Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Autor: Timm Reichl (Seite 44 von 72)

Leserbrief zur NOZ vom 06.10.2025, Artikel Julia Ruhs und „Cancel Culture“, Seite 4, Thomas Ludwig

Der Leserbrief kritisiert die NOZ dafür, die Causa Julia Ruhs trotz geklärter Fakten weiter als Beispiel für „Cancel Culture“ darzustellen und damit Misstrauen gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu schüren

Sehr geehrte Redaktion,  sehr geehrter Herr Ludwig, 

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom 06.10.2025, Artikel Julia Ruhs, Seite 4.

Erstaunlich, mit welcher Beharrlichkeit die NOZ das Thema Julia Ruhs am Köcheln hält. Wieder wird suggeriert, ihre Absetzung beim NDR sei Folge einer „Cancel Culture“, als Beleg für eine angeblich „links-grüne Meinungsmacht“. Dabei wurde diese Erzählung längst widerlegt und Ruhs arbeitet weiterhin im ÖRR.

Über 250 NDR-Mitarbeitende betonten in einem offenen Brief, dass Ruhs’ Absetzung nichts mit Gesinnung, sondern mit journalistischer Glaubwürdigkeit zu tun hatte. Diese zentrale Information blendet Thomas Ludwig aus. Stattdessen darf Ruhs zusammen mit dem notorischen Medienpessimisten Norbert Bolz altbekannte Klischees bedienen, von „Agitation statt Information“ bis zur vermeintlichen Meinungsdiktatur.

So wird eine längst beendete Personalie zum Anlass, um erneut Misstrauen gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu säen. Wer wirklich Vielfalt will, sollte differenzieren statt pauschal verdächtigen. Dass die NOZ solche Narrative, die man eigentlich von rechtsradikalen Stimmen gewohnt ist, weiterträgt, wirkt weniger wie Meinungsvielfalt, und mehr wie kalkulierte Stimmungsmache.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zu: „Dann hätte er (Donald Trump) den Nobelpreis verdient“(NOZ, 6. Oktober, Seite 1), Sören Becker

Der Leserbrief widerspricht der Idee, Donald Trump könne den Friedensnobelpreis verdienen, und verweist auf seine Lügen, seine Rolle bei der Kapitol-Attacke und seine konfliktverschärfende Außenpolitik.

Sehr geehrte Redaktion,  sehr geehrter Herr Becker, 

hier erhalten Sie meinen Leserbrief zum Kommentar Dann hätte er den Nobelpreis verdient (NOZ, 6. Oktober, Seite 1).

Beckers Gedanke, Donald Trump könne den Friedensnobelpreis verdienen, verkennt die Realität. Trump ist ein verurteilter Straftäter und notorischer Lügner, der über 30.000 Falschbehauptungen verbreitet hat. Er hat den Sturm auf das Kapitol mit angeheizt, demokratische Institutionen geschwächt und sein Verteidigungsministerium zynisch in Kriegsministerium umbenannt.

Auch außenpolitisch hat Trump Konflikte verschärft: mit der Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem, der Kürzung von Hilfen für Palästinenser und der einseitigen Parteinahme für Israel.

Wer Lüge, Spaltung und Drohung als politische Mittel nutzt, ist kein Friedensstifter, und schon gar kein Kandidat für den Friedensnobelpreis.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur NOZ-Meinung „Wo die AfD Recht hat“ vom 4. Oktober 2025

Der Leserbrief kritisiert den Kommentar „Wo die AfD Recht hat“ dafür, AfD-Narrative unkritisch zu übernehmen, selektive Zahlen ohne Kontext zu präsentieren und so zur Normalisierung einer rechtsextremen Partei beizutragen.

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Koch,

ich sende Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ-Meinung „Wo die AfD Recht hat“ vom 4. Oktober 2025.Der Kommentar „Wo die AfD Recht hat“ trägt zur weiteren Normalisierung einer Partei bei, die vom Verfassungsschutz in mehreren Landesverbänden als gesichert rechtsextrem gilt.

Statt kritisch zu beleuchten, wie gezielt die AfD den tragischen Fall von Friedland instrumentalisiert, übernimmt der Beitrag ihre Narrative nahezu unkommentiert. Selektive Zahlen zu Straftaten von Asylbewerbern werden ohne Kontext präsentiert, etwa ohne Hinweis darauf, dass es sich um Tatverdächtige, nicht Verurteilte handelt und dass viele Delikte interne Konflikte in Unterkünften betreffen. So entsteht ein verzerrtes Bild, das Ängste schürt statt aufzuklären.

