Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Kategorie: Zeitgeschehen (Seite 1 von 20)

Leserbrief zu „Omas gegen rechts am Scheideweg“ von Elke Bodderas, NOZ vom 13.01.2026, Seite 3

Wie die NOZ mit einem NZZ-Text Antifaschismus delegitimiert: Leserbrief zu medialen Frames gegen „Omas gegen rechts“.

Hallo NOZ, hallo Frau Bodderas,

mit der unkommentierten Übernahme des NZZ-Artikels „Omas gegen rechts‘ am Scheideweg“ beteiligt sich die NOZ an einer gezielten Delegitimierung zivilgesellschaftlichen Engagements gegen Rechtsextremismus.

Der Text arbeitet nicht journalistisch, sondern mit emotionalisierenden Einzelfällen, Schuld-durch-Assoziation und suggestiven Frames. Eine einzelne Demonstrantin wird zur Chiffre für eine Bewegung mit Zehntausenden Mitgliedern gemacht. Anekdoten ersetzen Analyse, Unterstellungen ersetzen Einordnung. Antifaschismus wird dabei subtil als Extremismusverdacht gerahmt, ein altbekanntes Narrativ.

Besonders problematisch ist, dass die NOZ diesen Beitrag ohne jede redaktionelle Einordnung veröffentlicht. Kein Hinweis auf die politische Positionierung der NZZ, keine Gegenperspektive, keine Abwägung. So entsteht der Eindruck, als handle es sich um eine sachliche Recherche, tatsächlich ist es ein meinungsgetriebter Text mit klarer Agenda.

Wer zivilgesellschaftlichen Protest gegen rechts pauschal problematisiert, während rechte Netzwerke, Sprache und Gewalt systematisch verharmlost oder relativiert werden, verschiebt den demokratischen Maßstab. Dass ausgerechnet eine Bewegung älterer Frauen dafür herhalten muss, ist bezeichnend.

Ich erwarte von einer Regionalzeitung wie der NOZ mehr journalistische Distanz, mehr Kontext, und weniger Bereitschaft, politische Narrative anderer Medien ungeprüft zu transportieren.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „Merz täuscht das Volk nicht – Bestsellerautor und Theologe Manfred Lütz widerspricht Chefredakteur Burkhard Ewert“ in der NOZ vom 10.01.2025, Seite 2

Der Leserbrief kritisiert Manfred Lütz‘ Verteidigung von Friedrich Merz und enthüllt rhetorische Tricks, die echte politische Verantwortung in Frage stellen. Apologetik ersetzt keine Aufrichtigkeit und untergräbt das Vertrauen in die Demokratie.

Hallo NOZ, hallo Herr Lütz,

hier mein Leserbrief zu siehe Titel.

Apologetik ersetzt keine Aufrichtigkeit

Die Replik von Manfred Lütz auf den Kommentar des Chefredakteurs Burkhard Ewert ist weniger eine sachliche Erwiderung als eine politische Verteidigungsrede für Friedrich Merz. Was als Differenzierung verkauft wird, ist bei näherem Hinsehen eine systematische Entlastungsrhetorik.

Zentral ist dabei der rhetorische Taschenspielertrick, Wahlkampfaussagen nachträglich zu bloßen „Positionen“ umzudeuten, die angeblich nie verbindlich gemeint waren. Wer jedoch im Wahlkampf kategorisch an der Schuldenbremse festhält, darf sich nicht wundern, wenn Wählerinnen und Wähler darin mehr sehen als eine unverbindliche Diskussionsgrundlage. Demokratie lebt vom Vertrauen in politische Kommunikation, nicht von semantischen Rückzugsgefechten nach der Wahl.

