NOZ wieder auf Kurs: Reißerische Überschrift zu Linksextremismus, während rechtsextreme Gewalt unter den Tisch fällt.
Hallo NOZ, hallo Herr Hinrichs,
der Artikel „Keine einzige Tat aufgeklärt – Linksextreme Gewalt nimmt zu“ von Jürgen Hinrichs (übernommen aus dem Weser-Kurier) in der NOZ vom 07.03.2026, Seite 5 ist ein weiteres Beispiel für die selektive Wahrnehmung Ihrer Redaktion. Die Überschrift suggeriert, linksextreme Gewalt sei das zentrale Problem, doch die Zahlen widerlegen das: 398 rechtsextreme Delikte stehen 192 linksextremen gegenüber. Warum wird dieser Kontext nicht genannt?
Noch problematischer ist die pauschale Behauptung, „keine einzige Tat“ sei aufgeklärt. Das gilt offenbar für beide politische Lager. Statt jedoch die strukturellen Defizite der Strafverfolgung zu hinterfragen, wird der Fokus einseitig auf Linksextremismus gelegt. Auch die Einstellung von Verfahren wegen Geringfügigkeit betrifft alle Formen politisch motivierter Kriminalität, kein Alleinstellungsmerkmal linker Täter.
Eine seriöse Analyse hätte zudem die Motive linker Gewalt (z. B. gegen Rüstungsfirmen oder Wohnungsinvestoren) einordnen müssen. Stattdessen wird mit reißerischen Formulierungen Stimmung gegen „den Staat und das Kapital“ gemacht, während rechtsextreme Gewalt systematisch verharmlost wird.
Mit freundlichen Grüßen
Update vom 16.03.2026, Herr Hinrichs hat geantwortet:
Hallo Herr Reichl,
wir haben uns bewusst für eine kleine Serie allein den Linksextremismus in Bremen vorgenommen. Dass die Taten von Rechtsextremisten rein quantitativ das größere Problem sind, ergibt sich schon aus den von Ihnen zitierten Zahlen in meinem Artikel. Nur dass es in der Serie eben um einen anderen Fokus ging – das hat mit Verharmlosung oder Relativierung rechtsextremer Gewalt rein gar nichts zu tun. Diese Fälle werden in der kontinuierlichen Berichterstattung selbstverständlich berücksichtigt und, wo das gelingt, auch eingeordnet.
Das Phänomen, dass in Bremen keine einzige Gewalttat Linksextremer aufgeklärt werden konnte, ist einzigartig. Vom LKA wird das eingeräumt und mit den semi-professionellen Strukturen der Szene erklärt. Einzigartig ist auch die Qualität der Taten.
Mit freundlichen Grüßen Jürgen Hinrichs
Update 16.03.2026, meine Antwort an Hinrichs:
Hallo Herr Hinrichs,
Ihre Antwort offenbart das eigentliche Problem. Wenn 398 rechtsextreme Delikte 192 linken gegenüberstehen, ist es keine „Fokussierung“, sondern eine Verzerrung, dies nicht bereits in der Überschrift klarzustellen. Dass Sie rechtsextreme Gewalt in einer „kontinuierlichen Berichterstattung“ behandeln, ist ein leeres Versprechen, solange Sie keine konkreten Beispiele nennen. Wo sind die investigativen Artikel zu den unaufgeklärten Brandanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte? Warum keine Serie zu den „semi-professionellen Strukturen“ der rechten Szene?Ihre Behauptung, unaufgeklärte linke Gewalt sei einzigartig, ist schlicht falsch. Einzigartig ist allein, dass Sie rechte Gewalt, trotz höherer Fallzahlen, nicht als systemisches Versagen der Ermittler thematisieren. Das LKA als Quelle anzuführen, während Sie dessen Blindflecke bei Rechts ignorieren, wirkt wie selektive Empörung.
Mit freundlichen Grüßen
