Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Kategorie: Burkhard Ewert (Seite 7 von 11)

Burkhard Ewert ist seit Jahren Chefredakteur der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). Diese Kategorie dokumentiert und analysiert seine Kommentare und Meinungsbeiträge: von der Berichterstattung über Linksextremismus bis zur Pressefreiheitsdebatte, von Grönemeyer bis Yad Vashem. Die Serie „Ewerts Maßstäbe“ macht wiederkehrende Argumentationsmuster sichtbar.

Leserbrief zum Kommentar „Was war das für ein Wochenende! Rest der Republik AfD-Jugend und linke Gewalt – und die anderen Parteien spielen den politischen Rändern in die Hände“ von Burkhard Ewert in der NOZ vom 04.12.2025, Seite 2

Kritischer Leserbrief zu Ewerts Kommentar in der NOZ: Polizeigewalt in Gießen, Fehldeutungen der Hufeisentheorie, wirtschaftspolitische Verzerrungen und Verharmlosung der AfD.

Hallo NOZ, hallo Herr Ewert,

Ihr Kommentar zum vergangenen Wochenende greift wichtige Punkte auf, zeichnet aber ein verzerrtes Bild der Ereignisse in Gießen und der politischen Lage insgesamt. Besonders problematisch finde ich, dass Sie linke Gegendemonstranten und die völkisch auftretende neue AfD-Jugendorganisation nahezu spiegelbildlich behandeln, als stünden sich hier zwei gleichartige Extreme gegenüber. Diese Gleichsetzung entspricht der sogenannten Hufeisentheorie, die in der Politikwissenschaft aus guten Gründen scharf kritisiert wird: Sie verwischt zentrale Unterschiede in Zielsetzung, Ideologie und Gefährdungslage und relativiert damit die reale Bedrohung, die von organisiertem Rechtsextremismus ausgeht.

Was in Ihrem Kommentar völlig fehlt, ist die Perspektive der überwältigenden Mehrheit der friedlichen Demonstrierenden in Gießen. Der Oberbürgermeister hat diesen demokratischen Protest ausdrücklich gelobt. Gleichzeitig dokumentieren zahlreiche Videos ein äußerst hartes, teils unverhältnismäßiges Vorgehen der Polizei gegenüber friedlichen Teilnehmenden. Diese Aspekte gehören zu einer vollständigen Einordnung zwingend dazu.

Zudem fällt auf, dass Sie Sozialpolitik, Steuerdebatten und wirtschaftspolitische Vorschläge pauschal als „populistisch“ einordnen, ohne ökonomische Daten oder die realen Verteilungsfragen in Deutschland überhaupt zu erwähnen. Damit entpolitisieren Sie ökonomische Interessenkonflikte und stellen Arbeitgeber als neutrale Opfer dar, ein Framing, das weder der gesellschaftlichen Realität noch der Komplexität der Debatte gerecht wird.

Wenn etablierte Parteien Kritik an Ungleichheit, Vermögen oder Unternehmenspolitik äußern, ist das keine populistische Geste, sondern legitime demokratische Auseinandersetzung. Durch die pauschale Abwertung solcher Positionen wirken diese Parteien in Ihrem Kommentar ähnlich „spaltend“ wie die AfD, eine Gleichsetzung, die inhaltlich nicht haltbar ist und die Gefährlichkeit der AfD letztlich relativiert.

Gerade in politisch aufgeladenen Zeiten sollten Kommentare Unterschiede klar benennen und einordnen statt sie einzuebnen.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur Meinung von Burkhard Ewert „Ein Lob für Lindner – Sein neuer Job als Autohändler brachte Häme mit sich, warum er dennoch ein Zeichen von Freiheit ist“ in der NOZ vom 27.11.2025, Seite 2

Kritischer Leserbrief zu Burkhard Ewerts Lindner-Kommentar: Eine faktenbasierte Einordnung der politischen Verantwortung und des Vertrauensverlusts des Ex-Finanzministers.

Hallo NOZ, hallo Herr Ewert,

hier mein Leserbrief zum Rest der Republik von Burkhard Ewert in der NOZ vom 27.11.2025.