Auch die Konstruktion einer angeblich völlig neuen „Zeitenwende“ im Februar 2025 überzeugt nicht. Die sicherheitspolitische Lage Europas, der Ukrainekrieg und die Unzuverlässigkeit der USA unter Trump waren lange vor der Bundestagswahl bekannt. Wer diese Realität im Wahlkampf ausblendet, trägt Verantwortung für enttäuschte Erwartungen. Das nachträglich mit „staatspolitischer Notwendigkeit“ zu übertünchen, ist bequem, aber nicht redlich.

Besonders irritierend ist der moralische Gestus des Beitrags. Kritiker werden als hämisch, lösungsunfähig oder moralbesessen abqualifiziert, während der Kanzler zum überkritischen Staatsmann stilisiert wird, der sich angeblich jeder normalen politischen Rechenschaft entzieht. Genau diese Immunisierung politischer Führung gegen berechtigte Kritik beschädigt das Vertrauen in die Demokratie, nicht deren Einforderung.

Man kann Friedrich Merz verteidigen. Man sollte dann aber Argumente prüfen, Widersprüche benennen und Verantwortung anerkennen. Lobhudelei ersetzt keine Aufrichtigkeit und schon gar keine politische Analyse.

Mit freundlichen Grüßen

Replik zum Leserbrief „Aktueller Plan stellt Ukraine schlechter“ von Thomas Polewsky, NOZ vom 29.12.2025, Seite 2

Faktencheck zum Leserbrief über den Ukraine-Krieg 2022: Gab es einen Friedensplan ohne Gebietsverluste, und wie beeinflussten westliche Staaten die Verhandlungen?

Hallo NOZ,

der Leserbrief von Herrn Polewsky suggeriert, Ende März 2022 sei ein Friedensplan für die Ukraine ohne Gebietsverluste bereits „auf dem Tisch“ gelegen, der vom Westen aktiv verhindert worden sei. Diese Darstellung ist jedoch historisch nicht belegbar.

Zwar fanden Ende März 2022 in Istanbul erste direkte Gespräche zwischen russischen und ukrainischen Delegationen statt, in denen Sicherheitsgarantien, Neutralität und Autonomiefragen diskutiert wurden. Ein abgeschlossener Friedensvertrag mit den im Leserbrief beschriebenen Bedingungen existierte jedoch nicht.

Vielmehr blieben zentrale Punkte, insbesondere die Krim, die Kontrolle über den Donbass und Sicherheitsgarantien, ungelöst. Zahlreiche Analysen weisen darauf hin, dass das Scheitern der Verhandlungen vor allem auf nicht erfüllbare Forderungen Russlands zurückzuführen war.

Die These, dass der Westen oder Boris Johnson einen Frieden absichtlich verhindert hätten, ist nicht durch seriöse Quellen gedeckt. Auch die ukrainische Regierung widersprach mehrfach solchen Darstellungen. Historische Quellen und Berichte von unabhängigen Medien zeigen, dass politische Entscheidungen in Kiew komplexen militärischen und diplomatischen Realitäten geschuldet waren und nicht der Einfluss einzelner westlicher Politiker.

Frieden und diplomatische Lösungen bleiben wünschenswert, doch sollten sie auf überprüfbaren Fakten basieren. Spekulationen über „verhinderte Friedenspläne“ verkennen die Realität der Verhandlungen und tragen nicht zu einer sachlichen Debatte bei.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „Deutsche schauen positiv in die Zukunft – Politiker sollten das beherzigen – Ein Wunsch: Rückkehr zur Tagesordnung“ von Karsten Krogmann, NOZ vom 29.12.2025, Seite 1

Warum die Sehnsucht nach „Normalität“ politisch trügt: Ein Leserbrief über Reformstau, Machtfragen und verkürzte Sachlichkeitsrhetorik.

Hallo NOZ, hallo Herr Krogmann,

der Meinungsbeitrag „Ein Wunsch: Rückkehr zur Tagesordnung“ kritisiert zu Recht den politischen Stillstand bei Mieten, Lebenshaltungskosten, Bildung und Infrastruktur. Problematisch ist jedoch die zugrunde liegende Diagnose.

