Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Schlagwort: Rechtsextremismus (Seite 2 von 2)

Leserbrief zu „Die Mär von der rechtsextremen Mitte“ von Detlef Pollack, NOZ vom 24.01.2026, Seite 2

Soziologische Entwarnung mit blinden Flecken – Mein Widerspruch zu Detlef Pollacks „Mär von der rechtsextremen Mitte“.

Hallo NOZ, hallo Herr Pollack,

Detlef Pollacks (Ihre) Kolumne in der NOZ vom 24.01.2026 gibt sich als soziologisch nüchterne Korrektur eines hysterischen Diskurses. Tatsächlich demonstriert sie vor allem, wie man mit wissenschaftlicher Autorität eine politisch folgenreiche Verkürzung legitimiert.

Pollack erklärt die Diagnose einer nach rechts driftenden Mitte zur „Mär“, indem er sich auf den geringen Anteil „geschlossener rechtsextremer Weltbilder“ (3–4 Prozent) beruft. Als Soziologe weiß er jedoch genau, dass die empirische Extremismusforschung nicht nur geschlossene Weltbilder, sondern auch autoritäre, menschenfeindliche und demokratieambivalente Einstellungselemente misst. Und diese reichen seit Jahren deutlich in die gesellschaftliche Mitte hinein. Dass Pollack diese Differenzierung unterschlägt, ist kein Versehen, sondern eine argumentative Entscheidung.

Noch problematischer ist seine diskursive Strategie. Anstatt sich mit den inhaltlichen Befunden auseinanderzusetzen, pathologisiert er die Warnungen vor rechten Verschiebungen als moralische Selbstaufwertung der „Deutungseliten“. Damit ersetzt er Analyse durch Psychologisierung. Ein bemerkenswerter Schritt für jemanden, der vorgibt, den Diskurs zu versachlichen. Wer vor Rassismus, Antisemitismus und Autoritarismus warnt, betreibt keine „Ungleichwertigkeitsideologie“, sondern verteidigt demokratische Normen. Diese Gleichsetzung ist nicht nur analytisch falsch, sie relativiert Kritik, indem sie sie moralisch delegitimiert.

Besonders irritierend ist, dass Pollack nahezu vollständig ausblendet, was jenseits von Einstellungsitems längst Realität ist, so wie die Normalisierung rechter Sprache, das Wahlverhalten, die institutionelle Präsenz autoritärer Akteure, die Zunahme politisch motivierter Gewalt. Gesellschaftliche Verschiebungen lassen sich nicht wegsoziologisieren, indem man sich auf die engste verfügbare Messkategorie zurückzieht.

Am Ende produziert die Kolumne genau das, was sie anderen vorwirft, nämlich eine Selbstinszenierung als Stimme der Vernunft, diesmal jedoch mit entdramatisierender Wirkung. Auch Entwarnung ist politisch. Wer sie mit wissenschaftlichem Gestus vorträgt, sollte sorgfältiger trennen zwischen empirischer Präzision und publizistischer Zuspitzung.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur Titelseite der NOZ vom Donnerstag, 09.10.2025, Rechtsextremismus vs Linksextremismus

Der Leserbrief kritisiert die NOZ-Titelseite vom 09.10.2025 für eine irreführende Schlagzeile, die linke Sachbeschädigungen überdramatisiert und damit die reale Gefahr des Rechtsextremismus relativiert.

Sehr geehrte Redaktion,  sehr geehrter Herr Koch, 

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur Titelseite der NOZ vom Donnerstag,  09.10.2025.

Die NOZ-Titelseite liefert ein widersprüchliches Bild: In seinem Meinungsbeitrag betont Jonas Koch völlig zu Recht, dass der Rechtsextremismus die größte Gefahr für unsere Demokratie darstellt. Umso erstaunlicher ist, dass er gleichzeitig mit der reißerischen Überschrift „Auch Linksextreme gefährden die Demokratie“ die Aufmerksamkeit auf vermeintlich linksextreme Angriffe lenkt, obwohl der Text zeigt, dass es sich um Sachbeschädigungen handelt, nicht um Überfälle.

