Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Schlagwort: Linksextremismus

Falsche Symmetrie: Wie Rena Lehmanns Kriminalstatistik-Kommentar AfD und Linke gleichsetzt

Die NOZ nennt die AfD beim Namen, verschweigt aber ihre Verfassungsschutz-Einstufung. Und stellt sie rhetorisch auf eine Ebene mit parlamentarischer Linken. Das ist keine Ausgewogenheit, das ist Relativierung.

Hallo NOZ, hallo Frau Lehmann,

der Kommentar zur Kriminalstatistik benennt reale Probleme, arbeitet dabei aber mit einer Gleichsetzung, die der Faktenlage nicht standhält.

Lehmann schreibt, die AfD bediene sich einer Sprache der Spaltung. Das stimmt.

Doch der entscheidende Kontext fehlt. Die AfD ist vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Das ist kein Meinungsurteil, sondern eine institutionelle Feststellung über eine Partei, welche die freiheitlich-demokratische Grundordnung aktiv bekämpft. Diesen Unterschied zu benennen wäre die Aufgabe eines Leitkommentars gewesen.

Stattdessen stellt der Text AfD-Rhetorik und linke Gegenmobilisierung in eine Parallelkonstruktion, die strukturelle Gleichwertigkeit suggeriert. Wer eine verfassungsfeindliche Partei und parlamentarische Linke, die zur Gegenwehr aufrufen, rhetorisch auf eine Ebene zieht, relativiert nicht beide Seiten gleich. Er relativiert vor allem eine.

Das „Hochschaukeln“ der Extreme klingt ausgewogen. Es verwischt aber, dass Ursache und Reaktion keine symmetrischen Phänomene sind.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „Nach dem Anschlag ist vor dem Achselzucken – Wo bleibt nach der linksextremen Sabotage in Berlin die öffentliche Empörung?“ von Burkhard Ewert, NOZ vom 15.01.2026, Seite 2

Viel Empörung, wenig Maßstab: Warum der Kommentar von Burkhard Ewert mehr Agenda als Analyse ist.

Hallo NOZ, hallo Herr Ewert,

der Kommentar von Burkhard Ewert zum Anschlag auf die Berliner Stromversorgung spricht ein reales Problem an, arbeitet aber mit fragwürdigen Zuspitzungen und Maßstäben.

Sabotage an kritischer Infrastruktur ist ohne Zweifel ernst zu nehmen. Problematisch wird es jedoch dort, wo die Bedeutung eines terroristischen Akts nahezu ausschließlich aus der vermuteten Höhe des Sachschadens abgeleitet wird. Terror entfaltet seine Wirkung nicht primär über Kostenrechnungen, sondern über Angst, Verunsicherung, politische Instrumentalisierung, und über die Frage, wie Staat und Öffentlichkeit reagieren.

Gerade deshalb erscheint der Eindruck einer angeblich beispiellos „milden“ Reaktion wenig überzeugend. Der Anschlag wurde breit medial begleitet, die Bundesanwaltschaft ermittelt, Sicherheitsbehörden sprechen offen von Terrorverdacht. Das ist keine Bagatellisierung, sondern ein funktionierender rechtsstaatlicher Umgang.

Wenn man historische Maßstäbe anlegt, zeigt sich zudem, dass Terror in Deutschland sehr unterschiedliche Formen angenommen hat. Der NSU etwa wirkte über Jahre hinweg, mit tödlichen Folgen und gravierenden Ermittlungsfehlern. Seine zerstörerische Kraft lag weniger im materiellen Schaden als in der Dauer, den Opfern und dem institutionellen Versagen. Daran gemessen greift eine Bewertung zu kurz, die aktuelle Ereignisse vor allem anhand ökonomischer Schadenssummen dramatisiert.

Schließlich irritiert die wiederholte Andeutung, politische und mediale Reaktionen würden je nach ideologischem Hintergrund der Täter grundsätzlich unterschiedlich ausfallen. Solche Pauschalurteile tragen eher zur Polarisierung bei, als dass sie zur nüchternen Analyse politischer Gewalt beitragen.

Wer demokratische Resilienz stärken will, sollte genau darin bestehen, auf Präzision, Maßstäbe und Zurückhaltung, auch im Kommentar.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur Titelseite der NOZ vom Donnerstag, 09.10.2025, Rechtsextremismus vs Linksextremismus

Der Leserbrief kritisiert die NOZ-Titelseite vom 09.10.2025 für eine irreführende Schlagzeile, die linke Sachbeschädigungen überdramatisiert und damit die reale Gefahr des Rechtsextremismus relativiert.

Sehr geehrte Redaktion,  sehr geehrter Herr Koch, 

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur Titelseite der NOZ vom Donnerstag,  09.10.2025.

Die NOZ-Titelseite liefert ein widersprüchliches Bild: In seinem Meinungsbeitrag betont Jonas Koch völlig zu Recht, dass der Rechtsextremismus die größte Gefahr für unsere Demokratie darstellt. Umso erstaunlicher ist, dass er gleichzeitig mit der reißerischen Überschrift „Auch Linksextreme gefährden die Demokratie“ die Aufmerksamkeit auf vermeintlich linksextreme Angriffe lenkt, obwohl der Text zeigt, dass es sich um Sachbeschädigungen handelt, nicht um Überfälle.

Damit wird ein völlig falscher Eindruck erweckt: Statt die tatsächlichen Relationen klar zu benennen, entsteht durch Wortwahl und Platzierung der Eindruck einer linken Bedrohungswelle. Die Dramatisierung konterkariert den differenzierten Teil des Kommentars und fügt sich leider in ein mediales Muster, das rechte Gewalt relativiert, indem es linke Randerscheinungen überbetont.

Wer glaubwürdig über Extremismus berichten will, sollte nicht mit Schlagzeilen arbeiten, die den Leser in die Irre führen.

Mit freundlichen Grüßen