Grüßen