Damit wird ein völlig falscher Eindruck erweckt: Statt die tatsächlichen Relationen klar zu benennen, entsteht durch Wortwahl und Platzierung der Eindruck einer linken Bedrohungswelle. Die Dramatisierung konterkariert den differenzierten Teil des Kommentars und fügt sich leider in ein mediales Muster, das rechte Gewalt relativiert, indem es linke Randerscheinungen überbetont.

Wer glaubwürdig über Extremismus berichten will, sollte nicht mit Schlagzeilen arbeiten, die den Leser in die Irre führen.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 18.09.2025, Seite 2, Meinung Ewert zu Charlie Kirk

Mitgefühl für Gewaltopfer ist wichtig, aber die unkritische Verklärung von Charlie Kirk als Opfer verschleiert seine Rolle in der radikalen Rechten. Es ist wichtig, politische Verantwortung zu zeigen und die Gefahren rechter Ideologien nicht zu verharmlosen.

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Ewert,

Sie haben völlig recht: Mitgefühl darf niemandem abgesprochen werden, das gilt für jedes Opfer von Gewalt, ganz gleich, welche politische Haltung es zu Lebzeiten vertreten hat. Doch Ihre Kolumne zum Mord an Charlie Kirk hinterlässt einen schiefen Eindruck.

Indem Sie ausführlich die „christliche Geste“ von Felix Nmecha verteidigen, blenden Sie die entscheidende Dimension aus: Kirk war nicht einfach ein Familienvater oder „Aktivist“, sondern eine Schlüsselfigur der US-amerikanischen radikalen Rechten, die systematisch gegen Minderheiten hetzte und das demokratische System schwächte. Ihn kritiklos als Opfer zu verklären, ohne seine Rolle in diesem Klima politischer Verrohung zu benennen, verzerrt das Bild.

Natürlich darf ein Sportler „Ruhe in Frieden“ wünschen. Aber es ist ebenso legitim, dass Fans und Vereine sensibel reagieren, wenn dabei eine politische Agenda mitschwingt. Das ist keine „Sanktionierung des Christentums“, sondern Ausdruck gesellschaftlicher Verantwortung.

Mitgefühl ja, aber bitte ohne Verklärung. Wer die gefährliche Wirkung von Figuren wie Kirk unterschlägt, trägt dazu bei, dass rechte Gewalt und Ideologien weiter verharmlost werden.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu Michael Clasens Kommentar „Attentat auf Charlie Kirk: Gefahr für Demokratie und Freiheit“ (NOZ, 11.09.2025)

Trump und Kirk sind keine „ultra-konservativen Aktivisten“, sondern zentrale Figuren der radikalen Rechten. Ihre Hetze und antidemokratischen Narrative gefährden die Demokratie – die wahre Bedrohung wird durch das Verschweigen verharmlost.

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Clasen,

Ihr Kommentar verkennt die politische Realität. Donald Trump und Charlie Kirk sind keine „ultra-konservativen Aktivisten“, sondern zentrale Figuren der radikalen Rechten. Trump hat mit Lügen über die Wahl, systematischer Diffamierung der Presse und autoritären Drohungen die Grundlagen der Demokratie angegriffen. Kirk wiederum hat als Gründer von Turning Point USA gezielt Desinformation, Hetze gegen Minderheiten und antidemokratische Narrative verbreitet.

Wer beide vor allem als Opfer darstellt und „Cancel Culture“ von links zum Kernproblem erklärt, verharmlost die eigentliche Bedrohung: den Rechtsextremismus, der weltweit Demokratien untergräbt. Gewalt ist niemals zu rechtfertigen, aber ebenso wenig das Verschweigen der Rolle jener, die das Klima der Spaltung selbst massiv befeuert haben.

Mit freundlichen Grüßen

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