Leserbrief zur NOZ: Weihnachts-Zuversicht schön, aber gesellschaftliche Konflikte und politische Ursachen werden zu wenig thematisiert.
Hallo NOZ, hallo Frau Lehmann, hallo Herr Ewert,
auf den Seiten 9 und 10 der Weihnachtsausgabe werben zwei Meinungsartikel für Zuversicht, Mäßigung und einen gnädigen Blick aufeinander. Das ist verständlich, und sympathisch. Auffällig ist jedoch, dass beide Texte gesellschaftliche Konflikte vor allem moralisch und psychologisch rahmen, nicht politisch.
So erscheint Polarisierung vor allem als Tonfall- oder Empathieproblem. Gleichzeitig stehen auf denselben Seiten Berichte über neue Kriegsschiffe, Abschiebeboni und eine zunehmend rabiat durchgesetzte Migrationspolitik. Hinzu kommt eine fortschreitende Normalisierung der AfD in Talkshows, Medien und Debatten, während soziale Ungleichheit, Wohnungsnot und Abstiegsängste wachsen. Diese Entwicklungen lassen sich nicht durch innere Einkehr oder einen gnädigeren Blick auflösen, sie sind das Ergebnis konkreter politischer Entscheidungen mit realen Folgen.
Auch der Appell, Politik gnädiger zu betrachten, greift zu kurz. Kritik entsteht nicht aus Ungeduld allein, sondern aus Erfahrungen von Unsicherheit, sozialer Spaltung, sichtbarer Korruption und dem Eindruck fehlender demokratischer Gestaltungsmacht.
Zuversicht ist wichtig. Doch sie sollte Analyse ergänzen, nicht ersetzen. Sonst droht sie zur Beschwichtigung zu werden.
Dem Team der NOZ wünsche ich gesunde Festtage, bleiben Sie mir gewogen.
Mit freundlichen Grüßen
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