NOZ übernimmt unkritisch NZZ-Artikel zum Epstein-Skandal und macht sich zur Komplizin der Verharmlosung.

Hallo NOZ, hallo NZZ, hallo Herr Hoppe,

die unkommentierte Übernahme des NZZ-Artikels „Mossad-Agent, QAnon und Ritualmorde?“ in Ihrer Ausgabe vom 27. Februar 2026 ist kein harmloses redaktionelles Versäumnis, sondern ein Symptom für den Verlust journalistischer Standards.

Statt den Epstein-Skandal, einen der schwerwiegendsten Fälle organisierten sexuellen Missbrauchs der jüngeren Geschichte, sachlich und mit dem gebotenen Respekt vor den Opfern aufzuarbeiten, übernimmt die NOZ einen Text, der die nachgewiesenen Verbrechen durch den Fokus auf Verschwörungstheorien relativiert. Der Artikel bedient pauschale „Eliten“-Narrative und reduziert die systematische Ausbeutung Minderjähriger zu einer bloßen Projektionsfläche für Spekulationen. Die NOZ druckt dies nicht nur ohne eigene Einordnung, sondern verzichtet sogar darauf, ihren Leser:innen zu erklären, warum dieser Text für sie relevant sein soll.

Besonders problematisch ist die implizite Botschaft. Indem der Artikel die Epstein-Akten vor allem als „Beleg“ für oder gegen Verschwörungsmythen diskutiert, werden die Verbrechen, Verurteilungen, strukturelle Verantwortlichkeiten und das Leid der Opfer zur Nebensache degradiert. Die NOZ trägt damit zur Verharmlosung eines Skandals bei, der Hunderten von Menschen irreparables Leid zufügte. Journalistische Sorgfalt hätte hier verlangt, klar zwischen gesicherten Fakten (Epsteins und Maxwell Verurteilungen, die Rolle von Mittätern) und haltlosen Spekulationen (QAnon, Pizzagate) zu unterscheiden. Stattdessen wird beides vermischt, mit dem Ergebnis, dass weder die Verbrechen angemessen thematisiert noch die Verschwörungstheorien wirksam widerlegt werden.

Noch gravierender ist das redaktionelle Versagen. Die NOZ übernimmt einen Text, der weder lokal verankert ist noch eine eigene Haltung erkennen lässt. Das ist kein Journalismus, sondern bloße Platzfüllung. Wenn schon keine eigenen Recherchen möglich sind, wäre zumindest eine redaktionelle Einordnung nötig gewesen, die den Artikel kontextualisiert und die Leserschaft vor den Fallstricken der Thematik warnt. So aber bleibt der Eindruck, die NOZ verstecke sich hinter der NZZ und verzichte damit auf ihre eigentliche Aufgabe; Aufklärung statt bloßer Verbreitung von Inhalten.

Ein Medium, das sich als seriöse Stimme der Region versteht, darf sich nicht zum unkritischen Verbreiter fremder Texte machen, schon gar nicht bei Themen, die so viel Leid und so viel Desinformation umfassen. Die NOZ sollte sich fragen, welchen Anspruch sie tatsächlich noch verfolgt. Die Leserschaft verdient mehr als gedankenlose Übernahme. Sie verdient Journalismus, der Verantwortung übernimmt.

Mit kritischen Grüßen