Der Kommentar von Burkhard Ewert über Christian Lindners neuen Job wirkt wie eine bewusste Ausblendung der politischen Realität. Der Text verklärt den Rückzug des ehemaligen Finanzministers zur Freiheitstat, ohne auch nur ein Wort über die politischen Verantwortungslasten zu verlieren, die diesen Schritt erst notwendig gemacht haben.

Lindner verlässt die Bühne nicht als gelassener Liberaler, sondern nach einer Kette politischer Fehlentscheidungen: der Haushaltsblockade, der Eskalation der Schuldenbremsenkrise, dem mutwilligen Abwürgen dringend benötigter Investitionen und schließlich einem maßgeblich provozierten Bruch der Ampelkoalition. Dass ein Politiker nach einem solchen Bilanzschatten nicht mehr für hohe Ämter, Aufsichtsräte oder internationale Positionen infrage kommt, hat nichts mit Verachtung für normale Berufe zu tun, sondern mit verlorenem Vertrauen.

Ewert deutet Lindners berufliche Notlandung zur Tugend um und wirft Kritikern implizit Elitenverachtung vor. Diese rhetorische Drehung ersetzt Analyse durch Sympathiebekundung und unterschlägt vollständig, warum Lindner politisch keine Anschlussfähigkeit mehr hat. Wer sich öffentlich über die Lebenswirklichkeit von Millionen Menschen sorgen will, sollte zunächst die Lebenswirklichkeit des politischen Systems ernst nehmen: Glaubwürdigkeit ist dort ein Grundkapital. Lindner hat es verspielt.

Statt einer realistischen Einordnung präsentiert der Kommentar eine Glorifizierung, die den Ursachen seines politischen Scheiterns bewusst ausweicht. So entsteht kein Journalismus, der erklärt, sondern einer, der verklärt.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 20.11.2025, Meinung Burkhard Ewert zu Hendrik Streeck, „Denken wie Streeck“, Seite 2

Die Aussagen von Hendrik Streeck über teure Behandlungen sehr alter Menschen haben eine kontroverse Debatte ausgelöst. Kritisch ist besonders, dass sein Denken, teure Therapien für Hochbetagte zu hinterfragen, das Leben alter Menschen nach Kosten bewertet. Auch Kommentare wie der von Burkhard Ewert, die Streeck dafür loben, normalisieren diese Sichtweise, obwohl die Menschenwürde unabhängig vom Alter gilt.

Hallo NOZ, hallo Herr Ewert,

ich sende Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 20.11.2025, Meinung Ewert zu Hendrik Streeck, „Denken wie Streeck“.

Die jüngsten Aussagen von Hendrik Streeck zu teuren Behandlungen sehr alter Menschen sind problematisch. Indem manche Kommentare, wie der von Burkhard Ewert, Streecks Position als mutiges Tabu-brechen darstellen und mit persönlichen Anekdoten untermauern, wird ein Denken normalisiert, das das Leben alter Menschen nach Kosten bewertet.

Dabei geht es nicht um medizinische Realität oder individuelle Entscheidung, sondern um eine gefährliche Tendenz: Alte Menschen könnten so implizit als „weniger wertvoll“ oder „ökonomisch belastend“ betrachtet werden. Das widerspricht der grundsätzlichen Menschenwürde und öffnet die Tür zu Altersdiskriminierung.

Natürlich ist es richtig, Übertherapie zu vermeiden und Behandlungen am Nutzen und Willen der Patientinnen und Patienten auszurichten. Aber die Diskussion darf niemals an Alter oder Kosten gekoppelt werden. Alte Menschen sind vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft, mit demselben Recht auf medizinische Versorgung wie alle anderen. Die Menschenwürde endet nicht mit 80, 90 oder 100 Jahren. Gerade journalistische Kommentare sollten diese Grenze klar respektieren, statt sie zu verwischen.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zum Artikel von Chefredakteur Ewert – Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander, NOZ vom Montag, 16.11.2025, Seite 5

Der Leserbrief kritisiert, dass Ewerts Artikel ein sehr positives Bild der NOZ zeichnet, das mit der realen Ausrichtung der Redaktion nicht immer übereinstimmt. Er bemängelt, dass kritische Hinweise auf Schieflagen oder einseitige Themensetzungen von der Chefredaktion eher abgewehrt als ernsthaft geprüft werden. Der Text fordert mehr echte Vielfalt und Selbstreflexion im journalistischen Alltag.

