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Falsche Symmetrie: Wie Rena Lehmanns Kriminalstatistik-Kommentar AfD und Linke gleichsetzt

Die NOZ nennt die AfD beim Namen, verschweigt aber ihre Verfassungsschutz-Einstufung. Und stellt sie rhetorisch auf eine Ebene mit parlamentarischer Linken. Das ist keine Ausgewogenheit, das ist Relativierung.

Hallo NOZ, hallo Frau Lehmann,

der Kommentar zur Kriminalstatistik benennt reale Probleme, arbeitet dabei aber mit einer Gleichsetzung, die der Faktenlage nicht standhält.

Lehmann schreibt, die AfD bediene sich einer Sprache der Spaltung. Das stimmt.

Doch der entscheidende Kontext fehlt. Die AfD ist vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Das ist kein Meinungsurteil, sondern eine institutionelle Feststellung über eine Partei, welche die freiheitlich-demokratische Grundordnung aktiv bekämpft. Diesen Unterschied zu benennen wäre die Aufgabe eines Leitkommentars gewesen.

Stattdessen stellt der Text AfD-Rhetorik und linke Gegenmobilisierung in eine Parallelkonstruktion, die strukturelle Gleichwertigkeit suggeriert. Wer eine verfassungsfeindliche Partei und parlamentarische Linke, die zur Gegenwehr aufrufen, rhetorisch auf eine Ebene zieht, relativiert nicht beide Seiten gleich. Er relativiert vor allem eine.

Das „Hochschaukeln“ der Extreme klingt ausgewogen. Es verwischt aber, dass Ursache und Reaktion keine symmetrischen Phänomene sind.

Mit freundlichen Grüßen

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2 Kommentare

  1. Norbert D.

    Hallo Herr Reichl,
    Die Frage nach der Ausgewogenheit fängt ja schon bei den Nachrichten und Überschriften an.
    Die NOZ und die NW haben heute den gleichen Aufmacher, Basis ist ein Bericht der DPA Berlin Korrespondentin Anne-Marie Clasmann.
    Überschrift NW:
    „Höchststand bei Straftaten mit politischem Hintergrund
    Die Zahl der Gewalttaten, die auf das Konto von Linken und Rechten gehen, nimmt zu. Gleiches gilt für Delikte aus Hass auf Frauen. “

    Der 2. Teil des Berichtes mit dem Schwerpunkt Gewalt gegen Frauen und Polarisierung in sozialen Medien lässt die NOZ zugunstern von Oma Anni weg.

    „Die Zunahme der frauenfeindlichen politisch motivierten Straftaten gehe teils zurück auf ein verändertes Männerbild, sagt Münch – ein klassischeres Männerbild, zu dem gehöre, „dass man auch eher Gewalt anwendet“. Dies sei teils getrieben durch entsprechende Veröffentlichungen in sozialen Netzwerken.

    Die Grünen-Innenexpertin, Irene Mihalic, verweist auf Gemeinsamkeiten zwischen Islamisten und Rechtsextremen – sie eine „der Hass auf Frauen, die ihre rückschrittlichen Weltbilder nicht teilen“.

    Dementsprechend ist dann auch die Kommentierung der RND Autorin Daniela Vates deutlich anders akzentuiert.
    „Schluss mit dem Niederbrüllen“
    https://www.rnd.de/politik/politische-gewalt-schluss-mit-dem-niederbruellen-V4M46UYA2NFOFHTZ5PUIAO3N7Q.html

    • Timm Reichl

      Hallo Norbert,
      danke für den Vergleich, das ist aufschlussreich.
      Der Schnitt, den die NOZ beim dpa-Bericht vorgenommen hat, ist kein redaktioneller Zufall. Oma Anni statt Gewalt gegen Frauen und islamistisch-rechtsextremer Schnittmenge. Das ist eine Entscheidung, und sie hat eine Richtung.
      Besonders interessant ist der Vates-Kommentar im RND-Vergleich. „Schluss mit dem Niederbrüllen“ ist eine andere Schlussfolgerung aus denselben Zahlen als Lehmanns Hochschaukel-Symmetrie. Beide Texte erscheinen im selben Verlagsverbund, kommen aber zu spürbar unterschiedlichen Akzenten. Das zeigt, dass die Weichzeichnung bei Lehmann keine Zwangsläufigkeit war, sie war eine bewusste Wahl.

      Timm Reichl

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