Die Auseinandersetzung um die Besetzung des Bundesverfassungsgerichts als bloßes „Randthema“ abzutun, verkennt deren demokratische Bedeutung. Wer in Karlsruhe Recht spricht, entscheidet über Grundrechte, soziale Sicherung, Wahlrecht und staatliche Eingriffe, das ist kein politisches Nebengeräusch, sondern ein Machtzentrum. Institutionenpolitik gegen Sachpolitik auszuspielen, greift zu kurz.

Unklar bleibt zudem, was mit „Rückkehr zur Normalität“ gemeint ist. Viele der heute beklagten Probleme sind gerade das Ergebnis dieser früheren Normalität: jahrelange Unterinvestitionen, eine marktgetriebene Wohnungspolitik und Reformvermeidung. Eine Rückkehr dorthin würde die Ursachen nicht beheben, sondern verstetigen.

Auch der Verweis auf eine optimistischere Grundstimmung in der Bevölkerung ersetzt keine inhaltliche Auseinandersetzung mit Zielkonflikten. Reformen sind notwendig, aber sie sind politisch umstritten. Wer den „großen Wurf“ fordert, sollte benennen, wer die Lasten trägt. Dass ausgerechnet der Arbeitgeberpräsident hier unkommentiert als Kronzeuge dient, verstärkt den Eindruck einer einseitigen Perspektive.

Mehr Sachpolitik ist nötig. Aber sie beginnt nicht mit der Abwertung demokratischer Debatten, sondern mit klaren Prioritäten, ehrlichen Konfliktlinien und der Anerkennung, dass Personal- und Institutionenfragen Teil der Sache sind.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „Chefinnen von Hateaid sind keine Heldinnen“ von Gabriel Kords, NOZ vom 29.12.2025, Seite 4

Hateaid kritisieren ist legitim – Fakten zu verdrehen nicht. Warum der Kommentar über „Trusted Flagger“ mehr Framing als Aufklärung betreibt.

Hallo NOZ, Hallo Herr Kords,

der Kommentar „Chefinnen von Hateaid sind keine Heldinnen“ stellt berechtigte Fragen, gibt darauf jedoch problematisch verkürzte Antworten. Ja, die US-Sanktionen gegen die Hateaid-Leiterinnen sind politisch motiviert und falsch. Und ja, man kann und muss über den Digital Services Act, über „Trusted Flagger“ und über das Spannungsverhältnis zwischen Meinungsfreiheit und Hassbekämpfung kritisch diskutieren.

Was der Artikel jedoch tut, ist etwas anderes: Er suggeriert, Organisationen wie Hateaid könnten „unter Umgehung der Justiz“ missliebige Meinungen löschen lassen. Das ist schlicht irreführend. Trusted Flagger ordnen keine Löschungen an, sie melden Inhalte priorisiert. Entscheidungen treffen weiterhin Plattformen, und diese unterliegen dem DSA sowie rechtlicher Kontrolle. Wer hier von rechtsstaatlicher Umgehung spricht, überzeichnet bewusst.

Besonders schwach ist die unbelegte Behauptung, Hateaid lenke den öffentlichen Diskurs in eine „politisch gewollte Richtung“ oder stehe „unzweifelhaft“ dem rot-grünen Lager nahe. Für derart schwere Vorwürfe liefert der Kommentar keinerlei Belege. Verdacht ersetzt Argument.

So wird aus notwendiger Systemkritik ein politisches Framing: Zivilgesellschaftliche Akteure werden pauschal delegitimiert, ohne konkretes Fehlverhalten nachzuweisen. Das hilft weder der Meinungsfreiheit noch einer seriösen Debatte über digitale Regulierung.Wer Grundrechte verteidigen will, sollte präzise argumentieren, nicht mit Zuspitzungen arbeiten, die mehr Zweifel säen als aufklären.

Mit freundlichen Grüßen

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