Hallo NOZ, hallo Herr Ewert,

mit Interesse habe ich die Ausführungen des Chefredakteurs zur Rolle der NOZ gelesen.

Der Artikel formuliert hohe Ansprüche: Breite der Perspektiven, historische Bescheidenheit, kritische Distanz zur Macht. Doch gerade hier entsteht ein deutlicher Widerspruch zwischen Selbstbeschreibung und tatsächlicher publizistischer Praxis.

Wenn Herr Ewert behauptet, Kritik an einem Rechtsruck komme von Menschen, „die keine Vielfalt wollen“, dann dient das weniger der Debatte als der Immunisierung gegen berechtigte Einwände. Wer eine einseitige Schwerpunktsetzung anspricht (etwa in der migrationspolitischen Berichterstattung oder in den jüngsten Interviews und Meinungsbeiträgen), wird auf diese Weise pauschal diskreditiert. Vielfalt ist nicht gegeben, wenn bestimmte Perspektiven quantitativ überwiegen und andere nur am Rand vorkommen.

Auch die Warnung vor historischen Parallelen, etwa zu Weimar, klingt weniger nach intellektueller Bescheidenheit als nach politischer Entschärfung. Gerade in Zeiten wachsender Radikalisierung braucht es einen Journalismus, der Entwicklungen klar benennt, statt sie aus Angst vor „falschen Vergleichen“ zu relativieren.

Zudem fällt auf, dass Herr Ewert keine einzige selbstkritische Reflexion erwähnt, weder zu journalistischen Fehlgewichten noch zu problematischen Framings, die Leser zu Recht irritieren. Vorwürfe verschwinden so nicht; sie werden nur rhetorisch abgefedert.

Ich und viele weitere Lesende wünschen sich eine NOZ, die ihren eigenen Anspruch ernst nimmt: tatsächliche Breite, kritische Haltung gegenüber allen politischen Akteuren, klare Trennung von Meinung und Berichterstattung und eine ehrliche, auch selbstkritische, Auseinandersetzung mit redaktionellen Schieflagen.

Ein Leitartikel, der vor allem die eigene Strategie lobt, ersetzt diese Arbeit nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom 06.11.2025, Kommentar Burkhard Ewert zu Bill Gates

Der Leserbrief kritisiert den NOZ-Kommentar, der Bill Gates als pragmatischen Kritiker des „Klimaalarmismus“ darstellt. Er weist darauf hin, dass Gates’ eigene Investments davon profitieren und dass die Klimafakten – steigende Hitzetote – die Dringlichkeit der Krise belegen. Ein Kommentar sollte Verantwortung statt Beschwichtigung betonen.

Hallo NOZ Team, hallo Herr Ewert,

hier meine Meinung zum Kommentar zu Bill Gates in der NOZ vom 06.11.2025.

Burkhard Ewert lobt Bill Gates als mutigen Realisten, der den „Klimaalarmismus“ beendet. Tatsächlich bedient er damit eine bequeme Erzählung: Wir müssen nichts ändern, Innovation wird’s schon richten.

Dass Gates selbst Milliarden in Technologien investiert, die von dieser Sichtweise profitieren, bleibt unerwähnt. Auch seine angebliche „Faktenlage“ ist trügerisch: Zwar starben in der Vergangenheit mehr Menschen an Kälte als an Hitze, doch laut The Lancet kehrt sich dieser Trend längst um. Mit zunehmender Erderwärmung nehmen Hitzetote massiv zu, während Kältetote abnehmen. Wer das verschweigt, verharmlost die Krise.

Die Klimaforschung ruft nicht zur Panik auf, sondern zur Verantwortung. Diese Haltung wäre eines Kommentars würdiger gewesen als die Beschwichtigung im Gewand der Vernunft.

Mit freundlichen Grüßen

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