Viel Empörung, wenig Maßstab: Warum der Kommentar von Burkhard Ewert mehr Agenda als Analyse ist.

Hallo NOZ, hallo Herr Ewert,

der Kommentar von Burkhard Ewert zum Anschlag auf die Berliner Stromversorgung spricht ein reales Problem an, arbeitet aber mit fragwürdigen Zuspitzungen und Maßstäben.

Sabotage an kritischer Infrastruktur ist ohne Zweifel ernst zu nehmen. Problematisch wird es jedoch dort, wo die Bedeutung eines terroristischen Akts nahezu ausschließlich aus der vermuteten Höhe des Sachschadens abgeleitet wird. Terror entfaltet seine Wirkung nicht primär über Kostenrechnungen, sondern über Angst, Verunsicherung, politische Instrumentalisierung, und über die Frage, wie Staat und Öffentlichkeit reagieren.

Gerade deshalb erscheint der Eindruck einer angeblich beispiellos „milden“ Reaktion wenig überzeugend. Der Anschlag wurde breit medial begleitet, die Bundesanwaltschaft ermittelt, Sicherheitsbehörden sprechen offen von Terrorverdacht. Das ist keine Bagatellisierung, sondern ein funktionierender rechtsstaatlicher Umgang.

Wenn man historische Maßstäbe anlegt, zeigt sich zudem, dass Terror in Deutschland sehr unterschiedliche Formen angenommen hat. Der NSU etwa wirkte über Jahre hinweg, mit tödlichen Folgen und gravierenden Ermittlungsfehlern. Seine zerstörerische Kraft lag weniger im materiellen Schaden als in der Dauer, den Opfern und dem institutionellen Versagen. Daran gemessen greift eine Bewertung zu kurz, die aktuelle Ereignisse vor allem anhand ökonomischer Schadenssummen dramatisiert.

Schließlich irritiert die wiederholte Andeutung, politische und mediale Reaktionen würden je nach ideologischem Hintergrund der Täter grundsätzlich unterschiedlich ausfallen. Solche Pauschalurteile tragen eher zur Polarisierung bei, als dass sie zur nüchternen Analyse politischer Gewalt beitragen.

Wer demokratische Resilienz stärken will, sollte genau darin bestehen, auf Präzision, Maßstäbe und Zurückhaltung, auch im Kommentar.

Mit freundlichen Grüßen