Die scheinbare Ausgewogenheit („Nicht alle Asylbewerber sind kriminell, aber einige eben doch“) verschiebt den Diskurs subtil in Richtung AfD-Rhetorik. Der Text endet mit der Forderung, „die Politik müsse endlich Konsequenzen ziehen“, eine Formulierung, die exakt der Argumentationslinie der AfD folgt.

Gerade jetzt, wo über ein mögliches AfD-Verbotsverfahren diskutiert wird, sollten Medien besonders verantwortungsvoll mit ihrer Sprache umgehen. Wer einer rechtsextremen Partei attestiert, „Recht zu haben“, ohne ihre gezielte Desinformation und Demokratiefeindlichkeit klar zu benennen, legitimiert sie indirekt.

Freier Journalismus darf Missstände benennen, aber er sollte nicht dazu beitragen, die Gegner der Demokratie zu normalisieren.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zum Kommentar von Burkhard Ewert, NOZ vom Donnerstag, 02.10.2025, Seite 2, Fall Julia Ruhs

Der Leserbrief kritisiert Burkhard Ewerts Kommentar zum Fall Julia Ruhs, weil er eine journalistische Qualitätsfrage zur ideologischen Systemkritik am ÖRR umdeutet und damit gängige anti-öffentlich-rechtliche Narrative bedient.

Sehr geehrte Redaktion,

hier erhalten Sie meinen Leserbrief zum Kommentar von Burkhard Ewert, NOZ vom Donnerstag, 02.10.2025, Seite 2, Fall Ruhs. Burkhard Ewert erklärt den Fall Julia Ruhs zum Beleg einer „linksgrünen Schlagseite“ des NDR. Doch er verschweigt Wesentliches: Rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Senders haben in einem offenen Brief kritisiert, dass die Sendung „Klar“ journalistisch unsauber gearbeitet habe. Es ging also nicht darum, konservative Positionen zu unterdrücken, sondern darum, Mindeststandards einzuhalten.

Wer dies ignoriert, macht aus einer internen Qualitätsfrage eine Systemkritik am Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk. Statt differenziert zu analysieren, inszeniert Ewert einen Kulturkampf, und liefert damit genau die Schlagworte, mit denen seit Jahren Stimmung gegen den ÖRR gemacht wird.

Meinungsvielfalt ist wichtig. Aber Meinungsvielfalt heißt nicht, dass jede Meinung, egal wie einseitig oder mangelhaft recherchiert, eine Sendeplattform beanspruchen darf. Aufgabe von Journalismus ist es, Fakten sauber aufzubereiten, nicht, Schlagseite als „Vielfalt“ zu verkaufen.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur NOZ vom Mittwoch, 01.10.2025, Meinung Lucas Wiegelmann zum Thema Kaminofen

Kritik an Kaminöfen: Ein Kommentar über die romantisierte Sicht aufs Feuer und die oft ausgeblendeten Belastungen für Nachbarn durch Rauch, Feinstaub und Gerüche.

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Wiegelmann,

hier mein Leserbrief zur NOZ vom Mittwoch, 01.10.2025, Meinung Lucas Wiegelmann zum Thema Kaminofen.

in seiner Kolumne schwärmt Lucas Wiegelmann vom Zauber des Kaminofens und erklärt, er könne sich nichts Schöneres vorstellen, als am Abend ins Feuer zu blicken. Doch diese Betrachtung bleibt auffällig selbstbezogen, denn sie blendet völlig aus, dass der „Zauber“ für die Nachbarschaft oft schlicht eine Belastung bedeutet.

Wer neben einem Kaminofen wohnt, kennt die Kehrseite: Rauch, der durchs gekippte Fenster zieht, Feinstaub, der die Luftqualität verschlechtert, Gerüche, die nicht romantisch, sondern penetrant sind. Gerade in dicht besiedelten Wohngebieten wird das Lüften eingeschränkt, Asthmatiker und ältere Menschen sind gesundheitlich besonders gefährdet.

Die Freude des einen am „heimeligen Flammenspiel“ wird damit zur Zwangsbürde für viele andere. Der Verweis des Autors, man könne ja „auf etwas anderes verzichten“, offenbart eine Haltung, die die Belastung der eigenen Nachbarn billigend in Kauf nimmt. Das ist nicht Romantik, sondern Egoismus.

Wenn wir ernsthaft über Klimaschutz, Luftreinhaltung und ein rücksichtsvolles Miteinander reden wollen, darf man die Folgen für die direkte Nachbarschaft nicht länger ausblenden. Kaminfeuer mag subjektiv gemütlich sein, für die, die daneben leben müssen, ist es häufig schlicht eine Zumutung.

Mit freundlichen Grüßen

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