Clickbait funktioniert am besten mit großen Zahlen und kleinen Gruppen. Die NOZ weiß das. Ein Kölner Einzelfall, sieben betroffene Familien in einer Millionenstadt, gedruckt nicht weil er repräsentativ ist, sondern weil er Ressentiments bedient. Das ist billige Aufmerksamkeitsökonomie auf Kosten marginalisierter Gruppen.

Hallo NOZ, hallo Herr Becker,

der Artikel „7250 Euro im Monat vom Sozialamt“ ist ein Lehrstück im Framing. Nicht wegen dessen, was er sagt, sondern wegen dessen, was er weglässt und wie er anordnet.

Die Zahl 7.250 Euro steht prominent am Anfang. Dass fast die Hälfte davon direkt an die Stadtkasse zurückfließt und nie bei der Familie ankommt, erfährt man erst am Ende. Dass pro Kopf weniger als die Armutsgefährdungsschwelle bleibt, steht im letzten Absatz. Diese Reihenfolge ist keine redaktionelle Nachlässigkeit, sondern Technik.

Hinzu kommt die Verknüpfung mit Vorstrafen gleich im ersten Absatz. Diese Information ist sachlich irrelevant für die Frage, wie Sozialleistungen berechnet werden. Sie konditioniert den Leser emotional, bevor die erste Zahl erscheint.

Besonders aufschlussreich ist ein Detail, das der Artikel selbst liefert. In einer Millionenstadt wie Köln gibt es genau sieben vergleichbare Fälle. Warum verdient dieser seltene Einzelfall aus Köln Platz in einer Osnabrücker Regionalzeitung? Welchen Erkenntnisgewinn bietet er den Lesern hier? Die einzig plausible Antwort ist; keinen sachlichen, aber einen emotionalen.

Meinungsjournalismus darf zuspitzen. Berichterstattung sollte einordnen. Dieser Artikel tut beides nicht klar, sondern vermischt beides auf eine Weise, die beim Leser ein Bild erzeugt, das die eigenen Zahlen nicht tragen. Das ist so leider nur billige Aufmerksamkeitsökonomie auf Kosten marginalisierter Gruppen.

Mit freundlichen Grüßen