Pressefreiheit oder Gatekeeper-Panik? Ein Leserbrief zur NOZ, politischer Medienkritik und dem Verlust journalistischer Deutungshoheit.
Hallo NOZ, hallo Herr Ewert, hallo Herr Schulte,
der Kommentar von NOZ-Chefredakteur Burkhard Ewert und Martin Schulte zu Daniel Günthers Auftritt bei Markus Lanz wirft eine Frage auf, die im Text selbst nicht gestellt wird: Verteidigen Ewert und Schulte hier wirklich die Pressefreiheit, oder vor allem die eigene Deutungshoheit?
Es ist auffällig, mit welcher Vehemenz politische Kritik an bestimmten Medienangeboten sofort zur angeblichen Zensurgefahr hochgezogen wird. Dabei schützt Artikel 5 des Grundgesetzes vor staatlichen Verboten, nicht vor politischer Einordnung oder öffentlicher Kritik. Wer jede scharfe Bewertung von Medien durch Politiker bereits als autoritären Dammbruch framet, betreibt keine Aufklärung, sondern Dramatisierung.
Besonders entlarvend ist Ewerts Klage über die Öffentlichkeitsarbeit von Ministerien und Behörden. Wenn staatliche Stellen schneller und direkter mit Bürgerinnen und Bürgern kommunizieren, ist das kein Angriff auf die Demokratie, sondern ein Verlust an Gatekeeper-Macht für klassische Medien. Dass dies aus Verlagssicht schmerzt, ist nachvollziehbar. Es als Gefahr für die Pressefreiheit zu verkaufen, hingegen nicht.Irritierend ist zudem die moralische Überhöhung. Ausgerechnet große Medienhäuser, die selbst zuspitzen, weglassen, rahmen und politische Narrative selektiv verstärken, geben sich plötzlich als letzte Bastion differenzierter Wahrheit. Kritik daran wird reflexhaft als demokratiefeindlich etikettiert.
Der vielzitierte China-Vergleich schließlich wirkt wie ein rhetorischer Nebelwerfer. In einem Rechtsstaat mit unabhängigen Gerichten, Medienvielfalt und föderaler Ordnung ist es unseriös, politische Medienkritik in die Nähe totalitärer Zensur zu rücken.
Vielleicht geht es hier weniger um den Schutz der Demokratie als um die Angst, dass Meinungsbildung nicht mehr ausschließlich über etablierte Redaktionen läuft. Pressefreiheit bedeutet Vielfalt und auch die Freiheit, journalistische Autoritäten zu hinterfragen.
Mit freundlichen Grüßen
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