Warum die NOZ mit der unkommentierten Übernahme eines NZZ-Artikels zum Thema Trans ihre journalistische Verantwortung verfehlt.
Hallo NOZ,
mit Interesse, aber auch mit wachsendem Unbehagen habe ich auf Seite 8 den Artikel „Die verlorenen Töchter“ von Birgit Schmid gelesen, der aus der Neuen Zürcher Zeitung übernommen wurde.
Unabhängig davon, wie man persönlich zum Thema Transidentität steht, handelt es sich hierbei um einen stark perspektivischen, normativ geframten Text. Der Beitrag stellt nahezu ausschließlich die Sicht transkritischer Eltern dar, greift umstrittene Thesen wie „Rapid Onset Gender Dysphoria“ auf und arbeitet intensiv mit emotionalisierenden Einzelfällen, ohne diese wissenschaftlich sauber einzuordnen oder relevante Gegenpositionen abzubilden.
Die NZZ ist bekannt für ihre konservativ-rechtsliberale Positionierung, insbesondere bei gesellschafts- und kulturpolitischen Themen. Das ist ihr gutes Recht. Problematisch wird es jedoch, wenn ein solcher Text von der NOZ unkommentiert übernommen wird (und immer wieder werden). Dadurch entsteht der Eindruck, es handle sich um eine ausgewogene journalistische Analyse, nicht um eine klar positionierte Perspektive.
Gerade bei einem sensiblen Thema, das Minderjährige, medizinische Behandlungen und gesellschaftliche Minderheiten betrifft, halte ich eine redaktionelle Einordnung, ein Gegengewicht oder zumindest eine transparente Kennzeichnung für journalistisch geboten. Ohne diese Kontextualisierung wird Framing faktisch delegiert, und das kann zur weiteren Polarisierung beitragen, statt zur Aufklärung.
Ich würde mir wünschen, dass die NOZ bei der Übernahme externer Inhalte stärker ihrer eigenen publizistischen Verantwortung gerecht wird.
Mit freundlichen Grüßen
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