In der NOZ vom 20.04. zitiert Finn Lasse Streckwaldt im Nachrichtenartikel den DVR-Präsidenten: Tempolimit auf Landstraßen sei „ein besonders wirksamer Ansatz“. Im Kommentar direkt darunter schreibt er: Ein Tempolimit rette „vermutlich kaum“ Leben. Derselbe Autor, dieselbe Ausgabe, dieselbe Seite.

Hallo NOZ, hallo Herr Streckwaldt,

in Ihrer Ausgabe vom 20. April 2026 findet sich eine bemerkenswerte Konstellation. Direkt unter Ihrem Nachrichtenartikel zur Verkehrssicherheitskonferenz veröffentlichen Sie einen Meinungsbeitrag, in dem Sie schreiben, ein Tempolimit auf Landstraßen rette „vermutlich kaum“ Leben. Dabei zitieren Sie im Nachrichtenartikel selbst DVR-Präsident Manfred Wirsch mit der Aussage, ein angepasstes Tempolimit sei „ein besonders wirksamer Ansatz“.

Das ist kein Widerspruch zwischen verschiedenen Autoren oder verschiedenen Tagen. Es ist ein Widerspruch innerhalb derselben Ausgabe, von derselben Person, auf derselben Seite.

Besonders auffällig ist, wie der Kommentar die Debatte verzerrt. Die Forschung und die im Nachrichtenartikel zitierten Experten streiten nicht für ein pauschales Tempolimit auf jeder Straße unter allen Bedingungen. Der DVR-Präsident plädiert ausdrücklich für eine „differenzierte, an der Infrastruktur orientierte Geschwindigkeitsregelung“. Gegen diese Position zu argumentieren wäre diskutabel. Doch der Kommentar bekämpft stattdessen eine vereinfachte Variante dieser Forderung und ignoriert dabei den Kompromissvorschlag, den der eigene Nachrichtenartikel ausführlich beschreibt.

Auch der Autobahn-Vergleich hält einer näheren Betrachtung nicht stand. Die absoluten Totenzahlen sagen wenig aus, solange man nicht die gefahrenen Kilometer berücksichtigt. Auf Autobahnen wird ein Vielfaches der Strecke zurückgelegt, die auf Landstraßen gefahren wird. Entscheidend ist zudem die physikalische Grundlage des Arguments, die der Kommentar übergeht. Bei einer Kollision steigt die Aufprallenergie quadratisch mit der Geschwindigkeit. Tempo 80 statt 100 bedeutet nicht etwas weniger Wucht, sondern deutlich weniger.

Meinungsjournalismus darf pointiert sein. Er sollte aber nicht gegen Fakten argumentieren, die der eigene Nachrichtenartikel im selben Blatt belegt.

Mit freundlichen Grüßen